Mittwoch, 24. Juni 2020

The Lumineers – III




The Lumineers – III


Besetzung:

Wesley Schultz − vocals, guitar
Jeremiah Fraites − piano, drums, tambourine, guitar, backing vocals, synths, vibraphone, cymbal scrapes


Gastmusiker:

Byron Isaacs − bass, backing vocals
Lauren Jacobson − violin, backing vocals
Simone Felice − maraca, backing vocals
David Baron − synths, keyboards, harmonium
Anneke Schaul-Yoder − cello


Label: Decca Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Independent Rock


Trackliste:

Chapter 1 - Gloria Sparks

1. Donna (3:06)
2. Life In The City (3:51)
3. Gloria (3:36)

Chapter 2 - Junior Sparks

4. It Wasn‘t Easy To Be Happy For You (3:34)
5. Leader Of The Landslide (5:54)
6. Left For Denver (3:16)

Chapter 3 - Jimmy Sparks

7. My Cell (3:16)
8. Jimmy Sparks (5:56)
9. April (0:50)
10. Salt And The Sea (4:30)

Bonus Tracks:

11. Democracy (6:44)
12. Old Lady (4:17)
13. Soundtrack Song (2:03)

Gesamtspieldauer: 50:59



Kurz mit „III“ betitelte die US-amerikanische Indie-Folk-Band The Lumineers ihr drittes Studioalbum, welches gleichzeitig ein Konzeptalbum ist. „III“ wurde am 13. September 2019 auf dem Plattenlabel Decca veröffentlicht. Mit den Liedern „Gloria“, „It Wasn‘t Easy To Be Happy For You“ und „Salt And The Sea“ wurden insgesamt drei Singles aus dem Album ausgekoppelt.

Die Zahl „3“ spielt noch eine weitere Rolle auf „III“. Das Album ist in drei Kapitel unterteilt, die sich mit Gloria, Junior und Jimmy Sparks beschäftigen. Drei Personen einer Familie, deren Leben durch Süchte und Abhängigkeiten auf unterschiedliche Art und Weise beeinflusst wird. Bis Ende September 2019 hatten Wesley Schultz und Jeremiah Fraites – die beiden Mitglieder der Lumineers – zehn Musikvideos zu den zehn Titel des Albums veröffentlicht. Die restlichen drei Stücke auf „III“ sind Bonustracks, wobei es sich beim Lied „Democracy“ um eine Cover-Version eines Leonard Cohen Titels handelt. In den USA erreichte „III“ Platz zwei der US Billboard 200, in Großbritannien kletterte das Album bis auf Platz 8, in Deutschland auf Platz 40 der Charts.

Auf „III“ hört man zumeist eher sanften Independent Rock, der ab und an auch in den Gefilden des Folks beheimatet ist, jedoch auch etwas Tempo aufnehmen kann. Die Musik der Lumineers auf „III“ ist eingängig, melodiös, melancholisch, traurig, packend. Musik, die mit den Gefühlen spielt, die anfasst. Dieses Album klingt an vielen Stellen ergreifend und man kann wunderschön in diese sanften und doch immer wieder aufwallenden und packenden Melodien eintauchen. Dass es sich vom Inhalt der Geschichte her, die das Album erzählt, um eine eher traurige Erzählung handelt, kann man hören und auf zehn veröffentlichten Musikvideos auch sehen.

„III“ klingt und wirkt und ist gelungen. Dies gilt für alle auf dem Album enthaltenen Stücke. Trotzdem, die Höhepunkte des Albums befinden sich im letzten und dritten Kapitel. „Jimmy Sparks“, „April“ und „Salt And The Sea“ heißen diese und wer auf einfühlsame, melodische und gleichzeitig packende Musik steht, die oder den dürften diese drei Nummern musikalisch sicherlich bereichern. Auch die Bonus-Tracks lohnen gehört zu werden, sodass dem gelungenen Hörerlebnis nichts mehr im Wege steht.

Fazit: Musik kann so wunderschön und einnehmend klingen. Auf die Lumineers und ihr Album „III“ trifft dies definitiv zu. Sanfte Musik, die ab und an anschwillt, dabei jedoch nicht weniger melodisch, sondern nur noch intensiver klingt. „III“ bedeutet Abschalten und Eintauchen in die Welt der packenden Harmonien. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Jimmy Sparks, April, Salt And The Sea



Dienstag, 23. Juni 2020

Neil Young – Homegrown




Neil Young – Homegrown


Besetzung:

Neil Young – guitar (1, 2, 5, 7-12), harmonica (1, 4, 7-12), piano (2, 3), wine glass (6), piano strings (6), narration (6), vocals (1-5, 7-12)


Gastmusiker:

Ben Keith – pedal steel guitar (1, 2), lap slide guitar (5, 8, 10), dobro (12), wine glass (6), piano strings (6), narration (6), vocals (2, 8, 10, 12)
Tim Drummond – bass (1, 2, 4, 5, 8, 10, 12), vocals (8, 10)
Levon Helm – drums (1, 2)
Karl T. Himmel – drums (5, 8, 10, 12)
Robbie Robertson – guitar (9)
Emmylou Harris – backing vocals (2, 12)
Sandy Mazzeo – backing vocals (8)
Stan Szelest – piano (8), wurlitzer piano (10)


Label: Reprise Records


Erscheinungsjahr: 2020 (aufgenommen 1974 und 1975)


Stil: Folk


Trackliste:

1. Separate Ways (3:32)
2. Try (2:49)
3. Mexico (1:40)
4. Love Is A Rose (2:17)
5. Homegrown (2:47)
6. Florida (2:58)
7. Kansas (2:11)
8. We Don’t Smoke It No More (4:51)
9. White Line (3:14)
10. Vacancy (3:58)
11. Little Wing (2:12)
12. Star Of Bethlehem (2:48)

Gesamtspieldauer: 35:22




Zunächst kurz zur Geschichte des Albums:

Obwohl „Homegrown“ am 19. Juni 2020 veröffentlicht wurde, wurden alle Titel bereits zwischen dem 16. Juni 1974 und dem 21. Januar 1975 eingespielt. Die Orte der Aufnahmen waren dabei Nashville, Woodside und Los Angeles in den USA sowie im Falle des Liedes „Whiteline“ London, England. Als das Album schließlich fertiggestellt war, waren Neil Young die Lieder wohl zu dunkel und zu persönlich, wie er in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazine vom 14. August 1975 erzählte: „Diese Platte (Homegrown) ist vielleicht eher das, was die Leute jetzt (1975) lieber von mir hören würden, aber es war einfach ein sehr trauriges Album. Es war die dunklere Seite von Harvest. Viele der Songs hatten damit zu tun, dass ich mit meiner alten Dame (Schauspielerin Carrie Snodgress) Schluss gemacht habe. Es war ein bisschen zu persönlich ... es machte mir Angst.“ Und somit veröffentlichte Neil Young am 20. Juni 1975 die Platte „Tonight‘s The Night“. Ein Album, welches übrigens auch schon zwei Jahre zuvor entstanden war. „Homegrown“ verschwand somit erst mal in der Versenkung, bis eben zum 19. Juni 2020.

Doch so ganz stimmt auch das nicht, denn nicht alle zwölf Titel des Albums werden hier zum ersten Mal veröffentlicht. „Homegrown“ und „Star Of Bethlehem“ erschienen zum Beispiel bereits auf dem Album „American Stars ‘n Bars“. Jenes „Star Of Bethlehem“ sowie „Love Is A Rose“ auch auf dem Sampler „Decade“. „Little Wing“ befindet sich auf dem 1980er Album „Hawks & Doves“. Die beiden Stücke „Kansas“ und „Mexico“ sind zwar nicht auf Platte gepresst, allerdings auf dem Konzertfilm „Neil Young Trunk Show“ enthalten.

Nun zur Musik:

„Homegrown“ wurde nun genau so veröffentlicht, wie es ursprünglich geplant war. Selbst das ursprüngliche Cover ist hier zu sehen. Stilistisch passt „Homegrown“ sehr viel besser zu „Harvest“, als jenes nach „Harvest“ veröffentlichte „On The Beach. Auf „Homegrown“ hört man Folk Rock, der ab und an auch mal Country-Anleihen enthält. Sehr gut zu hören beim letzten Titel „Star Of Bethlehem“. Auch „Try“ ist eine Nummer, die dem Country sehr nahe kommt. „We Don’t Smoke It No More“ ist dagegen ein groovender Blues-Titel, der außer dem Namen des Titels keinen Gesang enthält, dafür eine umso sehnsüchtiger klingende Mundharmonika. Schließlich gibt es auf „Homegrwon“ mit dem Stück „Florida“ noch etwas Außergewöhnliches für ein Neil Young Album. Ein Traum wird erzählt, dazu wird mit einem nassen Finger über den Rand eines Glases gestrichen, sodass sich ein langanhaltender Ton ergibt. Das klingt sehr surreal und ist definitiv kein Lieblingslied für Freundinnen und Freunde melodischer Musik.

Den Rest der Platte kann man sehr gut dem Folk Rock zuordnen. Meist klingt dieser wirklich melancholisch bis traurig, im Falle von „Vacancy“ allerdings sogar rockig. Die Lieder gehen dabei gut ins Ohr und klingen nach. Man fühlt sich musikalisch sofort in die Zeit um „Harvest“ zurückversetzt. „Homegrown“ klingt gut und in sich geschlossen, es macht Spaß hier zuzuhören, wenn man die frühen Werke des Neil Young mag und zu schätzen weiß.

Die Höhepunkte des Albums sind wie immer Geschmackssache. Mir hat es besonders das sanfte, mit dem Piano instrumentierte „Mexico“ angetan, welches leider nur recht kurz ausfällt. Dazu überzeugt auch „Kansas“ sehr. Erneut ein sanftes Lied, dieses Mal ist es allerdings die akustische Gitarre, die den Gesang des Neil Young begleitet. Das bereits erwähnte „Vacancy“ reißt mit und lockert die Platte insgesamt auf. „Little Wing“ schließlich ist wieder eine ruhige Nummer, die etwas getragen klingt und mit einer schönen Melodie versehen ist.

Fazit: Überraschend, dass Neil Young dieses Album nicht schon früher veröffentlichte, denn es lohnt sich gehört zu werden. Wem Harvest gefällt, die oder der dürfte auch mit „Homegrown“ etwas für sich finden. Schöne Musik, die Erinnerungen aufkommen lässt, obwohl man viele Lieder noch nie gehört hat. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Mexico, Kansas, Vacancy



Sonntag, 21. Juni 2020

Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways




Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways


Besetzung:

Bob Dylan – vocals, guitar
Charlie Sexton – guitar
Bob Britt – guitar
Donnie Herron – steel guitar, violin, accordion
Tony Garnier – bass
Matt Chamberlain – drums


Gastmusiker:

Blake Mills
Benmont Tench
Alan Pasqua
Fiona Apple
Tommy Rhodes


Label: Columbia Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Folk, Rock


Trackliste:

1. I Contain Multitudes (4:36)
2. False Prophet (6:00)
3. My Own Version Of You (6:41)
4. I‘ve Made Up My Mind To Give Myself To You (6:32)
5. Black Rider (4:12)
6. Goodbye Jimmy Reed (4:13)
7. Mother Of Muses (4:29)
8. Crossing The Rubicon (7:22)
9. Key West (Philosopher Pirate) (9:34)

CD2:

1. Murder Most Foul (16:54)

Gesamtspieldauer CD1 (53:43) und CD2 (16:54): 1:10:37



Bob Dylan wurde am 24. Mai 79 Jahre alt und am 19. Juni 2020 wurde nun mit „Rough And Rowdy Ways“ sein bereits 39. Studioalbum auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Es ist sein erstes Album mit eigenen Liedern seit dem, im Jahr 2012 erschienenen Album „Tempest“. Mit den Liedern „Murder Most Foul“, „I Contain Multitudes“ und „False Prophet“ waren drei Lieder zuvor bereits als Singles veröffentlicht worden. „Rough And Rowdy Ways“ ist ein Doppelalbum, obwohl die Gesamtlänge der Musik auch auf eine CD gepasst hätte. Das Lied „Murder Most Foul“ sollte aber wohl einen exponierten, besonderen Platz bekommen.

Bob Dylan erzählt auf „Rough And Rowdy Ways“ seine Geschichten zu Musik, die mal folkiger („I Contain Multitudes“, „My Own Version Of You“, „I‘ve Made Up My Mind To Give Myself To You“, „Black Rider“, „Mother Of Muses“ sowie „Key West“), mal etwas bluesiger („False Prophet“ und „Crossing The Rubicon“) klingt. Das Lied „Goodbye Jimmy Reed“ bildet hier eine Ausnahme und ist sogar ein Rock’n’Roll. Diese musikalische Mischung bekommt man auf dem ersten Teil von „Rough And Rowdy Ways“ geboten. Und dabei fällt auf, dass die Musik des Bob Dylan sehr repetitiv ist. Ein Akkordfolge wird immer wieder wiederholt, setzt sich dadurch im Ohr fest und hierzu erzählt Bob Dylan seine Geschichten. Es sind also nicht unbedingt die Melodien, die einen auf „Rough And Rowdy Ways“ fesseln – obwohl die Musik durchaus eingängig klingt. Es sind mehr die Atmosphären und Stimmungen, die Bob Dylan mit seiner Musik in Kombination zu seiner Stimme erzeugt und die jederzeit intensiv klingen.

Beim zweiten Teil des Albums, dem Lied „Murder Most Foul“, wird diese erzählerisch-musikalische Vorgehensweise schließlich auf die Spitze getrieben. Zu überwiegend Piano- und Violin-Klängen hört man die Stimme des Bob Dylan, wie sie zunächst jenen 22. November 1963 beleuchtet, den Tag als John F. Kennedy in Dalles ermordet wurde. Dies geschieht aus verschiedenen Perspektiven und geht in eine Betrachtung der USA in den 60ern über und jene Personen und Musiker werden erwähnt, die dieses Jahrzehnt mitprägten. Das klingt durchaus bewegend und intensiv. Erneut ist es dabei nicht die Melodie, die einen packt, es ist die Atmosphäre, die dieses Lied zu etwas ganz Besonderem und Wertvollen werden lässt. Somit ist die Abgrenzung dieses Liedes durchaus verständlich, wenn nicht sogar sinnvoll. Das ist kein Folk, kein Blues, schon gar kein Rock’n’Roll mehr. „Murder Most Foul“ erzeugt nicht nur Atmosphäre, „Murder Most Foul“ ist Atmosphäre.

Und die Höhepunkte auf „Rough And Rowdy Ways“? Nun, das ist sicher Geschmackssache. Jede und jeder, die oder der die Musik des Bob Dylan mag, wird sicherlich etwas für sich finden. Ich mag sehr den Folk des Bob Dylan. Nicht weiter verwunderlich also, dass meine Favoriten des Albums „My Own Version Of You“, „Black Rider“ und „Key West (Philosopher Pirate)“ heißen. Und dann darf in meiner „Liste“ natürlich auch „Murder Most Foul“ nicht fehlen. Sehr intensive Musik, die packt und beeindruckt.

Fazit: Bob Dylans 39. Studioalbum „Rough And Rowdy Ways“ ist eine Scheibe geworden, die Spuren hinterlässt. Besondere Musik eines besonderen Musikers. Ich habe das Album nun viele Mal durchgehört und ich bin und war berührt von diesen Liedern. „Berührend und packend“, das bringt die Musik des Albums auf den Punkt. Sehr lohnenswert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: My Own Version Of You, Black Rider, Key West (Philosopher Pirate), Murder Most Foul



Freitag, 19. Juni 2020

Mumford And Sons – Delta




Mumford And Sons – Delta


Besetzung:

Marcus Mumford – vocals, acoustic guitar, electric guitar, drums, mandolin
Winston Marshall – resophonic guitar, electric guitar, banjo, bass, choirs
Ben Lovett – organ, keyboards, choirs, accordion
Ted Dwane – double bass, drums, bass, choruses


Gastmusiker:

Mamadou Sarr – percussion
Tom Hobden – violin
Gill Landry – voice
Chris Maas – drums
Maggie Rogers – voice
Yebba – voice
Rob Moose – strings
Paul Epworth – additional instrumentation


Label: Island Records


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Folk Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. 42 (4:00)
2. Guiding Light (3:37)
3. Woman (4:38)
4. Beloved (4:25)
5. The Wild (5:31)
6. October Skies (3:43)
7. Slip Away (4:55)
8. Rose Of Sharon (3:23)
9. Picture You (4:03)
10. Darkness Visible (3:11)
11. If I Say (4:29)
12. Wild Heart (5:05)
13. Forever (4:36)
14. Delta (6:16)

Gesamtspieldauer: 1:01:59



„Delta“ nannte die britische Band Mumford And Sons ihr viertes Studioalbum. Es wurde am 16. November 2018 auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht. Das Album kletterte bis auf Platz eins der US Billboard 200 Charts und auf Platz zwei der UK Albums Chart. In Deutschland erreichte es als Spitzenposition Platz 5. Mit den Titeln „Guiding Light“, „If I Say“, „Beloved” sowie „Woman“ wurden insgesamt vier Singles aus „Delta“ ausgekoppelt.

Nach Aussage von Keyboarder Ben Lovett beschäftigt sich die Musik auf „Delta“ inhaltlich mit den vier D‘s: „Death“, Divorce“, „Drugs“ und Depression“ (auf Deutsch dementsprechend „Tod“, „Scheidung“, „Drogen“ sowie „Depression“). Alles relativ schwer Themen, doch die Musik von Mumford And Sons stand noch nie dafür fröhlich und heiter zu klingen. Sehr viel mehr sind die Lieder der Band in Moll gehalten und genauso klingt es dann auch gar nicht überraschend auf „Delta“. Überwiegend hören sich die Lieder sentimental, melancholisch bis sogar traurig an. Alles ist sanft und weich gehalten, klingt immer wieder auch leicht zerbrechlich.

Somit wird den Hörerinnen und Hörern auf „Delta“ sehr ruhige und nachdenkliche Musik geboten, Musik für den Abend, Musik für die leisen Stunden des Tages. Musik zum Entspannen und Musik zum Träumen. Die einzelnen Lieder auf „Delta“ klingen dabei nicht mehr so „besonders und außergewöhnlich“, wie noch auf den ersten Scheiben, als diese Art der Musik noch neu war. Denn auf „Delta“ ist die Musik eindeutig als jene von Mumford And Sons zu erkennen. Dies mag ein Grund dafür sein, dass die Platte bei Kritikern und manchen Fans nicht mehr so gut ankam. Stichwort: „Wo ist denn da die Weiterentwicklung?“ Wer allerdings diese sanften Stücke, welche immer eingängig und melodisch klingen und die so typisch für die Briten sind mag, die oder der wird wahrscheinlich sogar diese angeblich fehlende musikalische Weiterentwicklung zu schätzen wissen und sehr viel Freude an „Delta“ von Mumford & Sons haben.

Fazit: Die Musik auf „Delta“ klingt ganz typisch für die Band Mumford And Sons. Sanft, eingängig, melodiös, melancholisch und sentimental hören sich die Lieder der Platte an. Sehr selten, dass da mal ein Sonnenstrahl durch die dichte Wolkendecke zu scheinen scheint, um die Stimmung etwas aufzulockern. „Delta“ ist gemacht, um den Tag ausklingen zu lassen, sich zu entspannen und sich der eigenen inneren Melancholie hinzugeben – auch manchmal schön. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Wild, October Skies



Mittwoch, 17. Juni 2020

The Strumbellas – Hope




The Strumbellas – Hope


Besetzung:

Simon Ward – vocals, guitar
David Ritter – keyboards, percussion, vocals
Jeremy Drury – drums, percussion, vocals
Isabel Ritchie – violin, viola, vocals
Jon Hembrey – guitar, vocals
Darryl James – bass, vocals


Gastmusiker:

Jason Sniderman – piano
Krystle "Krystle Blue" Payton – vocals
Richard Underhill – saxophone
William Sperandei – trumpet
Anissa Hart – cello
John Dinsmore – slide guitar
Mr. Koekbakker & Mr. Graves’ guitar students of I.E. Weldon Secondary School / LCVI – vocals


Label: Universal Music


Erscheinungsjahr: 2016


Stil: Independent Pop, Independent Rock


Trackliste:

1. Spirits (3:23)
2. Shovels & Dirt (4:02)
3. We Don‘t Know (4:33)
4. Wars (3:26)
5. Dog (3:24)
6. The Hired Band (3:49)
7. Young & Wild (4:27)
8. The Night Will Save Us (3:49)
9. I Still Make Her Cry (2:31)
10. David (4:32)
11. Wild Sun (4:29)

Gesamtspieldauer: 42:31




The Strumbellas sind eine im Jahr 2008 in Ontario gegründete Band aus Kanada, deren Musik sich im Bereich des Independent Pop beziehungsweise Rock bewegt und in welcher ab und an auch leichte Einflüsse des Folk zu hören sind. „Hope“ heißt das dritte Album des Sextetts und wurde am 22. April 2016 auf dem Plattenlabel Universal Music veröffentlicht.

Auf „Hope“ hört man überaus eingängige Musik. Viele der Melodien des Albums gehen sehr schnell ins Ohr. Da klingt nichts kompliziert oder konstruiert, die Lieder sind oftmals eher sanft gehalten und immer, wirklich immer melodiös. Schließlich weißt die Musik der Strumbellas auf „Hope“ einige Passagen auf, die im Chor der Bandmitglieder eingesungen wurden. Diese Passagen animieren dann richtiggehend zum Mitsingen und alle Sorgen des Tages hinter sich zu lassen. Diese poppigen Lieder haben durchaus etwas und scheinen mit jedem neuen Durchlauf der Scheibe noch zu wachsen. Wahrlich gelungen sind dabei auch die Streicher- und Bläsereinsätze während einzelner Lieder, die wohldosiert und keineswegs übertrieben eingesetzt wurden und manchem Lied noch zusätzliche Wirkung verleihen.

Wenn ich an dieser Stelle die Höhepunkte der Platte aufzählen möchte, dann fällt mir das einigermaßen schwer. Die Strumbellas machen keine komplizierte Musik, jedoch eine umso eingängigere. Und dies gilt tatsächlich für alle elf Titel des Albums. Um hier jedoch ein paar Nummern aufzuzählen, die sich auch ideal als Anspieltipps eignen. Da wären zu nennen „Shovels & Dirt“, „We Don‘t Know“, „Wars“, „I Still Make Her Cry“, „David“ sowie „Wild Sun“. Ob es allerdings Sinn macht über die Hälfte aller Titel eines Albums als Anspieltipps zu empfehlen, das sei mal dahingestellt. Von daher einfach mal in „Shovels & Dirt“ reinhören und man bekommt einen schönen Überblick über die Musik des Albums.

Fazit: Eine schöne und eingängige Platte ist der kanadischen Band The Strumbellas mit ihrem dritten Album „Hope“ gelungen. Nur manchmal etwas nachdenklich klingend, zumeist fröhlich und immer sehr eingängig und melodiös. Die Strumbellas machen keine allzu anspruchsvolle Musik, doch Musik, die gut unterhält. Da hört man gerne zu. Elf Punkte.

Anspieltipps: Shovels & Dirt, Wild Sun



Montag, 15. Juni 2020

Pattern-Seeking Animals – Pattern-Seeking Animals




Pattern-Seeking Animals – Pattern-Seeking Animals


Besetzung:

John Boegehold – synthesizers, programming, acoustic & electric guitars, mandolin, vocals
Ted Leonard – vocals, lead & rhythm guitars
Jimmy Keegan – drums & vocals
Dave Meros – basses


Gastmusiker:

Breana Marin – backing vocals ("Fall Away")
Vesislava – cello ("Fall Away")
Andrew Capra – backing vocals ("We Write The Ghost Stories")
Chris Willows – backing vocals ("Stars Along The Way")
Hunter Groth – backing vocals ("Stars Along The Way")
Clockwork Sessions – strings ("The Same Mistakes Again")
Jonas Petersen – violin & viola ("We Write The Ghost Stories")
Michelle Packman – cello ("We Write The Ghost Stories")


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. No Burden Left To Carry (9:39)
2. The Same Mistakes Again (5:09)
3. Orphans Of The Universe (10:29)
4. No One Ever Died And Made Me King (3:55)
5. Fall Away (4:47)
6. These Are My Things (4:54)
7. We Write The Ghost Stories (3:24)
8. No Land‘s Man (5:39)
9. Stars Along The Way (10:20)

Gesamtspieldauer: 58:20



Die Pattern-Seeking Animals sind eine US-amerikanische Rock Band, welche sich aus aktuellen oder ehemaligen Musikern von Spock’s Beard zusammensetzt. John Boegehold, selbst nie offizieller Musiker von Spock’s Beard, jedoch nach der Demission von Neal Morse Songschreiber für die Band, ist dieses Mal fester Bestandteil der Pattern-Seeking Animals und darf hier sein Gespür für die eingängige Melodie noch besser ausleben. Das selbstbetitelte Debut-Album der Band erschien am 5. Juli 2019 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Und da wären wir auch schon beim Unterschied zwischen Spock’s Beard und den Pattern-Seeking Animals. Letztere klingen auf ihrem Debutalbum nochmals deutlich eingängiger als Spock’s Beard jemals klangen. Ob das noch Progressive Rock ist? Nun die einzelnen Titel funktionieren zumindest nicht nach dem Schema „Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain“. Auf „Pattern-Seeking Animals“ wird mit den Atmosphären gespielt, Stimmungen werden erzeugt und anschließend wieder aufgelöst, um in andere einzutauchen. Somit spielt ich die Musik der Band auf ihrem Debut irgendwo im Bereich des eingängigen NeoProgs und des Melodic Rocks ab, wobei es auch ab und an mal ein Gitarren- oder Keyboardsolo zu hören gibt. Wenn man auf eingängige Rock Musik steht, dann wird man auf dieser Scheibe sicherlich fündig.

Auf der Platte klingt alles, geht alles ins Ohr. Die Produktion ist perfekt, die Lieder quellen voll und satt aus den Boxen, sehr gut differenziert und abgemischt. Und die Höhepunkte – wie sollte es auch anders sein – sind wieder mal die längeren Stücke des Albums, da sie eben diese Wandlungen in den Titeln selbst, dieses Spiel mit den Atmosphären und die Entwicklung hin zu eingängigen Melodien bestens bedienen. „No Burden Left To Carry“, „Orphans Of The Universe“ sowie „Stars Along The Way“ beinhalten jede Menge Abwechslung und transportieren diesen melodischen NeoProg am intensivsten.

Fazit: Für alle diejenigen, die auf melodischen Rock stehen, der trotzdem keine 08/15 Musik darstellt und auch immer mal wieder progressive Ansätze aufweist, ist dieses Debut der Pattern-Seeking Animals eine feine Sache. Ich kann durchaus gut in diese Musik eintauchen, die keineswegs platt klingt, ebenso keinesfalls kompliziert. Halt nur unverschämt eingängig. Elf Punkte.

Anspieltipps: No Burden Left To Carry, Orphans Of The Universe, Stars Along The Way



Samstag, 13. Juni 2020

King’s X – Faith Hope Love




King’s X – Faith Hope Love


Besetzung:

Doug Pinnick – lead & backing vocals, bass guitar
Ty Tabor – lead & backing vocals, lead, rhythm & acoustic guitars, sitar
Jerry Gaskill – lead & backing vocals, drums, percussion


Gastmusiker:

Galactic Cowboys (Monty Colvin, Alan Doss, Ben Huggins, Dane Sonnier) – backing vocals on "Mr. Wilson" & "Faith Hope Love"
Max Dyer – cello on "Six Broken Soldiers", "Faith Hope Love" & "Legal Kill"
Erik Ralske – french horn on "Six Broken Soldiers"
Little Willie Sammy Taylor – pipe organ on "Six Broken Soldiers"
Kemper Crabb – soprano recorder on "Legal Kill"


Label: A&M Records


Erscheinungsjahr: 1990


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. We Are Finding Who We Are (4:40)
2. It‘s Love (4:36)
3. I‘ll Never Get Tired Of You (3:46)
4. Fine Art Of Friendship (4:20)
5. Mr. Wilson (3:38)
6. Moanjam (6:04)
7. Six Broken Soldiers (3:33)
8. I Can‘t Help It (3:52)
9. Talk To You (4:36)
10. Everywhere I Go (3:53)
11. We Were Born To Be Loved (4:51)
12. Faith Hope Love (9:21)
13. Legal Kill (4:42)

Gesamtspieldauer: 1:02:00



„Faith Hope Love“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Hard Rock Band King’s X. Veröffentlicht wurde die Scheibe ursprünglich am 23. Oktober 1990 auf dem Plattenlabel Megaforce Records. Inzwischen gab es Wiederveröffentlichungen auf Atlantic Records und auf A&M Records. Hörte man bisher Bassist Doug Pinnick sowie Gitarrist Ty Tabor beim Gesang, so ist auf „Faith Hope Love“ beim Titel „Six Broken Soldiers“ nun auch Schlagzeuger Jerry Gaskill mit seinen Lead Vocals zu hören. „Faith Hope Love“ ist das verkaufstechnisch erfolgreichste Album von King’s X und enthält mit dem Titel „It‘s Love“ auch jenes Lied, welches die höchste Chartplatzierung der Band aufweist. Die Nummer belegte Platz 6 der US-Mainstream Charts.

Ein wenig scheint es so, als ob King’s X mit „Faith Hope Love“ endlich ihren Stil gefunden haben. Waren die ersten beiden Alben „Out Of The Silent Planet“ und „Gretchen Goes To Nebraska“ noch Platten, die zwar keineswegs durchfallen, jedoch auch kaum Begeisterungsstürme auslösten, so überzeugt das neueste Werk doch eindeutig mehr. Auf „Faith Hope Love“ hört man neben dem schon immer sehr gelungenen mehrstimmigen Gesang der Bandmitglieder endlich auch mal Lieder, deren Melodien zu überzeugen wissen. Dazu klingt die Musik sehr viel abwechslungsreicher. Natürlich hört man auch auf „Faith Hope Love“ noch die geradlinigen „Kracher“, doch eben auch sehr viel differenziertere Titel, die die Musik von King’s X insgesamt interessanter machen.

Der Hard Rock steht weiterhin im Fokus der Band. Dieser klingt auch gut, wie man bei dem bereits erwähnten „It‘s Love“ hören kann. Dann enthält das Album mit dem Titellied eine Nummer von fast zehn Minuten Länge. Progressive Rock spielen King’s X deswegen noch lange nicht, allerdings macht es Spaß die Band beim „Ausweiten“ eines Titels zu hören. Die Höhepunkte des Albums sind für mich allerdings zwei sanftere Stücke. „Mr. Wilson“ und das letzte Lied des Albums „Legal Kill“ haben es mir angetan. Beides Nummern, die gut ins Ohr gehen. Und so wie beim akustischen „Legal Kill“ hatte man King’s X bisher sowieso noch nicht gehört.

Fazit: King’s X steigern sich. „Faith Hope Love“ klingt abwechslungsreicher und auch eingängiger als noch die beiden vorherigen Veröffentlichungen der US-Amerikaner. Den Kultstatus, den manche dieser Band verleihen, den kann ich zwar nicht entdecken, doch dieses Album unterhält zweifellos, wenn man eine gehörige Portion Rock mit ein paar sanften Ausflügen gut ab kann. Neun Punkte.

Anspieltipps: Mr. Wilson, Legal Kill



Freitag, 12. Juni 2020

Steve Hackett – Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall





Steve Hackett – Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, vocals
Roger King – keyboards
Gary O’Toole – drums, percussion, vocals
Rob Townsend – sax, flute and percussion
Lee Pomerov – bass
Nad Sylvan – vocals


Gastmusiker:

John Wetton – vocals
Amanda Lehmann – vocals
Ray Wilson – vocals
Roine Stolt – guitar




Erscheinungsjahr: 2014 / 2020


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Dance On A Volcano (6:07)
2. Dancing With The Moonlit Knight (8:25)
3. Fly On A Windshield (3:40)
4. Broadway Melody Of 1974 (2:54)
5. Carpet Crawlers (6:08)
6. Return Of The Giant Hogweed (8:40)
7. The Musical Box (11:16)
8. Horizons (2:10)
9. Unquiet Slumbers For The Sleepers (2:13)
10. In That Quiet Earth (4:57)
11. Afterglow (4:08)
12. I Know What I Like (6:42)

CD2:

1. Firth Of Fifth (10:15)
2. Ripples (5:20)
3. The Fountain Of Salmacis (8:08)
4. Supper‘s Ready (26:17)
5. Watcher Of The Skies (9:07)
6. Los Endos (8:56)

Gesamtspieldauer CD1 (1:07:26) und CD2 (1:08:05): 2:15:31



Am 24. Oktober 2013 gab der ehemalige Genesis-Gitarrist Steve Hackett in der ausverkauften Royal Albert Hall in London ein Konzert, in dem er keine seiner Solo-Titel zum Besten gab, sondern ehemalige Genesis-Klassiker interpretierte. Dieses Konzert wurde mitgeschnitten und im Juni des darauffolgenden Jahres als „Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall“ veröffentlicht. Nun gibt es am 12. Juni 2020 eine remasterte Wiederveröffentlichung dieses Konzertes, erneut auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Ich kenne die ursprüngliche Ausgabe des Albums nicht und kann dementsprechend auch nicht sagen, inwieweit sich der Sound der Aufnahme verändert hat oder ob dieses oder jenes Instrument nun besser zu Geltung kommt als zuvor. Festzuhalten bleibt allerdings, dass die Aufnahmen auf dieser remasterten Veröffentlichung sehr differenziert und voll klingen. Bass und Schlagzeug geben kraftvoll den Takt vor, Gesang, Keyboards, Gitarren, Saxophon und Flöte sind glasklar zu hören. Bezüglich des Klangs also ein ganz klares Lob an dieser Stelle.

Zur Musik selbst ist festzuhalten, dass diese sich sehr an die Originalversionen der entsprechenden Lieder hält. Sehr viel interpretiert oder gar variiert wurde nicht. Da wird mal ein Intro verändert, da hört man mal Roine Stolt ein Gitarrensolo über einen Klavierpart bei „Return Of The Giant Hogweed“ spielen, ein Glockenspiel leitet „The Musical Box“ ein, die ein oder andere Gesangspassage wurde leicht variiert, „Ripples“ singt mit Amanda Lehmann sogar eine Frau ein. Doch dies sind alles nur kleine Veränderungen der ursprünglichen Lieder, die ansonsten sehr identisch zum Original wiedergegeben werden.

Fazit: Wer die Musik von Genesis mal live und bestens abgemischt in super Soundqualität hören möchte, die oder der wird hier fündig. Während seine vier früheren Band-Kollegen Gabriel, Banks, Rutherford und Collins die progressive Phase ihrer einstigen Band konsequent ignorieren, befasst sich Steve Hackett erneut damit, um sie nochmals aufleben zu lassen. Es lässt sich wunderschön in dieser Musik schwelgen und Erinnerungen kommen auf. Die kleinen Variationen sind zudem allesamt gelungen und es macht Spaß zuzuhören. Elf Punkte.

Anspieltipps: Carpet Crawlers



Donnerstag, 11. Juni 2020

Ritual – The Hemulic Voluntary Band




Ritual – The Hemulic Voluntary Band


Besetzung:

Jon Gamble – clavinet, harmonium, grand piano, rhodes, backing vocals
Frederik Lindquist – bass, irish bouzouki, hammer dulcimer, recorders & whistles, backing vocals
Patrik Lundström – lead & backing vocals, electric & acoustic guitars
Johan Nordgren – drums & percussion, nyckelharpa (keyed fiddle), backing vocals


Gastmusiker:

Lovisa Hallstedt – plays violin on “A Dangerous Journey”


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Hemulic Voluntary Band (4:55)
2. In The Wild (5:56)
3. Late In November (4:57)
4. The Groke (6:05)
5. Waiting By The Bridge (4:39)
6. A Dangerous Journey (26:32)

Gesamtspieldauer: 53:04




Bei manchen Bands tut es mir einfach furchtbar leid, dass sie nicht bekannter sind. Tolle Musik, die kaum jemand hört. Eine dieser Bands ist die schwedische Formation Ritual. Von 1995 bis zum Jahr 2007 erschienen insgesamt vier Studioalben, eine Live Platte und eine EP. Am 31. August 2007 wurde das bisher letzte Album der Skandinavier auf dem Label InsideOut Music veröffentlicht. „The Hemulic Voluntary Band“ heißt es und ist angefüllt mit Progressive Rock, dem eine Prise Folk beigemischt wurde. Auf der Homepage der Schweden kann man übrigens immer noch nachlesen, dass sie weiter an einem neuen Album arbeiten. Man darf also gespannt sein.

Ich höre diese Musik und werde unweigerlich an Gentle Giant erinnert. Diese leicht schrägen Akkorde, dazu mehrstimmiger Gesang und auch wunderschöne Melodien, vorangetrieben durch ein nach vorne preschendes Schlagzeug, das erinnert unweigerlich an die englischen Kollegen, die ihre Musik hauptsächlich in den 70er Jahren einspielten. „The Hemulic Voluntary Band“ unterhält vom ersten bis zum letzten Akkord und selbstverständlich ist es eines jener Alben – wie immer im Bereich des Progressive Rocks – welches mit jedem Durchgang noch weiter wächst, wertvoller wird, da man sich diese Musik immer mehr erschließt.

In den Liedern kann man schwelgen, denn sie packen und rühren. Doch es ist eben kein Mainstream Rock. Deswegen wird in solch ein Album sicher oftmals nur kurz reingehört, es zündet nicht sofort und schon ist es wieder vergessen. Allerdings würden solch Lieder wie „Late In November“ oder „The Groke“ bei intensiverem Hören bestimmt deutlich mehr Fans finden und eben etwas später „zünden“. Und dass man bei einem Lied wie „A Dangerous Journey“ nicht einfach mal „kurz“ reinhören kann, scheint bei einer Laufzeit von über 26 Minuten fast schon selbstverständlich logisch. Das Lied ist wie eine musikalische Reise durch viele verschiedene Atmosphären und Stimmungen. Intensiv und unglaublich abwechslungsreich. Dazu gibt es viele wunderschöne Melodien zu entdecken. Musik kann so unglaublich bereichernd sein.

Fazit: Wer Progressive Rock liebt, wer Gentle Giant mag, die oder der wird sehr wahrscheinlich auch Ritual und ihr „The Hemulic Voluntary Band“ mögen. Dabei kopieren die Schweden die Engländer nicht. Sie erinnern an Gentle Giant und versetzen diese Musik in das 21. Jahrhundert, angereichert um einige Folk-Einflüsse. Auf „The Hemulic Voluntary Band“ hört man abwechslungsreiche, melodische und zum Teil auch schräge Musik. Ein toller Mix. Sehr beeindruckend. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Late In November, The Groke, A Dangerous Journey



Dienstag, 9. Juni 2020

Rush – Presto




Rush – Presto


Besetzung:

Geddy Lee – bass guitar, vocals, synthesizers
Alex Lifeson – electric and acoustic guitars
Neil Peart – drums, electronic percussion


Gastmusiker:

Rupert Hine – additional keyboards and backing vocals
Jason Sniderman – additional keyboards


Label: Anthem Records


Erscheinungsjahr: 1989


Stil: Rock


Trackliste:

1. Show Don‘t Tell (5:01)
2. Chain Lightning (4:33)
3. The Pass (4:50)
4. War Paint (5:24)
5. Scars (4:07)
6. Presto (5:46)
7. Superconductor (4:47)
8. Anagram (For Mongo) (3:59)
9. Red Tide (4:30)
10. Hand Over Fist (4:11)
11. Available Light (5:03)

Gesamtspieldauer: 52:15



„Presto“ heißt das dreizehnte Studioalbum der kanadischen Rock Band Rush. Es erschien am 21. November 1989 auf dem Plattenlabel Atlantic Records beziehungsweise dem Label Anthem Records. „Presto“ kletterte in Kanada bis auf Platz 7 und in den Vereinigten Staaten bis auf Platz 16 der Charts. Die Titel „Show Don‘t Tell“, „The Pass“ sowie „Superconductor“ wurden als Singles ausgekoppelt.

Auf „Presto“ hört man einen mehr gitarrenorientierten Sound als noch auf den Vorgängeralben, die deutlich mehr vom Keyboard beeinflusst waren. Dabei rockt die Scheibe ganz gut, lässt allerdings auch immer wieder poppige Ausflüge in die Musik mit einfließen. Das klingt alles ganz nett, wenn auch nicht richtig begeisternd. Hard Rock ist das kaum mehr, eher eine poppig rockige Mischung, der man die Eingängigkeit allerdings keinesfalls absprechen kann. Doch auch wenn man auf „Presto“ noch eingängige Melodien entdeckt, den progressiven Anteil in den Liedern von Rush, den sucht man hier vergebens. Diesen hatten die späten 80er Jahre Rush anscheinend endgültig ausgetrieben.

„Presto“ läuft so ein wenig durch, ohne allzu große Höhepunkte, allerdings auch ohne Ausfälle. Am Interessantesten klingt für mich die rockige, eingängige und für „Presto“ ziemlich abwechslungsreiche Nummer. Mit diesem Lied erheben sich Rush doch ein wenig über den Mainstream Rock-Pop der 80er Jahre. Leider steht dieser Titel jedoch nicht stellvertretend für den Rest der Platte.

Fazit: Eingängigen poppigen Rock bekommt man auf „Presto“ geboten. Das klingt alles melodisch, niemals vertrackt oder schräg, ohne dabei jedoch Ohrwürmer zu erzeugen. Wer auf Mainstream Rock steht wird auf „Presto“ sicherlich fündig, denn die Melodien wirken durchaus im Moment des Hörens. Begeistern kann mich das alles jedoch nicht, dazu klingt es einfach zu gewöhnlich. Acht Punkte.

Anspieltipps: Red Tide



Sonntag, 7. Juni 2020

Ufo – Phenomenon




Ufo – Phenomenon


Besetzung:

Phil Mogg – vocals
Michael Schenker – guitar
Pete Way – bass guitar
Andy Parker – drums


Gastmusiker:

Bernie Marsden – guitar (tracks 11 & 12)


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Oh My (2:25)
2. Crystal Light (3:47)
3. Doctor Doctor (4:12)
4. Space Child (4:01)
5. Rock Bottom (6:29)
6. Too Young To Know (3:09)
7. Time On My Hands (4:12)
8. Built For Comfort (3:08)
9. Lipstick Traces (2:21)
10. Queen Of The Deep (5:49)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2007:

11. Sixteen (Demo) (3:48)
12. Oh My (Demo) (4:12)
13. Give Her The Gun (Single A-side) (3:58)
14. Sweet Little Thing (B-Side "Give Her The Gun") (3:51)
15. Sixteen (Previously Unreleased) (3:54)

Gesamtspieldauer: 59:23



„Phenomenon“ heißt das dritte Studioalbum der britischen Rockband Ufo, welches im Mai 1974 auf ihrem neuen Plattenlabel Chrysalis Records veröffentlicht wurde. Der etwas proggigere beziehungsweise spacige Sound der erste beiden Alben war verschwunden. Auf „Phenomenon“ hört man Rock, der zwischen sanfteren Balladen und Hard Rock Titeln hin- und herpendelt. Grund dafür dürfte wahrscheinlich der neue Gitarrist der Band gewesen sein, der erst 19-jährige Deutsche Michael Schenker, der Mick Bolton an der Lead Gitarre ersetzt hatte.

„Phenomenon“ ist eine runde und durchaus immer wieder begeisternde Scheibe geworden. Wenn auch die Musik nicht gerade vor Komplexität strotzt, die Titel klingen eingängig und gehen gut ins Ohr. Vertrackte Passagen wurden durch geradlinigen Rock ersetzt, der zum Mitwippen animiert. Der andere Pol der Musik auf „Phenomenon“ sind jene bereits angesprochenen rockigen Balladen, die sehr viel sanfter und nicht weniger melodiös aus den Boxen strömen.

Höhepunkte gibt es einige auf „Phenomenon“. Und diese gibt es bei den härteren Titeln wie den sanfteren Nummern. Für tollen Rock steht sicherlich eines der bekanntesten Titel von Ufo, das Lied „Doctor, Doctor“. Nicht weniger interessant klingt „Rock Bottom“, während dessen Michael Schenker ein Solo zum Niederknien zum Besten gibt. Von den etwas ruhigeren Nummern möchte ich dieser Stelle das Lied „Crystal Light“ erwähnen. Klasse melodiöser Titel. Dies gilt auch für „Space Child“. Das Gespür für die Eingängigkeit in der Musik hatten die vier Ufo-Musiker definitiv.

Fazit: „Phenomenon“ ist eine wahrlich gelungene Rock-Scheibe geworden. Es sind die Melodien, die das Album in Erinnerung bleiben lassen. Alles klingt gut auf dieser Platte. Dabei ist der Rock nie zu hart oder krachend, die Balladen nicht zu schmalzig oder verwaschen. Eine gute Mischung, bei der sich auch die Bonus Tracks lohnen gehört zu werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Crystal Light, Doctor Doctor, Space Child, Rock Bottom



Freitag, 5. Juni 2020

Frost* – Others




Frost* – Others


Besetzung:

John Mitchell – vocals, guitar
Jem Godfrey – vocals, keyboards
Nathan King – bass


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: ProgMetal, Pop


Trackliste:

1. Fathers (4:54)
2. Clouda (6:54)
3. Exhibit A (5:34)
4. Fathom (3:58)
5. Eat (5:58)
6. Drown (4:39)

Gesamtspieldauer: 32:00




Heute, am 5. Juni, erscheint mit der EP „Others“ auf digitalem Weg eine neue Veröffentlichung der britischen Band FROST, deren Musik sich irgendwo im weiten Bereich zwischen ProgMetal und Pop ansiedelt. Die sechs Lieder auf „Others“ sind bereits entstanden, als die Musik für das 2016er Album „Falling Satellites“ geschrieben wurde. Zudem werden diese sechs Titel auch Bestandteil der limitierten Anthologie „13 Winters“ sein, die dann im Herbst dieses Jahres auch in physischer Form erscheinen soll.

Beeindruckend auf „Others“ ist, wie die Band auf 32 Minuten eine sehr große Bandbreite musikalischer Genres vereint und dabei trotzdem einen in sich geschlossen Eindruck hinterlässt. Das erste Lied, „Fathers“, bricht quasi wie eine donnernde Welle über einen herein. Kraftvoller Metal, der sich im weiteren Verlauf des Liedes in eine eingängige Rock Nummer mit leichten progressiven Ansätzen wandelt. „Clouda“ ist anschließend ein wenig zurückhaltender angelegt. Das Lied verfügt über einen akustischen Zwischenteil, eine eher sphärische Passage und Rock, der mit unterschiedlichen Stimmungen, Tempi und Rhythmen spielt.

„Exhibit A“ beginnt mit leicht verfremdeten afrikanischen Gesängen, um sich anschließend hauptsächlich im Bereich des Metal zu bewegen. Das darauffolgende kürzeste Lied der Scheibe „Fathom“ ist eine sanfte Ballade, unterfüttert mit Streichern, um das Gefühl noch besser zu transportieren. Deutlich wird dabei, egal in welchem Genre und in welchem Tempo sich die Musik von Frost bewegt, ins Ohr geht sie immer. John Mitchell und seine Bandkollegen besitzen dieses Gespür für die eingängige Melodie.

Weiter geht es mit dem Titel „Eat“. Ein Lied, welches mit einer Vokal-Installation beginnt, die mich kurzzeitig etwas an die musikalischen Ursprünge einer Laurie Anderson erinnerte. „Eat“ ist insgesamt eine poppige Nummer, immer wieder aufgelockert durch eingestreute Stimmen, die auch mal nur ein Husten von sich geben. Gar nicht verwunderlich ist es schließlich, dass sich selbst jene, die EP abschließende und eher sphärisch schwebende Nummer „Drown“ in den Gehörgängen festsetzt. Denn auch mit den letzten beiden Liedern bleiben Frost ihrem Prinzip der Eingängigkeit treu.

Fazit: Zwei Dinge machen diese EP aus. Zum einen gibt es diese Breite der musikalischen Stile, die auf 32 Minuten miteinander verwoben werden. Zum anderen bekommt man jede Menge Eingängigkeit und Melodiösität auf „Others“ geboten. Wer darauf steht, die oder der wird alleine deswegen schon viel Spaß mit dieser EP haben. Zwischen Pop und Metal findet sich dabei durchaus auch der ein oder andere progressive Ansatz in der Musik der Briten. Das macht es noch ein wenig spannender und es klingt einfach gut. Elf Punkte.

Anspieltipps: Fathers, Eat



Mittwoch, 3. Juni 2020

Jean-Michel Jarre – Rendez-Vous




Jean-Michel Jarre – Rendez-Vous


Besetzung:

Jean-Michel Jarre – seiko ds-250, elka synthex, moog synthesizer, roland jx 8p, fairlight cmi, e-mu emulator II, eminent 310u, ems synthi aks, laser harp, rmi harmonic synthesizer, oberheim ob-x, yamaha dx100, matrisequencer, roland tr-808, linn 9000, sequential circuits prophet-5, casio cz 5000, arp 2600


Gastmusiker:

Michel Geiss – arp 2600, eminent bv, matrisequencer, roland tr-808
Dominique Perrier – memorymoog
Joe Hammer – e-mu drumulator, percussions
David Jarre – baby korg personal keyboard on "Fifth Rendez-Vous (Part II)"
Pierre Gossez – saxophone on "Last Rendez-Vous (Ron's Piece)"
The choir of Radio France, directed by Sylvain Durand – vocals on "Second Rendez-Vous"


Label: Disques Dreyfus


Erscheinungsjahr: 1986


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Rendez-Vous 1 (2:54)
2. Rendez-Vous 2 (10:54)
3. Rendez-Vous 3 (3:33)
4. Rendez-Vous 4 (3:58)
5. Rendez-Vous 5 (7:41)
6. Last Rendez-Vous (Ron‘s Piece) (6:02)

Gesamtspieldauer: 35:05



„Rendez-Vous“ heißt das achte Studioalbum des elektronischen Musikers und Komponisten Jean-Michel Jarre. Es erschien am 5. April 1986 erneut auf dem Plattenlabel Disques Dreyfus, auf dem auch die bisherigen Alben des Franzosen erschienen waren. „Rendez-Vous“ verkaufte sich weltweit rund drei Millionen Mal und lief sogar in den USA sehr erfolgreich, was sicherlich nicht zuletzt am letzten Stück der Platte liegt. Doch dazu später mehr.

Auf „Rendez-Vous“ hört man Jean-Michel wieder deutlich zurückhaltender, irgendwie introvertierter. Die Musik klingt sanft, zumeist sogar ein wenig traurig bis sehr melancholisch. Eine Ausnahme stellt hier das „vierte Rendez-Vous“ dar. Eine poppige, eher fröhliche Nummer, die sogar ganz gut ins Ohr geht, trotzdem zum einen nicht typisch für dieses Album ist, zum anderen auch nicht deren Höhepunkt darstellt.

Diese finden sich sehr viel eher in den dunklen Klängen auf „Rendez-Vous“. Da ist gleich der Opener. Schwermütig, dumpf, fast schon bedrohlich wirkend. Die Atmosphäre wird nun aufgehellt mit „Rendez-Vous 2“. Ein Lied, welches sehr viel voller klingt, an manchen Stellen fast schon ein wenig bombastisch rüberkommt und sich laufend wandelt. Das Lied steigert sich zum Ende hin nochmals und mündet in einen imposanten Chor-Part, der Erinnerungen an Philip Glass‘ „Koyaanisqatsi“ aufkommen lässt. „Rendez-Vous 5“ könnte bis etwa zur Mitte auch auf „Oxygene“ oder „Equinoxe“ vertreten sein. Schließlich wird die Nummer sphärischer und geht anschließend in einen Teil über, den man von Jean-Michel Jarre sonst eher selten zu hören bekommt. Wirrer wird es, experimenteller, schneller, undurchdringlicher.

Schließlich sollte an dieser Stelle auch noch das letzte Lied auf „Rendez-Vous“ Erwähnung finden. „Last Rendez-Vous (Ron‘s Piece)“ sollte ursprünglich einen Saxophonpart enthalten, der vom Astronauten Ron McNair im Space Shuttle Challenger während einer Erdumrundung eingespielt werden sollte. Dies hätte das Lied zum ersten Titel gemacht, welcher im Weltraum aufgenommen worden wäre. Doch am 28. Januar 1986 explodierte die Challenger wenige Sekunden nach dem Start und riss alle sieben Besatzungsmitglieder in den Tod. Eben auch jenen Ron McNair. Das Stück ist McNair und den anderen Astronauten an Bord der Challenger gewidmet. Auf dem Album wird der Saxophonpart nun vom Saxophonisten Pierre Gossez gespielt. Das Lied ist angefüllt mit Melancholie und selbst das Saxophon klingt wehmütig. Dieses Unglück in Verbindung zu diesem Lied trug wohl nicht zuletzt mit zum Erfolg des Albums in den USA bei.

Fazit: „Rendez-Vous“ ist ein sehr unaufgeregtes Album geworden. Von der Stimmung her kaum mehr zu vergleichen mit „Oxygene“, „Equinoxe“, „Magnetic Fields“ oder auch „Zoolook“. Es ist ein Album, welches seine Stärke aus der hier ausgestrahlten Ruhe zieht. Sicherlich nicht das beste Album des französischen Musikers Jean-Michel Jarre – aber beileibe auch keine schlechte Platte. Acht Punkte.

Anspieltipps: Last Rendez-Vous (Ron‘s Piece)