Samstag, 28. September 2013

Everon – North




Everon – North


Besetzung:

Oliver Philipps – vocals, piano, keys & orchestrations, guitars
Christian ”Moschus” Moos – drums & percussion
Uli Hoever – guitars
Schymy – bass


Gastmusiker:

Judith Stüber – vocals on “Islanders”
Rupert Gillet – cello on “Test The Time”, “Wasn’t It Good”, “From Where I Stand”


Label: Mascot Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Progressive Rock, Symphonic Rock, Prog Metal


Trackliste:

1. Hands (5:12)
2. Brief Encounter (6:52)
3. From Where I Stand (5:56)
4. Test Of Time (5:02)
5. North (5:04)
6. South Of London (4:05)
7. Wasn't It Good (6:34)
8. Woodworks (3:25)
9. Islanders (4:18)
10. Running (5:01)

Gesamtspieldauer: 51:28




Schon beeindruckend, was die Musiker von Everon aus Krefeld da auf ihrem siebten Studioalbum 2008 präsentieren. Ein klein wenig Progressive Rock und sehr viel symphonischen Rock vom feinsten, harmonisch und immer ausgesprochen melodiös klingend. Oder ist das Prog Metal? Ganz eindeutig ist das im vorliegenden Fall nicht. Zwar wird auf dem Album gerockt und auch in einer Art und Weise, die unglaublich eingängig und packend ist. Aber auch die ruhigeren Momente haben Einzug auf „North“ gehalten, diese werden dann meistens vom Piano dominiert, sodass ein Gesamtwerk entsteht, welches den Hörer zu fesseln weiß. Alles klingt, alles wirkt.

Somit erübrigt es sich auch einzelne Songs herauszuheben. Die Gesamtheit der Titel macht es. Mitunter klingt das schon ein wenig pompös und bombastisch, aber in keinster Weise übertrieben. Streicher haben ihren Einsatz, allerdings immer genau richtig dosiert, sodass sich nie das Gefühl der Überladung einstellt. Zudem wirkt der Sound des Albums voll und ausgereift. Dabei kommt nicht der Eindruck auf, dass hier irgendwie etwas zu sehr in den Vordergrund gerückt wurde, andererseits fehlt auch nichts. Ausgereift eben.

Und um das runde Bild abzuschließen, gesellen sich auch noch schöne und interessante Texte hinzu, die zu verfolgen sich ebenfalls lohnt. Wenn es etwas negativ anzumerken gibt, dann vielleicht, dass sich die Stücke allesamt wirklich sehr ähneln. Deshalb fällt es auch ein wenig schwer, einzelne Nummern irgendwie herauszuheben. Ist das Album mal in den CD-Player eingelegt, dann läuft es eben durch. Jedoch nicht einfach so nebenbei, die Musik von Everon auf „North“ hinterlässt durchaus einen Eindruck – und dieser ist positiv.

Fazit: Wer auf symphonischen und melodiösen Prog Metal steht, der auch immer wieder ruhigere Abschnitte aufweist, der kann hier eigentlich nicht viel falsch machen. Schöne und packende Musik zum darin Eintauchen und sich anschließend treiben lassen. Alles klingt und ist harmonisch und sehr melodiös. Dieses eine Überlied, das fehlt allerdings. Dafür gibt es jede Menge gleichbleibend hohe Qualität für die Ohren. Und das Cover ist ebenfalls klasse gelungen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Brief Encounter, Test Of Time, North, Wasn't It Good, Woodworks





Freitag, 27. September 2013

Lou Reed – New York




Lou Reed – New York


Besetzung:

Lou Reed – vocals, guitar, background vocals


Gastmusiker:

Mike Rathke – guitar
Rob Wasserman – clevinger electric upright six-string bass
Fred Maher – drums, fender bass
Maureen Tucker – percussion
Jeffrey Lesser – background vocals
Dion DiMucci – background vocals


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Romeo Had Juliette (3:11)
2. Halloween Parade (3:33)
3. Dirty Blvd. (3:31)
4. Endless Cycle (4:02)
5. There Is No Time (3:47)
6. Last Great American Whale (3:42)
7. Beginning Of A Great Adventure (4:57)
8. Busload Of Faith (4:50)
9. Sick Of You (3:26)
10. Hold On (3:25)
11. Good Evening Mr. Waldheim (4:37)
12. Xmas In February (2:58)
13. Strawman (5:54)
14. Dime Store Mystery (5:02)

Gesamtspieldauer: 56:54




Das Album „New York“ wird in zahlreichen Rezensionen als eines der besten Solo-Platten des Ex-Velvet Underground Mitglieds angesehen. Und was man auf „New York“ hört ist wahrlich gut gemachter Rock’n’Roll. Inhaltlich setzt sich Lou Reed in den vierzehn Songs mit „seiner“ Stadt auseinander, die allerdings meistens dabei nicht sehr gut wegkommt. Es scheint sich bei ihm also um so eine Art Hassliebe zu handeln. „New York“ ist übrigens bereits das sage und schreibe fünfzehnte Solo-Album Lou Reeds.

Nun, man muss diesen Sprechgesang des Lou Reed mögen, um überhaupt was mit der Musik des Amerikaners anfangen zu können. Die Songs auf „New York“ sind alle sehr zurückhaltend instrumentiert. Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug – das sind die Zutaten der vierzehn Titel. Und wenn es mal mehr sein soll, dann gibt es noch ein wenig Hintergrundgesang dazu - das war es dann aber auch schon.

Die Titel grooven alle durch die Bank weg. Mitunter hört man auch Country-Anleihen, wenn die Saiten der Gitarre in typisch amerikanischer Folklore-Manier gezogen werden, ohne dass dabei gleich eine Pedal-Steel Gitarre zum Einsatz kommen müsste. Glücklicherweise halten sich diese Ansätze, wie beim Titel „Endless Circle“, jedoch im Hintergrund. Nun, die Musik rockt und groovt, was mir jedoch ein wenig abgeht, das sind die tollen Melodien, die längerfristig hängenbleiben würden. So groovt und rockt „New York“ als Platte nicht schlecht, die Eingängigkeit geht ihr aber ab. Für mich der Nachteil dieses Albums. Freunde des Blues-Rock werden das aber mit Sicherheit ganz anders sehen.

Besser wird die Platte immer dann, wenn ordentlich gerockt wird. Das ist zum Teil so beim Opener „Romeo Had Juliette“ und vor allem bei „Strawman“. Hier ist es dann besonders schwer die Füße still zu halten, um nicht mit zu wippen. Auch sehr gelungen, aber aus einem ganz anderen Grund, ist die letzte Nummer des Albums „Dime Store Mystery“. Für mich sogar das beste Lied auf der Platte. Das Bass-Spiel Dave Wassermanns ist einfach klasse und erzeugt hier ein Flair in der Musik, der sonst nicht auf dem Album zu finden ist. Und dieser Bass wird hier mit einem Bogen gespielt, was zu dieser ganz unwirklichen Stimmung führt. Das ist jetzt auch kein Rock’n’Roll mehr, das ist nun eher so etwas wie Art-Rock. Interessant und absolut nicht alltäglich, spannend und auch melodisch - auf eine ganz abstrakte Weise.

Fazit: Eine Blues-Rock-Platte hat Lou Reed da 1989 vorgelegt, die von seinem Gitarrensound und seinem Sprechgesang lebt. Ein Jahr später veröffentlichte er zusammen mit John Cale ein Album, welches Andy Warhol gewidmet ist. Da gibt es diese tollen Melodien zu hören, die ich hier vermisse – bis auf diese eine Ausnahme. Und leider turnen mich solche Blues-Stücke wie „Beginning Of A Great Adventure“ absolut ab, da möchte ich am liebsten das Weite suchen. Na, das Album wird in den einschlägigen Fachzeitschriften als eines der besten Rock’n’Roll-Platten der 80er Jahre gelobt. Mich packt „New York“ von Lou Reed allerdings nur an den wenigsten Stellen. Mir fehlt einfach das Blues-Feeling – ich weiß. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Romeo Had Juliette, Hold On, Strawman, Dime Store Mystery





Donnerstag, 26. September 2013

Blue October – Any Man In America




Blue October – Any Man In America


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, guitar
Jeremy Furstenfeld – drums, percussion
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin, keyboards
Tim Palmer – guitars
Matt Noveskey – bass guitar, guitar (7)


Gastmusiker:

Steve Schiltz – guitars (3, 5, 9)
Charles Hudson III – guitar (6)
Patricia Lynn – guest vocals (11, 13)
Avery Noveskay – guest vocals (11)
Ray C. – guest vocalist
Brendan Bond – trumpet (4)


Label: Ear Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Rock, Pop, Alternative


Trackliste:

1. Everything (A.M. Limbo) (0:52)
2. The Feel Again (Stay) (6:00)
3. The Money Tree (4:59)
4. For The Love (4:43)
5. Drama Everything (4:30)
6. The Chills (3:34)
7. The Flight (Lincoln To Minneapolis) (6:45)
8. Any Man In America (6:25)
9. You Waited Too Long (4:28)
10. The Honesty (4:22)
11. The Getting Over It Part (4:38)
12. The Worry List (4:33)
13. The Follow Through (6:10)

Gesamtspieldauer: 1:02:05




Justin Furstenfeld war Papa einer Tochter geworden. Stolzer Vater. Das dokumentiert er nicht nur mit zahlreichen Bildern im Booklet der CD, nein auch viele Texte in den einzelnen Songs befassen sich mit diesem Thema. Das inzwischen bereits sechste offizielle Studio-Album um den Gitarristen, Sänger und Songschreiber ist wieder ein schönes Pop-Rock-Album geworden. Eingängige und melodiöse Harmonien bahnen sich den Weg zum Ohr des Hörers. Alles klingt und wirkt und das Album wächst sogar noch mit jedem weiteren Hören, da die Klänge immer vertrauter werden.

Die einzelnen Songs sind meist im Mid-Tempo gehalten, richtig kräftig gerockt wird nur sehr selten. Es ging Justin Furstenfeld auf diesem Album ganz offensichtlich um die Eingängigkeit der Lieder und das ist ihm auch gelungen. So fällt es auch schwer, einzelne Lieder besonders hervorzuheben, da sie alle ihre Qualität besitzen. „The Money Tree“, „For The Love“ sowie der letzte Titel „The Follow Through“ klingen dabei noch besonders gelungen. Ungewöhnlich und nicht so ganz passend ist dagegen die eingestreute Rap-Einlage des Ray C. bei der Nummer „The Flight (Lincoln To Minneapolis)“. Muss man mögen, ich persönlich finde das nicht so gelungen, obwohl das Lied sonst im Refrain auch zu gefallen weiß. Beim Titelsong „Any Man In America“ versucht sich Justin Furstenfeld in der Strophe selbst mal am HipHop und in diesem Lied fällt dann auch oft das Wort mit „f“. Allerdings ist dieser Song auch sonst nicht überaus melodisch. Eher einer der wenigen Tiefpunkte des Albums.

Fazit: Ein nettes Pop-Rock-Album ist „Any Man In America“ geworden. Nichts, was essentiell wäre, jedoch auch wahrlich keine schlechte Platte. Die absoluten „Übersongs“ fehlen, aber das meiste, was auf dieser Scheibe zu hören ist klingt – und zwar gut. Gute Unterhaltung. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Money Tree, For The Love, The Follow Through





Mittwoch, 25. September 2013

AC/DC – Fly On The Wall




AC/DC – Fly On The Wall


Besetzung:

Angus Young – lead guitar
Malcolm Young – rhythm guitar
Brian Johnson – vocals
Cliff Williams – bass guitar
Simon Wright – drums


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Fly On The Wall (3:43)
2. Shake Your Foundations (4:08)
3. First Blood (3:40)
4. Danger (4:22)
5. Sink The Pink (4:14)
6. Playing With Girls (3:44)
7. Stand Up (3:53)
8. Hell Or High Water (4:31)
9. Back In Business (4:22)
10. Send For The Man (3:26)

Gesamtspieldauer: 40:03




„Fly On The Wall“ nannten die australischen Hard-Rocker ihr inzwischen bereits neuntes Studioalbum, welches 1985 veröffentlicht wurde. Und wie immer bei einem AC/DC-Album bekommt man ordentlich was auf die Ohren. Knallharten Hard’n’Heavy-Sound gibt es auf „Fly On The Wall“ zu hören, der von der ersten bis zur letzten Note des Albums auch konsequent durchgezogen wird.

So ein klein wenig schienen sich die Australier, bei denen nun Simon Wright den ursprünglichen Drummer Phil Rudd am Schlagzeug ersetzt hatte, allerdings in einer „Schaffenskrise“ zu befinden. Wieder handwerklich perfekt gemacht, voller Sound, treibende Beats und klasse Gitarrensoli, der Funke will allerdings trotzdem nicht so recht überspringen. Irgendwie ist das alles sehr vorhersehbar, zu wenig überraschend und die richtig guten Songs, die man sich selbst auf ein „Best Of“-Album pressen würde, die fehlen hier. Kein Song von „Fly On The Wall“ wäre darauf vertreten.

Die Musik knallt zwar wieder knochentrocken und hart aus den Boxen, eine irgendwie geartete Nachhaltigkeit besitzt sie jedoch nicht. Alles rockt und groovt mitunter auch ganz nett, aber ohne letztendlich doch richtig überzeuge zu können. Vielleicht liegt es auch einfach daran, da kein Titel auf „Fly On The Wall“ vertreten ist, der das gewisse „Etwas“ besitzt, welches ihn zu einem besonderen Song werden lässt. Gut gemachter Durchschnitt, ohne die herausragenden Höhepunkte. Und solche Titel wie „Stand Up“, die ganz offensichtlich zum Mitgrölen konzipiert wurden, die langweilen leider auf Dauer einfach nur.

Fazit: Für Hard’n’Heavy-Fans sowie AC/DC-Jünger natürlich ganz klar ein „Must-Have“. Wer sich allerdings mal in diese Band einhören will, dem seien die Platten mit Bon Scott sowie „Back In Black“ oder die beiden Scheiben aus den 90ern empfohlen. Das hier ist zwar auch AC/DC, aber das konnten sie schon sehr viel besser und werden es auch wieder besser machen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Shake Your Foundations, First Blood, Danger




Dienstag, 24. September 2013

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – The Century Of Self




And You Will Know Us By The Trail Of Dead – The Century Of Self


Besetzung:

Conrad Keely – ohne Instrumentenangabe
Jason Reece – ohne Instrumentenangabe
Kevin Allen – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker:

Jay Leo Phillips – bass, vocals
Aaron Ford – drums, vocals, organ
Clay Morris – keyboards, organ
Brenda Radney – vocals
Yasmine Kittles – vocals
Anand Wilder – vocals
Chris Keating – vocals


Label: Superball Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Alternative


Trackliste:


CD: The Century Of Self

1. The Giants Causeway (2:39)
2. The Far Pavilions (4:54)
3. Isis Unveiled (6:27)
4. Halcyon Days (6:36)
5. Bells Of Creation (5:24)
6. Fields Of Goal (3:42)
7. Inland Sea (4:09)
8. Luna Park (4:22)
9. Insatiable (One) (4:44)
10. Pictures Of An Only Child (2:03)
11. Ascending (4:47)
12. An August Theme (0:51)
13. Insatiable (Two) (3:04)

Gesamtspieldauer der CD: 53:41


DVD: And You Will Know Us By The Trail Of Dead: Live In Düsseldorf

1. Gargoyle Waiting
2. Bells Of Creation
3. Aged Dolls
4. A Perfect Teenhood
5. Clair De Lune
6. Totally Natural
7. Mistakes And Regrets
8. Richter Scale Madness

Gesamtspieldauer der DVD: 56:42




Ein klein wenig klingt das sechste Studio-Album der texanischen Band And You Will Know Us By The Trail Of Dead nach „Back To The Roots“. Denn auf „The Century Of Self“ wird wieder deutlich härter gerockt, als es noch auf den zwei Vorgänger-Alben der Fall war. Vieles erinnert hier an die Anfänge der Band. „The Giants Causeway“, der erste Titel der Platte, beginnt zwar zunächst recht zurückhaltend, wirkt fast hymnisch und bombastisch, nach diesen gut zweieinhalb Minuten geht es dann jedoch mit „The Far Pavilions“ gleich in die Vollen. Jetzt wird gerockt, kraftvoll und ohne Kompromisse. Zwar gibt es auch hier in der Mitte des Songs eine kurze Auflockerung in Form eines nicht allzu langen und fast schon orchestralen Einschubs, aber schnell wird das ursprüngliche Thema wieder aufgegriffen und es geht erneut sehr rockig weiter. Fast ohne Übergang wird schließlich „Isis Unveiled“ gestartet, ein Lied welches trotz seiner kraftvollen Härte sehr melodiös aus den Lautsprechern kommt. Klasse hier ebenfalls wieder der Mittelteil, der rhythmisch im Chor fast wie eine Hymne vorgetragen wird, um anschließend erneut in den schnelleren Part überzugehen. „Halcyon Days“ im Anschluss daran, ist ein Mid-Tempo Lied, worauf sich einer der Höhepunkte der Platte anschließt: „Bells Of Creation“. Eine tolle und kraftvolle Nummer, die genau so klingt, wie man sich Rock-Musik im 21. Jahrhundert vorstellt: Eingängig, packend und eben nicht so ein 08/15-Song, wie sie viele Mainstream-Bands zuhauf auf den Markt werfen, die dann auch rauf und runter in den diversen Radiostationen dieser Erde gespielt werden. Spannende Musik in verschiedene Teile unterteilt, die jeweils rocken und dabei nie die Melodie des Songs in den Hintergrund treten lassen.

„Fields Of Goal“ ist wieder ein Lied der härteren Art, bevor mit „Inland Sea“ auch auf „The Century Of Self“ die etwas ruhigeren Töne Einzug auf dem Album halten. „Ruhig“ ist hier allerdings relativ gemeint, denn auch dieses Lied rockt, nur eben nicht in der Intensität wie die Vorgänger. Mit „Luna Park“ wird es im Anschluss daran dann sogar wirklich ruhig und zurückhaltend. Balladesk entwickelt sich hier ein nachdenklicher Song, der im Vergleich zu dem vorher Gehörten fast schon einen Stilbruch darstellt – ohne wirklich einer zu sein. Denn auch dieses Lied gewinnt im weiteren Verlauf an Intensität. Aber dieser eingeschlagene Weg der etwas leiseren Töne wird auch mit „Insatiable (One)“ fortgesetzt. Alles jedoch immer unter der Überschrift: Melodiöse Musik.

Und dann folgt sogleich der nächste Höhepunkt des Albums „Pictures Of An Only Child“. Eine schöne pianolastige Ballade, eingängig und ein wenig an eine russische Weise erinnernd, hört man hier perlende Pianoklänge, die mit knapp über zwei Minuten leider ein wenig zu kurz geraten sind. Doch dann befinden wir uns stilistisch wieder am Beginn des Albums. Es wird erneut gerockt auf „Ascending“. Perfekt abgemischt und arrangiert ist dieses Lied und auch hier gibt es wieder solch einen Mittelteil, der im Chor eingesungen wird, bis der Titel wieder seine ursprüngliche Fahrt aufnimmt. „An August Theme“ ist ein kurzes instrumentales von Streichern und einem Synthesizer dominiertes Intermezzo, bevor das Album mit „Insatiable (Two)“ hauptsächlich zart und getragen ausklingt.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier erneut das Cover-Artwork, für welches sich einmal mehr Conrad Keely auszeichnete. Wirklich beeindruckend gezeichnet das Ganze. Und legt man, die in der Deluxe-Ausgabe beigelegte DVD ein, so kann man diese Bilder nochmals ein klein wenig animiert bewundern und And You Will Know Us By The Trail Of Dead während eines knapp einstündigen Live-Auftritts in Düsseldorf beobachten, bei dem die Lieder noch mal ein klein wenig härter klingen, als auf der CD selbst. Wobei anzumerken wäre, dass sich die Songauswahl auf die ersten Alben der Band und nicht auf „The Century Of Self“ bezieht. Trotzdem eine schöne Zugabe.

Fazit: And You Will Know Us By The Trail Of Dead sind auf „The Century Of Self“ wieder deutlich härter geworden, was der Qualität der Musik allerdings überhaupt nicht im Wege steht. Die Musik kann den Rock-Freund packen, denn weichgespült ist hier überhaupt nichts. Die härteren Töne sind angesagt, die allerdings in packenden Melodien verpackt dargeboten werden und somit auch für Freunde der „gemäßigteren“ Sounds von Interesse sein dürften. Elf Punkte.

Anspieltipps: Bells Of Creation, Inland Sea, Pictures Of An Only Child, Insatiable (Two)





Montag, 23. September 2013

Genesis – We Can’t Dance




Genesis – We Can’t Dance


Besetzung:

Tony Banks – keyboards, vocals
Phil Collins – drums, percussion, lead vocals
Michael Rutherford – guitars, bass, vocals


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Pop


Trackliste:

1. No Son Of Mine (6:40)
2. Jesus He Knows Me (4:16)
3. Driving The Last Spike (10:09)
4. I Can't Dance (4:01)
5. Never A Time (3:50)
6. Dreaming While You Sleep (7:17)
7. Tell Me Why (4:59)
8. Living Forever (5:41)
9. Hold On My Heart (4:38)
10. Way Of The World (5:39)
11. Since I Lost You (4:10)
12. Fading Lights (10:17)

Gesamtspieldauer: 1:11:37




Okay, man darf nie, aber auch wirklich nie die Alben der drei verbliebenen Genesis-Kollegen, mit ihrer Phase zu viert oder gar zu fünft vergleichen. War damals noch progressiver Rock zu hören, so produzierte die Band als Trio hauptsächlich Pop-Musik – mit lediglich kleineren Einschränkungen. Auf „We Can’t Dance“, dem inzwischen vierzehnten Studio-Album der Band, ist es schließlich Pop-Musik pur geworden, die die Band veröffentlichte.

Okay, also ein Pop-Album. Und ich muss zugeben der Single Hit „I Can’t Dance“ ist wirklich gelungen. Witzig vom Text her, rhythmisch in seiner Anlage und eingängig bezüglich der Melodie. Was noch? „No Son Of Mine“ hat nicht mehr die Qualität wie „I Can’t Dance“, ist aber trotzdem ein gelungenes Lied. Melodiös und mit Wiedererkennungswert. Der nächste Hit der Platte „Jesus He Knows Me“ nervt da schon ein wenig mehr. Irgendwie merkt man dem Stück an, dass es für das Radio komponiert wurde. Es sollte eben ein Hit werden und dazu musste er die nötige Länge und Eingängigkeit besitzen. Beides ist vorhanden, allerdings ist das dann schon 08/15-Pop.

Nun zum Rest. Da wären noch „Driving The Last Spike“ und „Dreaming While You Sleep“, die für Pop-Musik noch ganz annehmbar sind, melodiös und mit wenigstens ein wenig Atmosphäre versehen. Auch das Keyboard-Solo auf „Fading Lights“ ist gut gelungen, der Rest des Liedes allerdings: „unter aller Kanone“. Genau wie auch der Rest der CD. Das ist ein Schmalz über Liebe und Herzschmerz mit den billigsten Melodien, die nun aber überhaupt nicht mehr zünden wollen. „Tell Me Why“ ist ein pseudosozialkritisches Stück und dann der absolute Abschuss „Hold On My Heart“. Da fehlen einem die Worte um zu beschreiben, wie schlecht das ist, dieses 80er Jahre Phil Collins Gedudel. Einfach nur noch grausam.

Fazit: Mit „I Can’t Dance“ hat dieses Album einen Höhepunkt. Dann gibt es da noch ein paar ganz akzeptable Lieder oder zumindest Stellen in Liedern, der Rest ist völliger Schrott. Auch Pop-Musik haben Genesis schon wesentlich besser hinbekommen. Ach ja, das möchte ich hier an dieser Stelle natürlich auch nicht unter den Tisch fallen lassen: „We Can’t Dance“ war das verkaufstechnisch erfolgreichste Album Genesis‘ überhaupt. Fünf Punkte.

Anspieltipps: No Son Of Mine, Driving The Last Spike, I Can't Dance





Sonntag, 22. September 2013

Æon Spoke – Æon Spoke




Æon Spoke – Æon Spoke


Besetzung:

Paul Masvidal – vocals, guitar
Sean Reinert – drums, percussion, keyboards & backing vocals
E. Van Orden “Evo” – guitar


Gastmusiker:

Stephen Gambina – bass


Label: SPV


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Pop, Art Rock


Trackliste:

1. Cavalry Of Woe (4:15)
2. No Answers (3:38)
3. Sand And Foam (3:20)
4. Nothing (5:23)
5. The Fisher Tale (5:25)
6. Emmanuel (4:32)
7. Grace (4:58)
8. Pablo At The Park (5:10)
9. Yellowman (3:46)
10. Silence (4:41)

Gesamtspieldauer: 45:07




Æon Spoke ist eine US-Amerikanische Band, die bisher genau zwei Alben auf den Markt brachte. Album Nummer 1 wurde 2004 unter dem Titel „Above The Buried Cry“ veröffentlicht. 2007 gab es dann das zweite Werk, was unter dem Bandnamen Æon Spoke erschien. Der Unterschied zwischen beiden Platten sind genau drei Titel. Die restlichen sieben befinden sich sowohl auf der Ausgabe aus dem Jahr 2004, wie auch auf der Veröffentlichung von 2007 – jedoch nun unter einem anderen Plattenlabel.

Eigentlich schade, dass die drei Musiker, der Bassist Stephen Gambina zählt anscheinend nicht zum offiziellen Line-Up der Band, keine weiteren Alben mehr veröffentlichten, denn die Musik auf Æon Spoke ist durchaus hörenswert. Eingängige Pop-Musik, die weit davon entfernt ist oberflächlich zu sein, gibt es auf der Platte zu hören. Gitarrenlastig, jedoch nie hart, immer melodisch, jedoch in keinster Weise platt und anbiedernd. Alles klingt und wirkt, unaufdringliche und angenehme Musik, die in der Gesamtheit eher ein wenig melancholisch denn übertrieben fröhlich wirkt.

Unter den zehn auf der Platte versammelten Titeln befindet sich kein Ausfall, jeder Song hat was, etwas, das ihn hörenswert macht. Meist im Mid-Tempo gehalten entwickelt sich ein voller Sound, der durch den kraftvollen Hintergrundgesang noch an Substanz gewinnt. Harmonisch fließen die Melodien ineinander über und entfalten eine irgendwie geartete wohlige Wärme, die schnell den Raum erfüllt.

Manches Mal erinnert die Musik ein wenig an Blackfield, von der Stimmung her passt das sogar überaus perfekt. Bestes Beispiel hierfür ist die Nummer „Emmanuel“, die durchaus eine Koproduktion von Aviv Geffen und Steven Wilson aus besagter Band sein könnte. Alles auf Æon Spoke von Æon Spoke wirkt schön, ein passenderes Wort für die Musik fällt mir da leider nicht ein.

Fazit: Wer auf ruhige und überaus melodische Musik steht, die eher sentimental als überschwänglich fröhlich ist, der wird mit Æon Spoke sehr viel Freude haben. Die Musik ist nichts Außergewöhnliches, allerdings auch nichts Alltägliches. Sanfte und ausgereifte Musik für die ruhigeren Stunden des Tages oder wahrscheinlich sogar eher etwas für den Abend, um den Tag sanft ausklingen zu lassen. Musik durchaus zum Träumen und sich fallen lassen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Cavalry Of Woe, Emmanuel, Silence





Samstag, 21. September 2013

Red Hot Chili Peppers – By The Way




Red Hot Chili Peppers – By The Way


Besetzung:

Michael "Flea" Balzary – bass, contrabass, trumpet and backing vocals
John Frusciante – guitar, backing vocals, piano, keyboards and modular synthesizer
Anthony Kiedis – lead vocals
Chad Smith – drums, percussion


Label: Warner Bros. Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Alternative Rock, Funk Rock


Trackliste:

1. By The Way (3:38)
2. Universally Speaking (4:19)
3. This Is The Place (4:18)
4. Dosed (5:12)
5. Don't Forget Me (4:38)
6. The Zephyr Song (3:53)
7. Can't Stop (4:29)
8. I Could Die For You (3:14)
9. Midnight (4:56)
10. Throw Away Your Television (3:45)
11. Cabron (3:38)
12. Tear (5:17)
13. On Mercury (3:28)
14. Minor Thing (3:38)
15. Warm Tape (4:17)
16. Venice Queen (6:07)

Gesamtspieldauer: 1:08:47




Der „Stilwechsel“ beziehungsweise die Stilerweiterung, die auf dem Vorgänger-Album „Californication“ eingeleitet wurde, wurde auf dem Nachfolger „By The Way“ aus dem Jahr 2002 konsequent fortgeführt. Auch hier gibt es jetzt die sehr viel eingängigere Musik zu hören, die zwar rockt, jedoch deutlich melodiöser auftritt und mit vielen tollen Ideen und Abwechslungen zu überzeugen weiß. Wenn Funk Rock oder HipHop so klingen wie zum Beispiel bei „By The Way“ oder „Can’t Stop“, dann kann damit auch der Musikhörer mit dem „etwas gemäßigteren“ und mainstreammäßigeren Geschmack eine ganze Menge anfangen. Da passen die etwas härteren und die melodiösen Abschnitte einfach perfekt aufeinander abgestimmt zusammen, sodass das Ganze überzeugend wirkt und sich auch genauso anhört.

Die Abwechslung wird auf „By The Way“ ebenfalls groß geschrieben. Da gibt es solch eine ungewöhnliche, folkloristisch angehauchte und mitreißende Nummer wie „On Mercury“ oder das in eine ähnliche Richtung gehende „Cabron“. Dann wieder wunderschöne, zum Teil balladesk wirkende Titel wie „Tear“ oder das deutlich treibendere „Venice Queen“, ein weiterer Höhepunkt des Albums. Dazu darf auch „Don’t Forget Me“ gerechnet werden. Das Lied klingt nach Sehnsucht und Melancholie, obwohl es noch nicht einmal sehr ruhig gehalten ist, sondern durchaus noch als Rock-Song durchgeht.

Und so findet sich jede Menge richtig gut gemachter Rock auf dieser Platte, der zwar mitunter auch in die Pop-Richtung abdriftet, jedoch immer wieder den Weg zurück findet, sehr abwechslungsreich ist, nie langweilig wird und den Ausschlag nach unten überhaupt nicht aufweist. Es rockt mal härter, mal ein wenig gemäßigter und über allem steht bei den Red Hot Chili Peppers auf „By The Way“ die Melodie und die eingängige Harmonie, die das Album zu etwas sehr Lohnenswerten werden lassen.

Fazit: Die Red Hot Chili Peppers öffneten sich mit „By The Way“ ein Stückchen weiter für den Massenmarkt. Das wirkt hier allerdings nicht anbiedernd, platt oder nur noch kommerziell, das klingt hier eingängig, melodiös, interessant und spannend. Die Ideen wirken ausgereift, die Lieder treffen den Hörer und bewirken, dass man die CD immer wieder in den Spieler einlegen kann, ohne die Skip-Taste der Fernbedienung parat haben zu müssen. Eine Platte die Spaß macht. Elf Punkte.

Anspieltipps: By The Way, Don't Forget Me, Can't Stop, Tear, On Mercury, Venice Queen





Freitag, 20. September 2013

Radiohead – Hail To The Thief




Radiohead – Hail To The Thief


Besetzung:

Colin Greenwood – bass guitar, string synth, sampler
Jonny Greenwood – guitar, analogue systems, ondes martenot, laptop, toy piano, glockenspiel
Ed O'Brien – guitar, effects, vocals
Phil Selway – drums, percussion
Thom Yorke – vocals, guitar, piano, laptop


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Post Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. 2 + 2 = 5 (3:19)
2. Sit Down. Stand Up. (4:20)
3. Sail To The Moon (4:18)
4. Backdrifts (5:23)
5. Go To Sleep (3:22)
6. Where I End And You Begin (4:29)
7. We Suck Young Blood (4:57)
8. The Gloaming (3:32)
9. There There (5:24)
10. I Will (2:00)
11. A Punch-Up At A Wedding (4:57)
12. Myxamatosis (3:53)
13. Scatterbrain (3:22)
14. A Wolf At The Door (3:21)

Gesamtspieldauer: 56:36




Uups, was ist das denn, was uns Radiohead hier auf ihrem sechsten Album „Hail To The Thief“ aus dem Jahr 2003 servieren? Radiohead standen für mich immer für durchaus experimentelle Musik, die allerdings auch immer wieder mit wunderschönen Melodien aufwartete und eben interessante Experimente in ihrer Musik vollzog, die dann allerdings auch glückten.

„Hail To The Thief“ scheint auch so ein Experiment zu sein, bloß dieses Mal finde und finde ich nur wenig Zugang zu dieser Musik, die hier geboten wird. Es fängt noch ganz nett an mit „2 + 2 = 5“, es wird dann aber mit jedem weiteren Song irgendwie schwieriger dem Ganzen noch folgen zu können. Fast klingt es manches Mal so, als ob hier experimentiert wurde um des Experimentierens Willen. Mitunter ist das dann überaus atonal. Manches Mal hört man wahrlich schlimme Computer-Drum Töne, ein anderes Mal scheint die Musik quasi zu eskalieren – leider nicht im positiven Sinne.

Abschnittsweise gibt es zwar auch immer mal wieder eine ganz nette Stelle, die oftmals allerdings schon im selben Lied wieder konterkariert wird. Und was so ein Lied wie „The Gloaming“ soll, das werde ich wohl nie verstehen. Ganz gelungen dagegen ist noch die erste Single-Auskopplung des Albums „There, There“, das sehr wehmütige „I Will“ und der letzten Titel der Platte „A Wolf At The Door“. Dazwischen gibt es aber so viel Seltsames, Komisches, einen einfach nicht packen wollende Musik, die zum Teil nur die Skip-Taste der Fernbedienung verdient hat.

Fazit: „Hail To The Thief“ ist ein irgendwie sehr ungewöhnliches Album geworden. Ein paar ganz schöne Stücke, aber auch jede Menge sehr unzugängliche Musik, bei der man sich sehr schwer tut, dabei zu bleiben. Interessant und schön klingt es ja manches Mal, aber allzu oft auch etwas zu abgefahren. Sechs Punkte.

Anspieltipps: 2 + 2 = 5, There There, I Will, A Wolf At The Door





Donnerstag, 19. September 2013

Cat Stevens – The Very Best Of




Cat Stevens – The Very Best Of


Besetzung:

Cat Stevens – vocals, guitar, piano

Weitere Musiker werden in den Credits des Albums nicht erwähnt.


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Moonshadow (2:51)
2. Father And Son (3:41)
3. Morning Has Broken (3:21)
4. Wild World (3:22)
5. The First Cut Is The Deepest (3:02)
6. Lady D'Arbanville (3:46)
7. Oh Very Young (2:37)
8. Matthew & Son (2:44)
9. Sitting (3:14)
10. Hard Headed Woman (3:50)
11. I Love My Dog (2:20)
12. Rubylove (2:38)
13. Don't Be Shy (2:52)
14. Can't Keep It In (3:01)
15. Here Comes My Baby (2:56)
16. Into White (3:26)
17. (Remember The Days Of The) Old Schoolyard (2:43)
18. Where Do The Children Play? (3:53)
19. How Can I Tell You (4:29)
20. Another Saturday Night (2:28)
21. Sad Lisa (3:43)
22. Just Another Night (3:52)
23. Peace Train (4:12)
24. If You Want To Sing Out, Sing Out (2:47)

Gesamtspieldauer: 1:17:45




Manchmal, zugegebenermaßen in nur seltenen Fällen, lohnt es sich, sich auch mal ein Album der sogenannten „Best Of“-Reihe zuzulegen. Das ist immer dann der Fall, wenn man wirklich nur bestimmte Lieder eines Künstlers oder einer Band mag und sich deshalb nicht mehrere Alben kaufen möchte, wenn diese Titel auch auf dem „Best Of“ vertreten sind. Oder aber es tritt der Fall ein, dass eine Zusammenstellung wirklich perfekt ist, das heißt, alle wichtigen Titel sind darauf vertreten und – klar der Rest ist deutlich schlechter und somit lohnt sich der Kauf der einzelnen Platten eben auch wieder nicht.

Genau das ist bei dem vorliegenden Album der Fall. Cat Stevens hat Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts einige Alben auf den Markt gebracht, die geradezu angefüllt waren mit tollen und eingängigen Songs. Lieder, die man, wenn man in den 70ern oder 80ern aufwuchs, auch immer wieder in den verschiedenen Radiostationen hörte. Man wurde irgendwie groß mit dieser Musik und wenn nur jemand beim Lagerfeuer zur Klampfe griff und einen der Titel mehr schlecht als recht reproduzierte. Ich gebe dabei jedem Recht, der behauptet, dass es sich hierbei, bei der Musik des Cat Stevens, um unglaublich weichgespülte Musik handelt. Genau so ist das. Viele diese 24 Lieder, die alle zwischen 1967 und 1978 entstanden entwickeln dabei allerdings solch eine Eingängigkeit und Melodiösität, wie man sie sonst nur bei einigen Tracks der frühen Simon & Garfunkel oder auch, hier jedoch noch häufiger, bei den Beatles finden kann.

Somit begibt man sich beim Hören der CD auf eine kleine Zeitreise in die eigene Vergangenheit, wenn man zumindest nicht mehr 25 ist. Natürlich haben dabei nicht alle der Titel dieselbe Ausstrahlung, allerdings so richtige Ausschläge nach unten lassen sich auf dieser Zusammenstellung auch nicht ausmachen - vielleicht mit Ausnahme des 1977 entstandenen „(Remember The Days Of The) Old Schoolyard“, welches mit seinem Synthie-Sound dann doch sehr an den Nerven zerrt und so gar nicht zum Rest der Platte passen will. Die Musik ist ansonsten größtenteils sehr weich, meist dominiert von der akustischen Gitarre und dem Gesang des Cat Stevens und nur ab und an mit einigen Streichern oder aber einer Rhythmus-Sektion unterlegt. Ins Ohr gehen dabei auch die weniger bekannten Titel relativ zügig, sodass dem Schwelgen in süßer Melancholie und Sentimentalität Tür und Tor geöffnet ist.

Fazit: Überaus eingängige und melodiöse Musik zum Träumen befindet sich auf dieser Platte. Nicht alle der 24 Titel besitzen dieselbe Qualität beziehungsweise dieselbe Ausstrahlung. Aber das mag wohl ganz am Ohr des Hörers liegen. Wer auf Melodiösität in der Musik steht, unaufgeregte Lieder liebt, die dazu noch schnell ins Ohr gehen, die oder der wird dieses Album lieben. Nichts für Rocker, Techno Freunde oder Anhänger elektronischer Musik. Obwohl, selbst für diese Musikhörer könnte hier etwas dabei sein, unter diesen 24 Titeln, da einige davon einfach nur „schön“ sind. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Morning Has Broken, Wild World, Lady D'Arbanville, Matthew & Son, Here Comes My Baby, Sad Lisa, Peace Train





Mittwoch, 18. September 2013

Accept – Stalingrad




Accept – Stalingrad


Besetzung:

Wolf Hoffmann – guitar
Peter Baltes – bass
Mark Tornillo – vocals
Herman Frank – guitar
Stefan Schwarzmann – drums


Label: Nuclear Blast


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Heavy Metal


Trackliste:

1. Hung, Drawn And Quartered (4:35)
2. Stalingrad (5:59)
3. Hellfire (6:07)
4. Flash To Bang Time (4:08)
5. Shadow Soldiers (5:47)
6. Revolution (4:08)
7. Against The World (3:36)
8. Twist Of Fate (5:31)
9. The Quick And The Dead (4:26)
10. The Galley (7:22)

Gesamtspieldauer: 51:39




2012 erschien das dreizehnte Studioalbum von Accept, das zweite nach der Re-Union. Eingespielt wurde „Stalingard Brothers In Death“ in der gleichen Besetzung wie noch der Vorgänger. Und auch sonst hat sich nicht viel geändert bei Accept. Es gibt erneut knallharten und absolut kompromisslosen Heavy Metal auf die Ohren, der seinen Weg in der Schnelligkeit sucht. Auch Mark Tornillo macht seine Sache wieder gut und erinnert erneut in den härteren Passagen mit seinem Gesang an Brian Johnson von AC/DC.

Was man auf der Platte vergeblich sucht, das sind Balladen, für die so manche Heavy Combo auch immer wieder steht. Nein, auf „Stalingrad“ gibt es kein Abweichen vom einmal eingeschlagenen Weg. Es kracht in jedem Lied, manchmal wird die Musik ein klein wenig mit russischen Weisen unterlegt, aber man kann wahrlich nicht behaupten, dass hier in irgendeiner Art und Weise die Melodie im Vordergrund stehen würde. Es geht um die Schwere. Schwere Gitarren und Heavy Rock.

Genau darin liegt auch ein Manko dieses Albums. Headbanging kann natürlich bestens während des Hörens der Liedern betrieben werden, allerdings findet sich auch nicht besonders viel, was schnell ins Ohr geht, was sich bereits nach wenigen Durchläufen einen gewissen Wiedererkennungswert erarbeitet hat. Am ehesten ist dies noch beim Titeltrack „Stalingrad“ und dem letzten Stück „The Galley“ der Fall, welches sogar mit ganz sanften und fast schon träumerischen Klängen ausklingt. Allerdings ist dies die absolute Ausnahme auf dieser Platte, die anscheinend lediglich mit Härte punkten will.

Fazit: Trockene und knallharte „Männermusik“ gibt es auf „Stalingrad Brothers In Death“ zu hören. Dabei ist dieser Heavy Metal durchaus gut gemacht und zündet auch, wenn man mit dieser Art der Musik etwas anzufangen weiß. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Vorgehensweise ohne Ausnahme durchgezogen wird, von Abwechslung keine Spur. Das wiederum bedeutet, dass man als Hörer automatisch in diesen gut fünfzig Minuten Laufzeit eine gewisse Aggressivität aufbaut, die unbedingt wieder aus dem Körper entweichen muss. Von daher den dringenden Tipp, sich beim Headbanging nicht zu nah an einer Mauer aufzuhalten. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Stalingrad, The Galley



Dienstag, 17. September 2013

Goldman – On The Outside [Looking In]




Goldman – On The Outside [Looking In]


Besetzung:

Goldman – drums, keyboards, tambourines, rhythm box, bas synthesizer, rhodes, shaker
Ruby – vocals
Dirk Herweg – guitars, slides, synthesizers, bass guitar, mutron
Tom Wauch – organ, rhodes
Helmut Zerlett – rhodes, omnichord
T. – lapsteel guitar, acoustic guitar, wurlitzer, bass guitar
Nicolle Meyer – vocals, bass guitar
Jürgen Dahmen – guitars, rhodes, synthesizers, grand piano
Jem – soundscape
Elfie-Esther – vocals
Thomas Kessler – synthesizer, rhodes
Hans Maahn – bass guitar
DJ Heli – turntables
Isis – vocals
Aglaia Camphausen – cello
Matthias Keul – organ
Reiner Linke – tom tom drums, tambourine, shaker
Konstantin Wienstroer – upright bass
Mel Collins – saxophone


Label: DAY-GLO Records


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Pop; Folk, Ambient, Fado


Trackliste:

1. There Will I Be (5:42)
2. Les Fade (5:10)
3. Not Dark Yet (6:31)
4. Stronger Than Me (3:28)
5. Nowhere Bei Mir (4:55)
6. Im Regen (4:46)
7. Saturday (5:05)
8. Cançao Do Mar (3:04)
9. To Know Him Is To Love Him (3:09)
10. The Choice (12:50)
11. Make You Feel My Love (3:43)
12. A Song For Amy (7:13)

Gesamtspieldauer: 1:05:36




Ein Blick auf das Genre zeigt bereits, dass es nicht ganz einfach ist, dieses Album von Goldman optimal in irgendeiner Schublade zu verstauen. Goldman ist ein Projekt des Musikers Stefan Krachten, der auf „On The Outside [Looking In]“ neben Eigenkompositionen auch einige Cover-Versionen veröffentlicht, die er in seinem Stil beziehungsweise nach seiner Fasson bearbeitet hat und nun zu Gehör bringt. Dadurch ergibt sich auch ein Stilmix, der von Ambient über Pop bis hin zum Folk und portugiesischem Fado so ziemlich alle Genres streift, die im Moment „auf dem Markt“ aktuell sind.

Das wiederum ist zum einen spannend und interessant, wird nie langweilig und beinhaltet jede Menge Überraschungen für den Hörer, bewirkt allerdings auch, dass man sich auf diese Musik nur schwerlich einstellen kann, da ein Stilbruch auf den nächsten folgt. Dieser Stilmix wird zwar nicht in den einzelnen Titeln selbst vollzogen, jedoch von Lied zu Lied. Und dieser Wechsel bewirkt zusätzlich, dass der Hörer immer wieder etwas für sich finden wird, jedoch in dem Gesamtwerk auch auf Titel stößt, die nur schwerlich in sein Musikuniversum passen werden.

Wenn es nicht zu sehr in die Richtung „Chill-Out-Musik“ gehen soll, dann sind da vor allen Dingen folgende Titel auf der Platte besonders erwähnenswert: Da sind zum einen die beiden Bob Dylan Cover-Versionen „Not Dark Yet“ und Make You Feel My Love“, die überzeugend interpretiert und transportiert werden. Für Bob Dylan Fans wohl allerdings gewöhnungsbedürftiger. Nicht anders ist es bei „Nowhere Bei Mir“ aus der Feder von Nicolle Meyer, die hier auch selbst an den Vocals zu hören ist. Im Vergleich zum Original fällt diese Version hier allerdings deutlich ab, denn sie ist wesentlich weniger druckvoll, da im Original durch den Einsatz eines Akkordeons eine wahrlich mitreißende Stimmung erschaffen wird, die hier einfach fehlt. Richtig gelungen in seiner neuen Version, ist jedoch der Opener „There Will I Be“ - im Original von David Lanois und Brian Eno. Das Lied geht sofort ins Ohr, wirkt nach und hat auch hier das gewisse Etwas, für das sich Musik zu lauschen lohnt.

Fazit: Diese Uneinheitlichkeit ist es, die dieses Album etwas schwieriger werden lässt. Auf dies alles zusammen kann man sich irgendwie nur schwer einstellen. Allerdings gibt es natürlich auch Menschen, die von sich behaupten: „Ich höre alles!“ Perfekt, für diese ist das Album gemacht. Ansonsten werden auch Hörer mit „On The Outside [Looking In]” Spaß haben, die auf „gechillte“ Musik stehen. Freunde der Pop-Musik werden allerdings nur ganz am Rande, Rock-Fans überhaupt nicht angesprochen. Fünf Punkte.

Anspieltipps: There Will I Be, Nowhere Bei Mir