Sonntag, 25. Juli 2021

Coldplay – Everyday Life

 



Coldplay – Everyday Life


Besetzung:

Guy Berryman – bass guitar, percussion
Will Champion – drums and percussion, keyboards, backing vocals, guitar
Jonny Buckland – guitars, keyboards
Chris Martin – lead vocals, guitars, piano, keyboards


Gastmusiker:


Aluna – choir vocal
Garine Antreassian – choir vocal
Jocelyn 'Jozzy' Donald – choir vocal
Nadeen Fanous – choir vocal
Marwa Kreitem – choir vocal
Apple Martin – choir vocal
Moses Martin – choir vocal
Bashar Murad – choir vocal
Ben Oerlemans – choir vocal
Bill Rahko – choir vocal
Norah Shaqur – choir vocal
Stromae – vocals
Omorinmade Anikulapo-Kuti – alto saxophone (track 7)
Babatunde Ankra – trombone (track 7)
Drew Goddard – guitar
Daniel Green – keyboards
Samir Joubran – oud
Wissam Joubran – oud
Adnan Joubran – oud
Femi Kuti – horn
Made Kuti – orchestrionics
Ayoola Magbagbeola – tenor saxophone
Max Martin – keyboards
Gbenga Ogundeji – trumpet
Bill Rahko – keyboards
Davide Rossi – strings
Rik Simpson – keyboards


Label: Parlophone


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop


Trackliste:

1. Sunrise (2:31)
2. Church (3:50)
3. Trouble In Town (4:38)
4. Broken (2:30)
5. Daddy (4:58)
6. WOTW / POTP (1:16)
7. Arabesque (5:40)
8. When I Need A Friend (2:35)
9. Guns (1:55)
10. Orphans (3:17)
11. Èkó (2:37)
12. Cry Cry Cry (2:47)
13. Old Friends (2:26)
14. Bani Adam (3:14)
15. Champion Of The World (4:17)
16. Everyday Life (4:18)

Gesamtspieldauer: 53:36



„Everyday Life“ heißt das achte Studioalbum der britischen Band Coldplay. Es wurde am 22. November 2019 auf dem Plattenlabel Parlophone in Europa und auf Atlantic Records in den USA veröffentlicht. Das Album ist in zwei Hälften unterteilt, wobei die erste Hälfte mit „Sunrise“ und die zweite Hälfte mit „Sunset“ betitelt ist. Zwischen beiden Hälften finden sich acht „Lieder“, die lediglich das Läuten von Big Ben wiedergeben, nicht in den Credits des Albums zu finden sind und auf dem Computer als „G“, „O“, „D“, „=“, „L“, „O“, „V“, „E“ erscheinen. Insgesamt dauert dieser Einschub ganze 39 Sekunden. Mit den Liedern „Orphans“, „Arabesque“, „Everyday Life“ und „Champion Of The World“ wurden insgesamt vier Singles zur Unterstützung des Albums ausgekoppelt.

Die musikalischen Stile auf „Everyday Life“ reichen von Pop über Rock zu Soul, Folk, Gospel und sogar klassischen Adaptionen, wie man mit dem Eröffnungslied „Sunrise“ sogleich hören kann. Durch diesen Stilmix kommt man unweigerlich in die Situation, nicht alles auf dieser Platte gut zu finden, soweit man sich nicht in allen genannten Genres zu Hause fühlt. Auf solch Titel wie „Broken“ oder „Cry Cry Cry“ hätte zumindest ich gut verzichten können. Viele der weiteren Stücke klingen ganz nett, ohne dabei jedoch das Potential zu besitzen längerfristig hängenzubleiben. Angenehm zum Anhören, aber das war es dann auch schon.

Ganz anders sieht das beim Lied „Trouble In Town“ aus. Tolle poppig-rockige Nummer mit einer überwiegend sehr düsteren, getragenen Stimmung, die zwischendrin auch mal eskaliert. Davon hätte ich gern mehr auf diesem Album gehört. Ebenfalls noch sehr überzeugend klingen Coldplay beim letzten Stück und gleichzeitig dem Titellied „Everyday Life“. Diese Nummer hätte so auch auf einem der ersten Coldplay Alben enthalten sein können. Schöne, eingängige Melodie dazu der sehnsüchtig klingende Gesang des Chris Martin. Das passt perfekt.

Kommerziell erfolgreich war „Everyday Life“ auf jeden Fall. In Deutschland kletterte das Album zwar „Lediglich“ bis auf Platz 4 der Charts, dafür erreichte es jedoch im Vereinigten Königreich und den USA sogar die Spitze der entsprechenden Album-Hitparaden. In Großbritannien übrigens zum achten Mal, beim achten Album.

Fazit: Nicht alles überzeugt auf „Everyday Life“, dem achten Studioalbum von Coldplay. Doch die Platte besitzt durchaus auch ihre Höhepunkte. Leider hat die Band ihren Stilmix hier ein klein wenig übertrieben, sodass man sich schwer auf die Musik einstellen kann. Ein einmal betretender Pfad wird dabei sofort wieder verlassen. Gewiss, das sorgt für Abwechslung – allerdings auch für etwas Seufzen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Trouble In Town, Everyday Life



Freitag, 23. Juli 2021

Little Feat – Feats Don‘t Fail Me Now

 



Little Feat – Feats Don‘t Fail Me Now


Besetzung:

Paul Barrère – guitar, vocals
Sam Clayton – percussion, vocals
Lowell George – vocals, guitar
Kenny Gradney – bass
Richie Hayward – drums, vocals
Bill Payne – keyboards, vocals


Gastmusiker:

Gordon DeWitty – clavinet ("Spanish Moon")
Fred White – drums ("Spanish Moon")
Emmylou Harris – backing vocals
Bonnie Raitt – backing vocals
Fran Tate – backing vocals
Tower of Power – horns




Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Blues, Funk


Trackliste:

1. Rock & Roll Doctor (2:58)
2. Oh Atlanta (3:29)
3. Skin It Back (4:12)
4. Down The Road (3:46)
5. Spanish Moon (3:06)
6. Feats Don‘t Fail Me Now (2:27)
7. The Fan (4:29)
8. Medley: Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie (9:59)

Gesamtspieldauer: 34:29



„Feats Don‘t Fail Me Now“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Little Feat. Es erschien am 9. August 1974 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Music. Das Album-Cover wurde erneut von Neon Park gestaltet.

Auch auf dieser Platte hört man ein Little Feat Album mit viel Blues Musik und zusätzlich einigen funkigen Ausflügen. Das klingt inzwischen leider überholt und überaus langweilig. „Feats Don‘t Fail Me Now“ ist mit noch nicht einmal 35 Minuten Spieldauer sowieso sehr kurz ausgefallen. Doch auf dem Album befindet sich mit dem Titel „Medley: Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie“ ein zehnminütiges Stück, was bereits auf dem zweiten Album „Sailin‘ Shoes“ in Form der zwei Lieder enthalten ist. Zwar werden beide Nummern hier etwas variiert, doch ein Album mit einer Interpretation von sich selbst zu veröffentlichen weist auf ganz viel Einfallslosigkeit hin.

Dies zumal, weil die Lieder auf „Feats Don‘t Fail Me Now“ inzwischen absolut langweilig und belanglos klingen. Nichts davon bleibt hängen, nichts davon möchte man öfters hören. Klar experimentieren die Musiker hier bei den Titeln. „The Fan“ und auch das bereits erwähnte Medley „Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie“ fischen sogar etwas in dem damals gerade aktuellen Progressive Rock, indem sie an der einen oder anderen Stelle experimenteller klingen, doch das lässt „Feats Don‘t Fail Me Now“ noch lange nicht zu einem interessanten, geschweige denn guten Album werden.

Die einzige Nummer, die sich etwas lohnt auf „Feats Don‘t Fail Me Now“ gehört zu werden ist das eben erwähnte „The Fan“. Etwas experimenteller, etwas aufwendiger, etwas besser. Der ganze Rest des Albums ist längst überholt. Und sich selbst zu interpretieren, dazu gehört bei solch kurzer Laufzeit jede Menge Abgezocktheit.

Fazit: Langweilige Musik, irgendwo zwischen Blues und Funk angesiedelt. Der Blues überwiegt allerdings. Inzwischen wirkt und klingt das alles langweilig und leider absolut belanglos. Und sich selbst in Form eines Medleys auf einem Album zu interpretieren zeugt von ganz wenig Kreativität. Drei Punkte.

Anspieltipps: The Fan



Mittwoch, 21. Juli 2021

AnnenMayKantereit – Alles Nix Konkretes

 



AnnenMayKantereit – Alles Nix Konkretes


Besetzung:

Christopher Annen – Gitarre
Henning May – Gesang, Klavier, Gitarre
Severin Kantereit – Schlagzeug
Malte Huck – Bass


Gastmusiker:

Ferdinand Schwarz – Trompete („Bitte bleib”)
Julia Gruber – Posaune („Bitte bleib”)


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 2016


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Oft gefragt (3:13)
2. Pocahontas (3:04)
3. Es geht mir gut (2:40)
4. 3. Stock – 4:12)
5. Wohin du gehst (2:59)
6. Mir wär‘ lieber, du weinst (3:17)
7. Bitte bleib (4:41)
8. Neues Zimmer (2:57)
9. Barfuß am Klavier (3:15)
10. 21, 22, 23 (2:48)
11. Länger bleiben (4:36)
12. Das Krokodil (2:42)

Gesamtspieldauer: 40:29



„Alles Nix Konkretes“ heißt das erste offizielle Studioalbum der Kölner Band AnnenMayKantereit. Es wurde am 18. März 2016 auf dem Plattenlabel Vertigo beziehungsweise Universal Music veröffentlicht und kletterte bereits in der Woche des Erscheinens auf Platz 1 in die deutschen und österreichischen Albumcharts.

Die zwölf Lieder auf „Alles Nix Konkretes“ gehen alle schnell ins Ohr, sind dabei häufig eher ruhig und sanft gehalten. Doch ab und an ziehen die vier Musiker auch mal das Tempo an und dann wird sogar deutlich und innig gerockt und gegroovt. Markenzeichen der Musik von AnnenMayKantereit ist sicherlich die raue Stimme des Henning May, die unabhängig von der Stimmung des jeweiligen Liedes immer perfekt zu passen scheint.

In diesem Mix aus getragenen Tönen und rockigeren Ansätzen überzeugen mich gerade die eher ruhigeren Stellen auf „Alles Nix Konkretes“. Die Lieder „Oft gefragt“, „Neues Zimmer“ und „Barfuß am Klavier“ bilden dabei die melodiösen Höhepunkte des Albums. Lieder zum Träumen und im Falle von „Oft gefragt“ auch mit einem Text ausgestattet, der rührt. Da sich jedoch auch die anderen Lieder durchaus lohnen gehört zu werden, ist „Alles Nix Konkretes“ eine gute Scheibe geworden, die Spaß macht und es sogar schafft die Gefühle von Hörerinnen und Hörern anzuregen.

Fazit: Das Debut von AnnenMayKantereit überzeugt mit schönen und eingängigen Melodien. In die Musik kann man tief eintauchen und darin träumen. Richtige Ausfälle finden sich auf der Scheibe nicht und mit der Nummer „Oft gefragt“ sogar ein Höhepunkt ganz besonderer Art. Macht Laune. Neun Punkte.

Anspieltipps: Oft gefragt, Neues Zimmer, Barfuß am Klavier



Montag, 19. Juli 2021

Various Artists – Movements




Various Artists – Movements


Diese Jahresenden sind schon seltsam. Man friert oft, man mummelt sich ein, genießt die wenigen Sonnenstrahlen, die es gibt, beginnt über das nachzudenken, was im vergangenen Jahr war, passiert ist. Ein Gefühlsgemenge zwischen „high and low“. Manche freuen sich auf die kommenden Feiertage, für andere ist die stille Zeit nur ein Graus.

Und dann liegt da dieses Klangbuch vor mir. Touch Records, ein experimentelles Label mit Sitz in England und den USA, legt nun zum Jahresende „Touch Movements“ vor, ein Bilderbuch mit Soundtrack. Das klingt zu einfach. Es ist vielmehr ein audio-visuelles Erlebnis, das man in aller Ruhe und mit viel Zeit genießen sollte. Ein Eintauchen in Fotos, die ihre eigenen Geschichten erzählen und dazu einladen, weitergesponnen zu werden. Augenblicke, die das Leben um uns herum liefert. Blicke, die der Betrachter selbst kennt. Erinnerungen, die in einem wach werden.

Dazu „Musik“, die ganz anders ist. Die immer wieder die Frage aufwirft, was Musik eigentlich ist, sein kann, sein sollte. Ein Soundtrack des Alltags. Mal „Field Recordings“, mal Drone Music, mal Orgelmusik, mal Klanglandschaften, mal verspielte Sequencerfolgen. Mal direkt, mal ganz sanft, mal monumental, mal leicht vorbei gestrichen. Touch ist kein Label für die Popkultur. Das wird auf „Movements“ ganz deutlich. Es ist vielmehr ein Klangspiegel der Gesellschaft. Hier hört man hin, was man zu hören glaubt und daraus entsteht Musik. Der Alltag als Orchester, bearbeitet von Soundtüftlern, die hier künstlerisch vorgehen, dort unverfälscht die Welt erklingen lassen. Entstanden ist ein Soundtrack für dieses Fotobuch und viel mehr. Es ist nicht die „Music for the Masses“. Es ist vielmehr diese ganze persönliche Musikerfahrung. Voller Herausforderungen, voller Erinnerungen, voller Gedankengänge. Ein tief bewegendes Klangbild zwischen den Jahren.

Samstag, 17. Juli 2021

IQ – Frequency

 



IQ – Frequency


Besetzung:

Andy Edwards – drums and percussion
Michael Holmes – guitars and keyboards
John Jowitt – bass guitar
Peter Nicholls – lead vocal and backing vocals
Mark Westworth – keyboards




Erscheinungsjahr: 2009


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Frequency (8:31)
2. Life Support (6:29)
3. Stronger Than Friction (10:31)
4. One Fatal Mistake (4:53)
5. Ryker Skies (9:47)
6. The Province (13:45)
7. Closer (8:12)

Bonus Track der remasterten Wiederveröffentlichung:

9. The Province (live) (13:42)

Gesamtspieldauer: 1:15:54



„Frequency“ heißt das zehnte Studioalbum der britischen Progressive-Rock-Band IQ. „Frequency“ wurde im Mai 2009 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea veröffentlicht und war das erste und einzige Album auf dem Keyboarder Mark Westworth sowie Schlagzeuger Andy Edwards zu hören sind. Gleichzeitig ist es das letzte Album mit Bassist John Jowitt.

Wenn man ein IQ-Album erwirbt, dann kann man schon im Voraus ziemlich genau erahnen, was man zu hören bekommt. IQ bewegen sich in ihrer Musik im Bereich des Progressive Rocks, der sehr stark angelehnt ist an jene Musik dieses Genes, wie sie bereits Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts von einigen englischen Bands zu hören war. Eingängige Melodien, Lieder, welche sich wandeln und entwickeln und zu kleinen musikalischen Reisen mutieren. Und genau mit diesen Zutaten ist auch die Musik auf „Frequency“ ausgestattet.

Die Eingängigkeit steht dabei ganz oben in der Musik von IQ. Sanfte Akkorde umspielen das Ohr, wandeln sich, entwickeln sich hin zu schnelleren Passagen, die ihrerseits wieder in sanfte Abschnitte münden. IQ erfinden auf „Frequency“ einmal mehr die Musik nicht neu, doch sie weiten ihren musikalischen „Ansatz“ aus. Und so werden all diejenigen, die auch die früheren Alben der Band mochten, auch mit dieser Platte ihre Freude haben und auf ihre Kosten kommen.

Die Höhepunkte auf „Frequency“ sind der Opener und gleichzeitig das Titellied sowie das längste Lied des Albums, „The Province“. Dieses gibt es auf der remasterten Ausgabe des Albums in Form eines Live-Titels nochmals als Zugabe. Beide Lieder, Titellied wie längste Nummer, beinhalten alles, was die Musik von IQ ausmacht. Eben jene wunderschönen Melodien und die spannenden atmosphärischen Wechsel. Sehr überzeugend.

Fazit: IQ stehen für spannenden und eingängigen Progressive Rock, der eindeutig jene Musik dieses Genres in den 70er Jahren zum Vorbild hat. Trotzdem ist das, was man bei IQ zu hören bekommt kein Plagiat. Vielmehr erweitern sie auch mit „Frequency“ dieses musikalische Spektrum, welches sich definitiv zu hören lohnt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Frequency, The Province



Donnerstag, 15. Juli 2021

Send Medicine – By Telepathy & Reputation

 



Send Medicine – By Telepathy & Reputation


Besetzung:

David Ozinga – drums
Trevor Tallakson – bass, piano
Ryan Patrick Glennan – vocals, theremin, synthesizer
Marc Agostini – guitar, vocals
Julian Hacquebard – vocals, guitar, piano, synthesizer




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Alternative Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Trouble (5:24)
2. To Photograph Mary (3:14)
3. Scorpio Long Ago (4:04)
4. Roses Are Contagious At Dawn (4:01)
5. Alligator Lady (3:53)
6. Second Biggest Fan (4:49)
7. High In The Rain (5:04)
8. Evangelic Designer (5:14)
9. Days Go By (4:54)

Gesamtspieldauer: 40:41



Send Medicine, das ist eine Band aus den USA, die ursprünglich vom Kanadier Julian Hacquebard in Toronto im Jahr 2011 gegründet wurde. Dieser zog schließlich nach Los Angeles und veröffentlicht mit seiner Band am 16. Juli 2021 mit der Scheibe „By Telepathy & Reputation“ bereits das dritte Album von Send Medicine. Stetiger Wechsel in der Besetzung waren bisher genauso ein Markenzeichen von Send Medicine wie die musikalischen Genres, in denen sich die beteiligten Musiker bewegten. Seit 2017 spielt die Band jedoch in dieser aktuellen Besetzung zusammen und auf „By Telepathy & Reputation“ hört man nun Alternative Rock mit sehr starkem psychedelischem Einschlag.

Tatsächlich klingen nicht nur die Texte der Band zum Teil fast schon surreal, es ist auch die Musik, die immer wieder tief in das Genre Psychedelic Rock bis Psychedelic Pop eintaucht. So ähnlich dürfte wohl heutzutage auch die Musik jener Musiker klingen, die Ende der 60er Jahre musikalisch in diesen Gefilden unterwegs waren, wenn sie ihre Musik im Jahr 2021 schreiben und veröffentlichen würden. Von daher erfinden Send Medicine den Psychedelic Rock nicht neu, doch sie transformieren ihn in die Gegenwart. Das hört sich jederzeit spannend und überzeugend an, wenn Julian Hacquebard seine Worte fast schon gehaucht ins Mikrofon singt und dabei von getragenen, leicht schrägen Melodien begleitet wird.

„By Telepathy & Reputation“ enthält Musik, die ohne großartige Variationen durchläuft. Es gibt da wenig Spielraum für Ausschläge nach oben oder unten. Die einzelnen Lieder laufen durch und damit wird der einmal eingeschlagene Sound von Send Medicine auf „By Telepathy & Reputation“ kompromisslos fortgesetzt. Das mag man mögen oder aber langweilig finden, konsequent ist es auf jeden Fall. Und auch wenn die Unterschiede zwischen den einzelnen Titeln nicht so offensichtlich oder übermäßig „erhörbar“ sind, so seien an dieser Stelle doch die beiden Nummern „Second Biggest Fan“ und „Evangelic Designer“ als Höhepunkte angeführt. Hier gehen Send Medicine noch ein wenig mehr ins Ohr. Die restlichen Stücke reihen sich allerdings atmosphärisch ganz nah bei diesen Liedern ein.

Fazit: „By Telepathy & Reputation“ von Send Medicine enthält Psychedelic Rock, der eindeutig im 21. Jahrhundert angesiedelt ist. Inspiriert wurde die Musik sicherlich von jener, die ungefähr fünfzig Jahre zuvor entstand. Doch das lässt das Album keinen Deut schlechter oder langweiliger erklingen. Psychedelic Rock bis Pop, der im Hier und Jetzt spielt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Second Biggest Fan, Evangelic Designer



Dienstag, 13. Juli 2021

Mark Lanegan – Bubblegum

 



Mark Lanegan – Bubblegum


Besetzung:

Mark Lanegan – vocals, guitar on 6


Gastmusiker:

PJ Harvey – vocals on 2, 9
Chris Goss – guitar on 1, 5, piano on 5, vocals on 5, choir vocal on 7
Tracey Chisholm – tape manipulation on 1, 4, drum machines on 3, 10
Molly McGuire – bass on 1, 10, background vocals on 4
Aldo Struyf – feedback on 1, synthesizer on 4, 5, 7, 9, 10, 13, piano on 5, organ on 5, 10, tape manipulation on 7
David Catching – organ on 1, guitar on 2, 3, 4, 10, lead guitar on 4, 5, 10, 15
Wendy Rae Fowler – piano on 1, vocals on 3, 6, background vocals on 4, choir vocal on 7
Joshua Homme – guitar on 4, 9, bass on 2, 4, 5, drums on 2, 3, 4, 5, lead guitar on 3, 9
Keni Richards – drums on 2
Jim Vincent – electronic drums on 2
Mike Johnson – lead guitar on 2
Ian Moore – background vocals on 2
Bukka Allen – organ on 2
Alain Johannes – lead guitar on 4, guitars on 11, 12, 13, 14, bass on 11, 12, 13, 14, drums on 11, 12, 13, 14, electronic drums on 11, 14 strings on 11, synthesizer on 11, background vocals on 12, keyboards on 12, 13, organ on 14
Natasha Shneider – background vocals on 4
Brett Netson – background vocals on 4
Greg Dulli – background vocals on 4
Nick Oliveri – background vocals on 4, bass on 7, choir vocal on 7
Jonathan Russo – bass on 4
Izzy Stradlin – vocals on 7
Duff McKagan – vocals on 7
Troy Van Leeuwen – piano on 7, guitar on 7, 9
Joey Castillo – drums on 7
John Kastner – guitar on 8, 15, background vocals on 8
Eddie Nappi – bass on 8
Dimitri Coats – lead guitar on 8, 15, drums on 8, 15, piano on 8
Mathias Schneeburger – guitar on 8, background vocals on 8, piano on 15
Melanie Campbell – bass on 15




Erscheinungsjahr: 2004


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. When Your Number Isn‘t Up (3:01)
2. Hit The City (2:48)
3. Wedding Dress (3:07)
4. Methamphetamine Blues (3:16)
5. One Hundred Days (4:36)
6. Bombed (1:08)
7. Strange Religion (4:07)
8. Sideways In Reverse (2:46)
9. Come To Me (3:45)
10. Like Little Willie John (3:53)
11. Can‘t Come Down (3:37)
12. Morning Glory Wine (4:27)
13. Head (3:04)
14. Driving Death Valley Blues (2:48)
15. Out Of Nowhere (2:43)

Gesamtspieldauer: 49:14



„Bubblegum“ heißt das sechste Solo-Album des US-amerikanischen Musikers Mark Lanegan. „Bubblegum“ erschien im Jahr 2004 auf dem Plattenlabel Beggars Banquet Records unter dem Namen „Mark Lanegan Band“. Neben Mark Lanegan hört man auf dem Album auch PJ Harvey, Josh Homme und Nick Oliveri von den Queens Of The Stone Age, Greg Dulli von The Afghan Whigs und Duff McKagan und Izzy Stradlin von Guns N‘ Roses. „Bubblegum“ ist das bisher kommerziell erfolgreichste Album des Mark Lanegan und erreichte immerhin Platz 39 der US Billboard Charts und in Deutschland kletterte die Platte bis auf Platz 67.

Auf „Bubblegum“ hört man Alternative Rock, der zum einen sehr eingängig sein kann, dann jedoch wieder fast schon verstörend rau und ungebändigt erklingt. Nicht alles also auf „Bubblegum“ geht schnell ins Ohr oder schafft dies manchmal sogar gar nicht. So ist das Album ein wilder Ritt, durch sanfte und dann wieder ausufernde Atmosphären. Spannend klingt das häufig, langweilig wird das Album nie. Insgesamt ist die Stimmung auf „Bubblegum“ eher düster bis dunkel. Fröhliche Lieder sucht man auf dem Album vergeblich. Freilich sollte man sich für die Scheibe auch Zeit nehmen, sie wirken lassen. Vieles, was sich beim ersten Mal des Hörens noch nicht offenbart, erschließt sich dann bei den weiteren Durchläufen.

Besonders gelungen klingen dabei das leider viel zu kurze und sehr sanfte „Bombed“, bei dem man Wendy Rae Fowler, die Ex-Frau von Mark Lanegan im Hintergrund hört. Klasse auch das leicht schräge „Like Little Willie John“. Jetzt mal ein Lied, welches eben gerade nicht viele Anläufe benötigt, um ganz schnell ins Ohr zu gehen. Richtige Ausfälle gibt es auf „Bubblegum“ nicht, sodass es einzig am Geschmack der Hörerin beziehungsweise des Hörers liegt, welche Nummer sie oder er hier favorisiert.

Fazit: „Bubblegum“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album geworden, welches mit einer meist düsteren Atmosphäre aufwartet. Mal erklingen die Lieder sanfter, dann hören sie sich wieder rauer und schräger an. Auf eine bestimmte Stimmung bezüglich des Tempos kann man sich auf dem Album nie einstellen. Gerade das lässt das Hören allerdings zu einer spannenden Reise werden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Bombed, Like Little Willie John, Morning Glory Wine



Sonntag, 11. Juli 2021

A-ha – East Of The Sun, West Of The Moon

 



A-ha – East Of The Sun, West Of The Moon


Besetzung:

Morten Harket – lead & backing vocals
Magne Furuholmen – keyboards, backing vocals, lead vocals on "The Way We Talk", harmonica
Paul Waaktaar-Savoy – guitars, bass guitar, drum programming, backing vocals, piano


Gastmusiker:

Jørun Bøgeberg – bass guitar
Per Hillestad – drums
Chris Hughes – drums
Phil Todd – saxophone
Martin Ditcham – percussion




Erscheinungsjahr: 1990


Stil: Pop


Trackliste:

1. Crying In The Rain (4:24)
2. Early Morning (2:58)
3. I Call Your Name (4:53)
4. Slender Frame (3:42)
5. East Of The Sun (4:47)
6. Sycamore Leaves (5:21)
7. Waiting For Her (4:49)
8. Cold River (4:41)
9. The Way We Talk (1:31)
10. Rolling Thunder (5:43)
11. (Seemingly) Nonstop July (2:55)

Gesamtspieldauer: 



„East Of The Sun, West Of The Moon“ heißt das vierte Studioalbum der norwegischen Band A-ha. Es wurde am 27. Oktober 1990 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records veröffentlicht und erreichte in Norwegen, wie bereits die Vorgängeralben, Platz 1 der Charts. In den anderen europäischen Ländern und Japan konnte sich die Platte immerhin in den Charts platzieren.

Auch auf „East Of The Sun, West Of The Moon“ hört man einmal mehr für A-ha-Verhältnisse eingängigen Pop, ohne zu viele Schnörkel, der schnell ins Ohr geht, dabei allerdings kaum Spuren hinterlässt. Geschrieben wurden die Lieder erneut hauptsächlich von Paul Waaktaar-Savoy, meist mit Unterstützung von Magne Furuholmen. Dieser schrieb den kurzen Titel „The Way We Talk“ alleine und ist hier auch mit seinem Gesang zu hören. Für A-ha-Verhältnisse fast schon experimentell und leicht jazzig verspielt. Viel mehr gibt es zu diesem Album kaum zu schreiben, da diese Lieder keinem wehtun, jedoch auch nur wenig zu begeistern verstehen.

Die Höhepunkte auf „East Of The Sun, West Of The Moon“ sind zum einen die Carole King Coverversion „Crying In The Rain“ sowie das sich etwas mystisch bis melancholisch anhörende Titellied „East Of The Sun“, welches sich atmosphärisch nun wirklich mal vom restlichen Pop des Albums angenehm abhebt. Ansonsten gibt es keine Ausfälle, A-ha wussten einmal mehr ihre Klientel zu bedienen, die inzwischen jedoch auch nicht mehr so oft hinhörte, wie die Verkaufszahlen weltweit bereits anzeigten.

Fazit: „East Of The Sun, West Of The Moon“ ist ein typisches A-ha-Album geworden. Eingängiger Pop, ohne große Risiken. Dazu noch eine gelungene Cover-Version von Carole King. Das war es, nicht mehr und nicht weniger. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Crying In The Rain, East Of The Sun



Freitag, 9. Juli 2021

Asia – Omega

 



Asia – Omega


Besetzung:

John Wetton – vocals, bass guitar
Steve Howe – electric, acoustic and steel guitars
Geoff Downes – keyboards
Carl Palmer – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2010


Stil: Rock, Melodic Rock


Trackliste:

1. Finger On The Trigger (4:30)
2. Through My Veins (5:09)
3. Holy War (5:58)
4. Ever Yours (4:04)
5. Listen, Children (5:57)
6. End Of The World (5:40)
7. Light The Way (5:11)
8. Emily (Bonus Track) (5:12)
9. I‘m Still The Same (4:43)
10. There Was A Time (5:56)
11. I Believe (4:41)
12. Don:t Wanna Lose You Now (4:46)

Gesamtspieldauer: 1:01:52



„Omega“ nannte die britische Rockband Asia ihr elftes Studioalbum, welches am 21. April 2010 in Japan bei Melodious Frontier und am 23. April 2010 in Europa bei Frontiers Records veröffentlicht wurde. In Japan waren Asia von Anfang an am erfolgreichsten, von daher ist diese um zwei Tage vorgezogene Veröffentlichung nicht weiter überraschend. „Omega“ ist das vierte Studioalbum, welches Asia in der Originalbesetzung einspielten und die zweite Platte nach der Wiedervereinigung der Band im Jahr 2006. Das Album verkaufte sich allerdings nicht sonderlich erfolgreich und konnte sich lediglich in Japan in den Charts platzieren, wo es bis auf Platz 29 kletterte.

Obwohl die vier Musiker John Wetton, Steve Howe, Geoff Downes und Carl Palmer mit King Crimson, Yes sowie ELP im Progressive Rock zu Hause waren, so war Asia niemals eine Band, die sich in diesem musikalischen Genre tummelte. Von daher ist es auch nicht weiter überraschend, dass sich die Musik auf „Omega“ ebenfalls mehr im Mainstream Rock, denn in deutlich komplizierteren Gefilden abspielt. Auf „Omega“ befindet sich eingängiger Rock, der jederzeit im Radio gespielt werden kann. Nicht kompliziert, dafür umso schneller, meist bereits beim ersten Mal des Hörens melodiös und eingängig klingend.

Das machen die vier Musiker allerdings ganz gut. Und bei zwei Nummern gelingt ihnen das besonders gut. „Through My Veins“ und vor allen Dingen „There Was A Time“ heißen die beiden Höhepunkte auf „Omega“. Letztgenanntes Stück ist ein melancholisches bis sentimentales Lied über eine verlorene Liebe, die John Wetton wunderschön zu singen versteht. Ich bin eigentlich kein Freund von Liebesliedern, schon gar nicht von manch schmalzigen Auswüchsen dieser Gattung Lied. Doch hier finde ich das in Verbindung mit der Musik wunderschön gelungen. Eine klasse Nummer, die immer wieder sehr hörenswert ist. Und der ganze Rest? Der ist, wie bereits erwähnt, eingängiger Mainstream Rock – nicht mehr und nicht weniger.

Fazit: Viel unspektakulären Mainstream Rock, radiotaugliche Massenware gibt es auf „Omega“ zu hören. Aber dann gibt es auf diesem Album auch zwei Perlen, die es lohnt gehört zu werden. Zwei Lieder, die hängenbleiben und sich gegenüber dem meist nichtssagenden Rest abheben. Das macht „Omega“ leider immer noch nicht zu einem guten Album, trotzdem ist das Hören nicht ganz verschenkt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Through My Veins, There Was A Time



Mittwoch, 7. Juli 2021

U.K. – U.K.

 



U.K. – U.K.


Besetzung:

Eddie Jobson – electronic violin, keyboards & electronics
John Wetton – voice & bass
Allan Holdsworth – guitars
Bill Bruford – kit drums & percussion




Erscheinungsjahr: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. In The Dead Of Night (5:34)
2. By The Light Of Day (4:28)
3. Presto Vivace & Reprise (3:08)
4. Thirty Years (8:09)
5. Alaska (4:42)
6. Time To Kill (4:57)
7. Nevermore (8:13)
8. Mental Medication (7:29)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung:

9. In The Dead Of Night (Single Version) (5:38)
10. Mental Medication (Single Edit) (3:25)

Gesamtspieldauer: 53:13



Im Jahr 1978 war die Blütezeit des Progressive Rocks bereits vorüber. Viele der damals in diesem Genre aktiven Bands verhedderten sich im Mainstream Rock oder gar im Allerwelts-Pop. Umso überraschender war es dann, dass sich mit U.K. eine Band aus namhaften Musikern zusammenfand, die nochmals einen Höhepunkt des Progressive Rocks auf Platte pressten. John Wetton, Mitglied bei King Crimson, Family, Uriah Heep und Roxy Music, Bill Bruford, ebenfalls Mitglied von King Crimson und natürlich der Schlagzeuger von Yes, Eddie Jobson spielte bei Curved Air, Roxy Music und in Frank Zappa’s Band sowie Allan Holdsworth, der bei Soft Machine, Gong, Tempest und The Tony Williams Lifetime aktiv war, bildeten U.K. und setzten einen der letzten Progressive Rock Höhepunkte der 70er Jahre.

U.K. von U.K. ist ganz bestimmt kein Mainstreamalbum geworden und sogar für den Progressive Rock etwas Besonderes. Denn auf dieser Platte verschmelzen die Musiker immer wieder die Grenzen zwischen besagtem musikalischen Genre Progresssive Rock und Jazz Rock, der hier vor allen Dingen durch das Gitarrenspiel des Allan Holdsworth mit eingebracht wird. Das Album beinhaltet somit auch keine lieblichen Melodien, die einem sofort ins Ohr gehen. Doch vertrauter werden einem die acht Stücke schnell, wenn man das Album wieder auflegt. Vertrackt bleibt die Musik allerdings an einigen Stellen trotzdem.

Die einzelnen Lieder vollführen viele Wendungen, spielen mit den Atmosphären und Stimmungen und gehen häufig ineinander über. Dabei klingt das Gehörte oftmals eben gerade gar nicht so eingängig, manches Mal sogar auch ein klein wenig sperrig, was die Lieder allerdings sogar auch spannender werden lässt. Immer dann, wenn eine komplexe Struktur in schließlich doch vorhandenen Wohlklang aufgelöst wird, berührt und packt diese Musik nochmals mehr.

U.K. von U.K. ist keine Platte geworden, die man nebenbei hören kann, hier wird schon die ganze Aufmerksamkeit von Hörerin beziehungsweise Hörer verlangt und auch eingefordert, möchte man diese Musik auch verstehen und genießen. Trotzdem erschließt sich auch mir nicht alles auf diesem Album, welches in der remasterten Fassung noch zwei Bonus-Lieder aufweist. Der Klang dieser Ausgabe ist klasse, die beiden Zugaben sind leicht oder stark gekürzte Fassungen zweier Lieder des Albums, um auch hier noch eine Single veröffentlichen zu können.

Fazit: Progressive Rock mit jazzigem Einschlag bekommt man auf U.K. von U.K. zu hören. Nicht alles auf dem Album ist eingängig und melodiös, doch auch diese Passagen gibt es. Und nimmt man sich die Zeit, diese Platte öfters aufzulegen, wird man immer mehr belohnt, denn das Album wächst mit jedem Durchlauf. Zehn Punkte.

Anspieltipps: By The Light Of Day



Montag, 5. Juli 2021

Various Artists – The Kankobela Of The Batonga




Various Artists – The Kankobela Of The Batonga


Vor ein paar Jahren produzierte ich ein Feature über die Feldaufnahmen von Hugh Tracey. Zuvor war ich durch Zufall in der ruandischen Hauptstadt Kigali auf eine Veröffentlichung des niederländischen Labels SWP-Records gestoßen. Ein kleines, feines Label, gegründet von Michael Baird, der in Sambia geboren wurde und eine lebenslange Liebe zur afrikanischen Musik entwickelt hat. Durch Zufall stieß Baird auf die alten Aufnahmen von Tracey und veröffentlichte sie zum ersten Mal auf CD:

Nach der Arbeit an diesem Feature bekam ich eine Original Hugh Tracey „Kalimba“ geschenkt, ein „Daumenklavier“, wie es auch genannt wird. Es ist ein einfaches Instrument, das jedoch äußerste Fingerfertigkeit vom Spielenden verlangt. Gleich vorweg, ich kann es nicht spielen, aber ich spiele gerne darauf herum. Es beruhigt, die Töne klingen angenehm, es hat etwas sehr Friedvolles an sich.

Als nun SWP-Records eine neue Veröffentlichung ankündigte, war ich gleich interessiert. „The Kankobela of the Batonga“ sind Aufnahmen auf so einem „Daumenklavier“. Michael Baird reiste dazu nach Sambia und Simbabwe, um an den Ufern des Lake Kariba Musiker aufzunehmen, die auf ihren selbstgebauten und sehr personalisierten Instrumenten für ihn spielten. Keine Kankobela, kein Musiker klingt gleich. Lieder auf der Kankobela sind sehr persönlich und drücken, wie Baird in den Liner-Notes schreibt, „their innermost feelings about a range of subjects from spiritual to humorous“ aus.

Diese Vinylplatte präsentiert Meister auf diesem so einfach erscheinenden Instrument: Nyeleti Mukkuli, Edward Mun’goma, Daunzi Munsaka, Johnny Mudenda, Aaron Nchenje, Andrew George Munyumbwe, Leonard Mweemba Siapwayuma und Timothy Mudimba. Die Songs öffnen eine musikalische Welt, die so ganz anders, ganz fremd wirkt und doch voller Faszination ist. Teil hypnotisch, teils rhythmisch, teils mitreißend, teils einladend, teils fordernd. „The Kankobela of the Batonga“ ist eine Klangreise in unbekannte Musikwelten. Zumindest für gewöhnliche Musik- und Radiohörer. Bairds Verdienst ist es, dass er mit SWP-Records den Hörer herausfordert seine Ohren weit zu öffnen für eine Kulturlandschaft, die man nicht einfach übergehen und abtun sollte. Mit dieser Platte wird ein weiterer Eindruck auf die reiche musikalische Schatzkammer des afrikanischen Kontinents gewährt. Sehr empfehlenswert!



Samstag, 3. Juli 2021

Alice Cooper – Love It To Death

 



Alice Cooper – Love It To Death


Besetzung:

Alice Cooper – vocals, harmonica
Glen Buxton – lead guitar
Michael Bruce – rhythm guitar, keyboards, backing vocals
Dennis Dunaway – bass guitar, backing vocals
Neal Smith – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Bob Ezrin – keyboards on “Caught In A Dream”, “Long Way To Go”, “Hallowed Be My Name”, “Second Coming”, and “Ballad Of Dwight Fry”




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Rock


Trackliste:

1. Caught In A Dream (3:10)
2. I‘m Eighteen (3:00)
3. Long Way To Go (3:04)
4. Black Juju (9:11)
5. Is It My Body (2:39)
6. Hallowed Be My Name (2:29)
7. Second Coming (3:04)
8. Ballad Of Dwight Fry (6:33)
9. Sun Arise (3:50)

Gesamtspieldauer: 37:05



„Love It To Death“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Band Alice Cooper. Es erschien am 9. März 1971 auf dem Plattenlabel Straight Records. Es war das erste kommerziell erfolgreiche Album der Band und gleichzeitig die erste Platte von Alice Cooper, bei der die Musik deutlicher in Richtung eines härteren Sounds tendierte.

„Love It To Death“ klingt spannend. Nicht nur, dass die einzelnen Titel gut ins Ohr gehen, auf dem Album befinden sich mit den Titeln „Black Juju“ und „Ballad Of Dwight Fry“ auch etwas experimentellere Musik, die in den Bereich des Psychedelic Rock tendiert. Vergisst man dabei das kleine Mädchen, welches zu Beginn von „Ballad Of Dwight Fry“ – heute irgendwie unfreiwillig komisch – ihre Mami fragt, wann denn Daddy wieder nach Hause kommt, dann ist auch dies ein spannender Titel, der live auf der Bühne von der Band theatralisch umgesetzt wurde. Das Lied handelt vom Insassen einer Nervenheilanstalt und Alice Cooper wurde bei diesem Lied von der Bühne geschleppt, um später wieder in einer Zwangsjacke zu erscheinen. Beim Lied „Black Juju“ wurde er dann schließlich auf der Bühne auf dem elektrischen Stuhl „hingerichtet“.

Die restlichen Lieder des Albums unterhalten ebenfalls musikalisch, auch wenn sie heute eher im Mainstream des Rocks anzusiedeln sind, zur Zeit ihrer Entstehung jedoch sicher spannend klangen. Die relativ kurze Spielzeit von 37 Minuten ist für damalige Verhältnisse auch durchaus normal. Und da sich auch kein Ausfall auf der Platte befindet, macht sie trotzdem auch heute noch Spaß anzuhören.

Fazit: Das dritte Album von Alice Cooper der Band klingt etwas härter als noch die beiden zuvor veröffentlichten Scheiben. Dazu gesellen sich auch einige experimentellere und ins Psychedelische reichende Töne, sodass man auf „Love It To Death“ eine abwechslungsreiche und auch spannende musikalische Mischung erklingt, die sich auch fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung noch zu hören lohnt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Black Juju, Second Coming, Ballad Of Dwight Fry



Donnerstag, 1. Juli 2021

Deep Purple – Who Do We Think We Are

 



Deep Purple – Who Do We Think We Are


Besetzung:

Ritchie Blackmore – guitar
Ian Gillan – vocals
Roger Glover – bass
Jon Lord – keyboards
Ian Paice – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Hard Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Woman From Tokyo (5:51)
2. Mary Long (4:26)
3. Super Trouper (2:56)
4. Smooth Dancer (4:13)
5. Rat Bat Blue (5:26)
6. Place In Line (6:31)
7. Our Lady (5:20)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2000:

8. Woman From Tokyo ('99 Remix) (6:37)
9. Woman From Tokyo (Alternate Bridge) (1:26)
10. Painted Horse (Studio Out-Take) (5:51)
11. Our Lady ('99 Remix) (6:06)
12. Rat Bat Blue (Writing Session) (0:56)
13. Rat Bat Blue ('99 Remix) (5:49)
14. First Day Jam (Instrumental) (11:26)

Gesamtspieldauer: 1:12:32



„Who Do We Think We Are“ heißt das siebte Studioalbum der englischen Hardrock-Band Deep Purple. Es wurde am 13. Januar 1973 auf dem bandeigenen Plattenlabel Purple Records veröffentlicht und über die EMI vertrieben. „Who Do We Think We Are“ war das letzte Album von Deep Purple mit Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover bis zum 1984er Studioalbum „Perfect Strangers“.

Musikalisch gesehen bedeutete „Who Do We Think We Are“ für Deep Purple eine Entwicklung hin zum Blues Rock. Damit war die Band vor allen Dingen in den USA besonders angesagt und erfolgreich und wurde dort sogar zur erfolgreichsten Band des Jahres 1973. Dies allerdings auch durch die ebenso in 1973 erfolgte Veröffentlichung des Live-Albums „Made In Japan“ und weitere Verkäufe des ein Jahr zuvor veröffentlichten „Machine Head“. Der Klassiker des Albums schlechthin ist natürlich gleich der Opener „Woman From Tokyo“. Eine rockende Nummer, Hard Rock selbstverständlich, zu der Jon Lord eine groovende Pianoeinlage beisteuert.

Ansonsten klingt „Who Do We Think We Are“ professionell und routiniert, gehört für mich allerdings nicht zu den Höhepunkten im Schaffen der Band. Die Entstehung des Albums und die anschließende Tournee waren von Streitereien, wohl auch über die musikalische Ausrichtung der Band geprägt, sodass – wie bereits erwähnt – Ian Gillan und Roger Glover Deep Purple im Juni 1973 verließen. Vielleicht ist diese Uneinigkeit im Entstehungsprozess auch der Grund, warum das Album so rar mit Höhepunkten angefüllt ist. Die Lieder lassen sich alle gut anhören, doch richtig zu packen, das verstehen die Titel auf „Who Do We Think We Are“ nicht mehr.

Die remasterte Ausgabe des Albums enthält einige Bonus Tracks. Besonders zu erwähnen ist dabei die letzte Nummer „First Day Jam“, auf der man Ritchie Blackmore am Bass hört, da Roger Glover zu der Zeit noch im Stau festhing. Ein Deep Purple Lied ohne Gitarren… das kann auch nur ein Jam sein. Interessant zu hören trotzdem.

Fazit: „Who Do We Think We Are“ ist ein Album ohne große Höhepunkte geworden, nimmt man mal den ersten Titel „Woman From Tokyo“ aus. Ansonsten klingt die Scheibe professionell und routiniert, allerdings läuft vieles darauf auch einfach so durch. Deep Purple haben sich mit „Who Do We Think We Are“ etwas mehr dem Blues Rock angenähert. Definitiv kein Höhepunkt im Schaffen von Deep Purple. Acht Punkte.

Anspieltipps: Woman From Tokyo, Rat Bat Blue



Dienstag, 29. Juni 2021

Modest Mouse – The Golden Casket

 



Modest Mouse – The Golden Casket


Besetzung:

Isaac Brock
Russell Higbee
Jeremiah Green
Lisa Molinaro
Ben Massarella
Tom Peloso
Jim Fairchild
D. Sardy
Kacknife Lee
Jordan Katz
Enrique Ugalde




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Fuck Your Acid Trip (3:11)
2. We Are Between (3:52)
3. We're Lucky (2:44)
4. Walking And Running (3:01)
5. Wooden Soldiers (5:55)
6. Transmitting Receiving (5:40)
7. The Sun Hasn't Left (4:23)
8. Lace Your Shoes (5:25)
9. Never Fuck A Spider On The Fly (4:56)
10. Leave A Light On (4:18)
11. Japanese Trees (3:05)
12. Back To The Middle (3:52)

Gesamtspieldauer: 50:29



Zumindest kann man sicherlich nicht behaupten, dass die US-amerikanische Band Modest Mouse ihre Alben allzu überstürzt veröffentlichen würde. Vergingen zwischen dem Erscheinen von „We Were Dead Before the Ship Even Sank“ und „Strangers To Ourselves“ noch acht Jahre, so dauerte es nun immerhin „nur“ noch sechs Jahre, bis das siebte offizielle Album der Band mit dem Titel „The Golden Casket“ auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht wurde.

Kaum zu glauben, doch im nächsten Jahr feiern Modest Mouse bereits ihren 30. Band-Geburtstag. Mit dem eher rauen Independent Rock ihres Debuts „This Is A Long Drive For Someone With Nothing To Think About“ aus dem Jahr 1996 hat die Musik von Modest Mouse inzwischen kaum mehr etwas gemein. Sehr viel eher hört man auf „The Golden Casket“ Parallelen zu jener Musik, die auf den Alben „Good News For People Who Love Bad News“ aus dem Jahr 2004 und dem bereits erwähnten „We Were Dead Before The Ship Even Sank“ aus dem Jahr 2007 zu hören war.

Es sind einmal mehr diese eingängigen Melodien in Verbindung zu dem unverwechselbaren und leicht schrägen Gesang des Isaac Brock, die die Musik von Modest Mouse bestimmen und dominieren und dadurch eben auch insgesamt unverwechselbar werden lassen. Das Zuhören macht Spaß, die Melodien gehen zum Teil bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr, mit jedem weiteren Durchlauf klingen sie noch intensiver und gelungener. Die Grundstimmung auf „The Golden Casket“ ist eine positive, optimistische. Zwar macht sich Isaac Brock mit seinen Texten immer noch viele Gedanken über diese Welt, er singt über Drogen und über seine Sorge bezüglich des rasanten technologischen Fortschritts in unserer Welt. Gleichzeitig freut er sich jedoch auch auf die Zukunft und die gemeinsame Zeit mit seinen inzwischen geborenen Kindern. So dringt das Zaudernde, das Ängstliche lediglich in die Texte auf „The Golden Casket“ ein, die Musik selbst scheint davon weniger beeinflusst zu sein, denn diese klingt deutlich optimistischer als manch dazugehörender Text.

Und was befindet sich nun als Höhepunkt in diesem goldenen Sarg, was „The Golden Casket“ auf Deutsch bedeutet? Nun, da haben es mir vor allen Dingen die beiden Titel „Wooden Soldiers“ und „Transmitting Receiving“ angetan. Reine Geschmackssache, sicherlich, doch bei diesen beiden Liedern kommen für mich die Zutaten der Musik von Modest Mouse so wunderbar zutage. Musik die anders klingt, leicht verschroben und irgendwie besonders.

Fazit: Mit „The Golden Casket“ ist Modest Mouse einmal mehr ein überzeugendes Album gelungen. Dieses wächst mit jedem weiteren Anhören und enthält, die für diese Band so typischen Zutaten. Leicht schräger Gesang und in Verbindung zu eingängigen und trotzdem zum Teil skurrilen Melodien einen unverwechselbaren Klang. Modest Mouse Fans dürfte das Gehörte gefallen und all denjenigen, die auch mal abseits der Radiodauerschleifen Musik hören ebenso. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Wooden Soldiers, Transmitting Receiving