Freitag, 9. Juli 2021

Asia – Omega

 



Asia – Omega


Besetzung:

John Wetton – vocals, bass guitar
Steve Howe – electric, acoustic and steel guitars
Geoff Downes – keyboards
Carl Palmer – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2010


Stil: Rock, Melodic Rock


Trackliste:

1. Finger On The Trigger (4:30)
2. Through My Veins (5:09)
3. Holy War (5:58)
4. Ever Yours (4:04)
5. Listen, Children (5:57)
6. End Of The World (5:40)
7. Light The Way (5:11)
8. Emily (Bonus Track) (5:12)
9. I‘m Still The Same (4:43)
10. There Was A Time (5:56)
11. I Believe (4:41)
12. Don:t Wanna Lose You Now (4:46)

Gesamtspieldauer: 1:01:52



„Omega“ nannte die britische Rockband Asia ihr elftes Studioalbum, welches am 21. April 2010 in Japan bei Melodious Frontier und am 23. April 2010 in Europa bei Frontiers Records veröffentlicht wurde. In Japan waren Asia von Anfang an am erfolgreichsten, von daher ist diese um zwei Tage vorgezogene Veröffentlichung nicht weiter überraschend. „Omega“ ist das vierte Studioalbum, welches Asia in der Originalbesetzung einspielten und die zweite Platte nach der Wiedervereinigung der Band im Jahr 2006. Das Album verkaufte sich allerdings nicht sonderlich erfolgreich und konnte sich lediglich in Japan in den Charts platzieren, wo es bis auf Platz 29 kletterte.

Obwohl die vier Musiker John Wetton, Steve Howe, Geoff Downes und Carl Palmer mit King Crimson, Yes sowie ELP im Progressive Rock zu Hause waren, so war Asia niemals eine Band, die sich in diesem musikalischen Genre tummelte. Von daher ist es auch nicht weiter überraschend, dass sich die Musik auf „Omega“ ebenfalls mehr im Mainstream Rock, denn in deutlich komplizierteren Gefilden abspielt. Auf „Omega“ befindet sich eingängiger Rock, der jederzeit im Radio gespielt werden kann. Nicht kompliziert, dafür umso schneller, meist bereits beim ersten Mal des Hörens melodiös und eingängig klingend.

Das machen die vier Musiker allerdings ganz gut. Und bei zwei Nummern gelingt ihnen das besonders gut. „Through My Veins“ und vor allen Dingen „There Was A Time“ heißen die beiden Höhepunkte auf „Omega“. Letztgenanntes Stück ist ein melancholisches bis sentimentales Lied über eine verlorene Liebe, die John Wetton wunderschön zu singen versteht. Ich bin eigentlich kein Freund von Liebesliedern, schon gar nicht von manch schmalzigen Auswüchsen dieser Gattung Lied. Doch hier finde ich das in Verbindung mit der Musik wunderschön gelungen. Eine klasse Nummer, die immer wieder sehr hörenswert ist. Und der ganze Rest? Der ist, wie bereits erwähnt, eingängiger Mainstream Rock – nicht mehr und nicht weniger.

Fazit: Viel unspektakulären Mainstream Rock, radiotaugliche Massenware gibt es auf „Omega“ zu hören. Aber dann gibt es auf diesem Album auch zwei Perlen, die es lohnt gehört zu werden. Zwei Lieder, die hängenbleiben und sich gegenüber dem meist nichtssagenden Rest abheben. Das macht „Omega“ leider immer noch nicht zu einem guten Album, trotzdem ist das Hören nicht ganz verschenkt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Through My Veins, There Was A Time



Mittwoch, 7. Juli 2021

U.K. – U.K.

 



U.K. – U.K.


Besetzung:

Eddie Jobson – electronic violin, keyboards & electronics
John Wetton – voice & bass
Allan Holdsworth – guitars
Bill Bruford – kit drums & percussion




Erscheinungsjahr: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. In The Dead Of Night (5:34)
2. By The Light Of Day (4:28)
3. Presto Vivace & Reprise (3:08)
4. Thirty Years (8:09)
5. Alaska (4:42)
6. Time To Kill (4:57)
7. Nevermore (8:13)
8. Mental Medication (7:29)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung:

9. In The Dead Of Night (Single Version) (5:38)
10. Mental Medication (Single Edit) (3:25)

Gesamtspieldauer: 53:13



Im Jahr 1978 war die Blütezeit des Progressive Rocks bereits vorüber. Viele der damals in diesem Genre aktiven Bands verhedderten sich im Mainstream Rock oder gar im Allerwelts-Pop. Umso überraschender war es dann, dass sich mit U.K. eine Band aus namhaften Musikern zusammenfand, die nochmals einen Höhepunkt des Progressive Rocks auf Platte pressten. John Wetton, Mitglied bei King Crimson, Family, Uriah Heep und Roxy Music, Bill Bruford, ebenfalls Mitglied von King Crimson und natürlich der Schlagzeuger von Yes, Eddie Jobson spielte bei Curved Air, Roxy Music und in Frank Zappa’s Band sowie Allan Holdsworth, der bei Soft Machine, Gong, Tempest und The Tony Williams Lifetime aktiv war, bildeten U.K. und setzten einen der letzten Progressive Rock Höhepunkte der 70er Jahre.

U.K. von U.K. ist ganz bestimmt kein Mainstreamalbum geworden und sogar für den Progressive Rock etwas Besonderes. Denn auf dieser Platte verschmelzen die Musiker immer wieder die Grenzen zwischen besagtem musikalischen Genre Progresssive Rock und Jazz Rock, der hier vor allen Dingen durch das Gitarrenspiel des Allan Holdsworth mit eingebracht wird. Das Album beinhaltet somit auch keine lieblichen Melodien, die einem sofort ins Ohr gehen. Doch vertrauter werden einem die acht Stücke schnell, wenn man das Album wieder auflegt. Vertrackt bleibt die Musik allerdings an einigen Stellen trotzdem.

Die einzelnen Lieder vollführen viele Wendungen, spielen mit den Atmosphären und Stimmungen und gehen häufig ineinander über. Dabei klingt das Gehörte oftmals eben gerade gar nicht so eingängig, manches Mal sogar auch ein klein wenig sperrig, was die Lieder allerdings sogar auch spannender werden lässt. Immer dann, wenn eine komplexe Struktur in schließlich doch vorhandenen Wohlklang aufgelöst wird, berührt und packt diese Musik nochmals mehr.

U.K. von U.K. ist keine Platte geworden, die man nebenbei hören kann, hier wird schon die ganze Aufmerksamkeit von Hörerin beziehungsweise Hörer verlangt und auch eingefordert, möchte man diese Musik auch verstehen und genießen. Trotzdem erschließt sich auch mir nicht alles auf diesem Album, welches in der remasterten Fassung noch zwei Bonus-Lieder aufweist. Der Klang dieser Ausgabe ist klasse, die beiden Zugaben sind leicht oder stark gekürzte Fassungen zweier Lieder des Albums, um auch hier noch eine Single veröffentlichen zu können.

Fazit: Progressive Rock mit jazzigem Einschlag bekommt man auf U.K. von U.K. zu hören. Nicht alles auf dem Album ist eingängig und melodiös, doch auch diese Passagen gibt es. Und nimmt man sich die Zeit, diese Platte öfters aufzulegen, wird man immer mehr belohnt, denn das Album wächst mit jedem Durchlauf. Zehn Punkte.

Anspieltipps: By The Light Of Day



Montag, 5. Juli 2021

Various Artists – The Kankobela Of The Batonga




Various Artists – The Kankobela Of The Batonga


Vor ein paar Jahren produzierte ich ein Feature über die Feldaufnahmen von Hugh Tracey. Zuvor war ich durch Zufall in der ruandischen Hauptstadt Kigali auf eine Veröffentlichung des niederländischen Labels SWP-Records gestoßen. Ein kleines, feines Label, gegründet von Michael Baird, der in Sambia geboren wurde und eine lebenslange Liebe zur afrikanischen Musik entwickelt hat. Durch Zufall stieß Baird auf die alten Aufnahmen von Tracey und veröffentlichte sie zum ersten Mal auf CD:

Nach der Arbeit an diesem Feature bekam ich eine Original Hugh Tracey „Kalimba“ geschenkt, ein „Daumenklavier“, wie es auch genannt wird. Es ist ein einfaches Instrument, das jedoch äußerste Fingerfertigkeit vom Spielenden verlangt. Gleich vorweg, ich kann es nicht spielen, aber ich spiele gerne darauf herum. Es beruhigt, die Töne klingen angenehm, es hat etwas sehr Friedvolles an sich.

Als nun SWP-Records eine neue Veröffentlichung ankündigte, war ich gleich interessiert. „The Kankobela of the Batonga“ sind Aufnahmen auf so einem „Daumenklavier“. Michael Baird reiste dazu nach Sambia und Simbabwe, um an den Ufern des Lake Kariba Musiker aufzunehmen, die auf ihren selbstgebauten und sehr personalisierten Instrumenten für ihn spielten. Keine Kankobela, kein Musiker klingt gleich. Lieder auf der Kankobela sind sehr persönlich und drücken, wie Baird in den Liner-Notes schreibt, „their innermost feelings about a range of subjects from spiritual to humorous“ aus.

Diese Vinylplatte präsentiert Meister auf diesem so einfach erscheinenden Instrument: Nyeleti Mukkuli, Edward Mun’goma, Daunzi Munsaka, Johnny Mudenda, Aaron Nchenje, Andrew George Munyumbwe, Leonard Mweemba Siapwayuma und Timothy Mudimba. Die Songs öffnen eine musikalische Welt, die so ganz anders, ganz fremd wirkt und doch voller Faszination ist. Teil hypnotisch, teils rhythmisch, teils mitreißend, teils einladend, teils fordernd. „The Kankobela of the Batonga“ ist eine Klangreise in unbekannte Musikwelten. Zumindest für gewöhnliche Musik- und Radiohörer. Bairds Verdienst ist es, dass er mit SWP-Records den Hörer herausfordert seine Ohren weit zu öffnen für eine Kulturlandschaft, die man nicht einfach übergehen und abtun sollte. Mit dieser Platte wird ein weiterer Eindruck auf die reiche musikalische Schatzkammer des afrikanischen Kontinents gewährt. Sehr empfehlenswert!



Samstag, 3. Juli 2021

Alice Cooper – Love It To Death

 



Alice Cooper – Love It To Death


Besetzung:

Alice Cooper – vocals, harmonica
Glen Buxton – lead guitar
Michael Bruce – rhythm guitar, keyboards, backing vocals
Dennis Dunaway – bass guitar, backing vocals
Neal Smith – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Bob Ezrin – keyboards on “Caught In A Dream”, “Long Way To Go”, “Hallowed Be My Name”, “Second Coming”, and “Ballad Of Dwight Fry”




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Rock


Trackliste:

1. Caught In A Dream (3:10)
2. I‘m Eighteen (3:00)
3. Long Way To Go (3:04)
4. Black Juju (9:11)
5. Is It My Body (2:39)
6. Hallowed Be My Name (2:29)
7. Second Coming (3:04)
8. Ballad Of Dwight Fry (6:33)
9. Sun Arise (3:50)

Gesamtspieldauer: 37:05



„Love It To Death“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Band Alice Cooper. Es erschien am 9. März 1971 auf dem Plattenlabel Straight Records. Es war das erste kommerziell erfolgreiche Album der Band und gleichzeitig die erste Platte von Alice Cooper, bei der die Musik deutlicher in Richtung eines härteren Sounds tendierte.

„Love It To Death“ klingt spannend. Nicht nur, dass die einzelnen Titel gut ins Ohr gehen, auf dem Album befinden sich mit den Titeln „Black Juju“ und „Ballad Of Dwight Fry“ auch etwas experimentellere Musik, die in den Bereich des Psychedelic Rock tendiert. Vergisst man dabei das kleine Mädchen, welches zu Beginn von „Ballad Of Dwight Fry“ – heute irgendwie unfreiwillig komisch – ihre Mami fragt, wann denn Daddy wieder nach Hause kommt, dann ist auch dies ein spannender Titel, der live auf der Bühne von der Band theatralisch umgesetzt wurde. Das Lied handelt vom Insassen einer Nervenheilanstalt und Alice Cooper wurde bei diesem Lied von der Bühne geschleppt, um später wieder in einer Zwangsjacke zu erscheinen. Beim Lied „Black Juju“ wurde er dann schließlich auf der Bühne auf dem elektrischen Stuhl „hingerichtet“.

Die restlichen Lieder des Albums unterhalten ebenfalls musikalisch, auch wenn sie heute eher im Mainstream des Rocks anzusiedeln sind, zur Zeit ihrer Entstehung jedoch sicher spannend klangen. Die relativ kurze Spielzeit von 37 Minuten ist für damalige Verhältnisse auch durchaus normal. Und da sich auch kein Ausfall auf der Platte befindet, macht sie trotzdem auch heute noch Spaß anzuhören.

Fazit: Das dritte Album von Alice Cooper der Band klingt etwas härter als noch die beiden zuvor veröffentlichten Scheiben. Dazu gesellen sich auch einige experimentellere und ins Psychedelische reichende Töne, sodass man auf „Love It To Death“ eine abwechslungsreiche und auch spannende musikalische Mischung erklingt, die sich auch fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung noch zu hören lohnt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Black Juju, Second Coming, Ballad Of Dwight Fry



Donnerstag, 1. Juli 2021

Deep Purple – Who Do We Think We Are

 



Deep Purple – Who Do We Think We Are


Besetzung:

Ritchie Blackmore – guitar
Ian Gillan – vocals
Roger Glover – bass
Jon Lord – keyboards
Ian Paice – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Hard Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Woman From Tokyo (5:51)
2. Mary Long (4:26)
3. Super Trouper (2:56)
4. Smooth Dancer (4:13)
5. Rat Bat Blue (5:26)
6. Place In Line (6:31)
7. Our Lady (5:20)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2000:

8. Woman From Tokyo ('99 Remix) (6:37)
9. Woman From Tokyo (Alternate Bridge) (1:26)
10. Painted Horse (Studio Out-Take) (5:51)
11. Our Lady ('99 Remix) (6:06)
12. Rat Bat Blue (Writing Session) (0:56)
13. Rat Bat Blue ('99 Remix) (5:49)
14. First Day Jam (Instrumental) (11:26)

Gesamtspieldauer: 1:12:32



„Who Do We Think We Are“ heißt das siebte Studioalbum der englischen Hardrock-Band Deep Purple. Es wurde am 13. Januar 1973 auf dem bandeigenen Plattenlabel Purple Records veröffentlicht und über die EMI vertrieben. „Who Do We Think We Are“ war das letzte Album von Deep Purple mit Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover bis zum 1984er Studioalbum „Perfect Strangers“.

Musikalisch gesehen bedeutete „Who Do We Think We Are“ für Deep Purple eine Entwicklung hin zum Blues Rock. Damit war die Band vor allen Dingen in den USA besonders angesagt und erfolgreich und wurde dort sogar zur erfolgreichsten Band des Jahres 1973. Dies allerdings auch durch die ebenso in 1973 erfolgte Veröffentlichung des Live-Albums „Made In Japan“ und weitere Verkäufe des ein Jahr zuvor veröffentlichten „Machine Head“. Der Klassiker des Albums schlechthin ist natürlich gleich der Opener „Woman From Tokyo“. Eine rockende Nummer, Hard Rock selbstverständlich, zu der Jon Lord eine groovende Pianoeinlage beisteuert.

Ansonsten klingt „Who Do We Think We Are“ professionell und routiniert, gehört für mich allerdings nicht zu den Höhepunkten im Schaffen der Band. Die Entstehung des Albums und die anschließende Tournee waren von Streitereien, wohl auch über die musikalische Ausrichtung der Band geprägt, sodass – wie bereits erwähnt – Ian Gillan und Roger Glover Deep Purple im Juni 1973 verließen. Vielleicht ist diese Uneinigkeit im Entstehungsprozess auch der Grund, warum das Album so rar mit Höhepunkten angefüllt ist. Die Lieder lassen sich alle gut anhören, doch richtig zu packen, das verstehen die Titel auf „Who Do We Think We Are“ nicht mehr.

Die remasterte Ausgabe des Albums enthält einige Bonus Tracks. Besonders zu erwähnen ist dabei die letzte Nummer „First Day Jam“, auf der man Ritchie Blackmore am Bass hört, da Roger Glover zu der Zeit noch im Stau festhing. Ein Deep Purple Lied ohne Gitarren… das kann auch nur ein Jam sein. Interessant zu hören trotzdem.

Fazit: „Who Do We Think We Are“ ist ein Album ohne große Höhepunkte geworden, nimmt man mal den ersten Titel „Woman From Tokyo“ aus. Ansonsten klingt die Scheibe professionell und routiniert, allerdings läuft vieles darauf auch einfach so durch. Deep Purple haben sich mit „Who Do We Think We Are“ etwas mehr dem Blues Rock angenähert. Definitiv kein Höhepunkt im Schaffen von Deep Purple. Acht Punkte.

Anspieltipps: Woman From Tokyo, Rat Bat Blue



Dienstag, 29. Juni 2021

Modest Mouse – The Golden Casket

 



Modest Mouse – The Golden Casket


Besetzung:

Isaac Brock
Russell Higbee
Jeremiah Green
Lisa Molinaro
Ben Massarella
Tom Peloso
Jim Fairchild
D. Sardy
Kacknife Lee
Jordan Katz
Enrique Ugalde




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Fuck Your Acid Trip (3:11)
2. We Are Between (3:52)
3. We're Lucky (2:44)
4. Walking And Running (3:01)
5. Wooden Soldiers (5:55)
6. Transmitting Receiving (5:40)
7. The Sun Hasn't Left (4:23)
8. Lace Your Shoes (5:25)
9. Never Fuck A Spider On The Fly (4:56)
10. Leave A Light On (4:18)
11. Japanese Trees (3:05)
12. Back To The Middle (3:52)

Gesamtspieldauer: 50:29



Zumindest kann man sicherlich nicht behaupten, dass die US-amerikanische Band Modest Mouse ihre Alben allzu überstürzt veröffentlichen würde. Vergingen zwischen dem Erscheinen von „We Were Dead Before the Ship Even Sank“ und „Strangers To Ourselves“ noch acht Jahre, so dauerte es nun immerhin „nur“ noch sechs Jahre, bis das siebte offizielle Album der Band mit dem Titel „The Golden Casket“ auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht wurde.

Kaum zu glauben, doch im nächsten Jahr feiern Modest Mouse bereits ihren 30. Band-Geburtstag. Mit dem eher rauen Independent Rock ihres Debuts „This Is A Long Drive For Someone With Nothing To Think About“ aus dem Jahr 1996 hat die Musik von Modest Mouse inzwischen kaum mehr etwas gemein. Sehr viel eher hört man auf „The Golden Casket“ Parallelen zu jener Musik, die auf den Alben „Good News For People Who Love Bad News“ aus dem Jahr 2004 und dem bereits erwähnten „We Were Dead Before The Ship Even Sank“ aus dem Jahr 2007 zu hören war.

Es sind einmal mehr diese eingängigen Melodien in Verbindung zu dem unverwechselbaren und leicht schrägen Gesang des Isaac Brock, die die Musik von Modest Mouse bestimmen und dominieren und dadurch eben auch insgesamt unverwechselbar werden lassen. Das Zuhören macht Spaß, die Melodien gehen zum Teil bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr, mit jedem weiteren Durchlauf klingen sie noch intensiver und gelungener. Die Grundstimmung auf „The Golden Casket“ ist eine positive, optimistische. Zwar macht sich Isaac Brock mit seinen Texten immer noch viele Gedanken über diese Welt, er singt über Drogen und über seine Sorge bezüglich des rasanten technologischen Fortschritts in unserer Welt. Gleichzeitig freut er sich jedoch auch auf die Zukunft und die gemeinsame Zeit mit seinen inzwischen geborenen Kindern. So dringt das Zaudernde, das Ängstliche lediglich in die Texte auf „The Golden Casket“ ein, die Musik selbst scheint davon weniger beeinflusst zu sein, denn diese klingt deutlich optimistischer als manch dazugehörender Text.

Und was befindet sich nun als Höhepunkt in diesem goldenen Sarg, was „The Golden Casket“ auf Deutsch bedeutet? Nun, da haben es mir vor allen Dingen die beiden Titel „Wooden Soldiers“ und „Transmitting Receiving“ angetan. Reine Geschmackssache, sicherlich, doch bei diesen beiden Liedern kommen für mich die Zutaten der Musik von Modest Mouse so wunderbar zutage. Musik die anders klingt, leicht verschroben und irgendwie besonders.

Fazit: Mit „The Golden Casket“ ist Modest Mouse einmal mehr ein überzeugendes Album gelungen. Dieses wächst mit jedem weiteren Anhören und enthält, die für diese Band so typischen Zutaten. Leicht schräger Gesang und in Verbindung zu eingängigen und trotzdem zum Teil skurrilen Melodien einen unverwechselbaren Klang. Modest Mouse Fans dürfte das Gehörte gefallen und all denjenigen, die auch mal abseits der Radiodauerschleifen Musik hören ebenso. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Wooden Soldiers, Transmitting Receiving



Sonntag, 27. Juni 2021

A.R. & Machines – The Cologne Concert

 



A.R. & Machines – The Cologne Concert


Besetzung:

Achim Reichel – echo guitar


Gastmusiker:

Peter Franken – drums
Olaf Casalich – percussion
Jochen Petersen – soprano saxophone and flute




Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Churchbells On Acid / Domglocken Auf Acid (36:52)
2. Gentile Prayers / Heidnische Gebete (41:34)

Gesamtspieldauer: 1:18:26



Am 25. April 1973 gab Achim Reichel zusammen mit seinen bereits bewährten Live-Musikern unter dem Bandnamen A.R. & Machines ein Konzert im Rahmen der Reihe „Nachtmusik im WDR“. Da das Honorar nicht besonders hoch ausfiel, wie Achim Reichel erzählt, einigte man sich darauf, dass Achim Reichel im Anschluss an ihren Auftritt einen Stereomitschnitt des Konzertes zur freien Verfügung erhalten sollte.

Gut, dass sich der Musiker darauf einließ, denn dieses Köln Konzert ist eine meditativ-hypnotische Reise, die – falls laut oder auf Kopfhörern gehört – einen wahrlich in andere Sphären katapultiert. Es passiert nicht viel während der beiden Lieder. Ein Thema wird immer weiter variiert, die Echo-Gitarre sorgt für die Fülle, Saxophon oder Flöte für abwechslungsreiche Einsprengsel.

Die beiden Lieder sind Atmosphäre pur, die allerdings nicht einfach so dahinwabert, sondern durchaus mit einer gehörigen Portion an Rhythmus versehen ist. Man muss sich darauf einlassen können, die Augen schließen und ab geht die Reise – für viele Hörerinnen und Hörer könnte sich das Ganze allerdings auch enervierend oder langweilig anhören. Hört man diese Musik, wird man eine Meinung dazu haben, so viel ist sicher.

Fazit: Meditativ hypnotische Musik gab es damals im Jahr 1973 im Rahmen der WDR-Reihe „Nachtmusik im WDR“ von A.R. & Machines zu hören. Für mich klingt das begeisternd, ich kann allerdings auch nachvollziehen, wenn jemand sagen würde: „Da passiert irgendwie nichts“. Recht hat er. Aber genau das ist das Geheimnis dieser Musik. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Beide Titel



Freitag, 25. Juni 2021

Devin Townsend – Devolution Series #2 - Galactic Quarantine

 



Devin Townsend – Devolution Series #2 - Galactic Quarantine


Besetzung:

Devin Townsend – vocals, guitars, keyboards
Wes Hauch – guitars
Liam Wilson – bass
Samus Paulicelli – drums




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Metal


Trackliste:

1. Velvet Kevorkian (2:25)
2. All Hail The New Flesh (5:31)
3. By Your Command (8:19)
4. Almost Again (3:42)
5. Juular (3:49)
6. March Of The Poozers (5:25)
7. Supercrush! (5:14)
8. Hyperdrive (3:41)
9. Stormbending (5:20)
10. Deadhead (7:54)
11. Aftermath (6:50)
12. Love? (5:20)
13. Spirits Will Collide (4:34)
14. Kingdom (5:05)
15. Detox (6:19)

Gesamtspieldauer: 1:19:38



Nach „Devolution Series #1 - Acoustically Inclined, Live in Leeds“ vom 19. März dieses Jahres, folgt nun am 25. Juni mit „Devolution Series #2 - Galactic Quarantine“ der zweite Teil einer Serie, mit der der Kanadier Devin Townsend eine Reihe von Alben während der Pandemie veröffentlicht, um die Zeit bis zum nächsten offiziellen neuen Album zu überbrücken. Bei „Devolution Series #2 - Galactic Quarantine“ handelt es sich dabei um Aufnahmen, die virtuell live an verschiedenen Orten der Welt (Devin Townsend in Vancouver, Wes Hauch in Atlanta, Liam Wilson in Philadelphia und Samus Paulicelli in Winnipeg), als Ersatz für die ausgefallene „Empath Vol 2 European Tour“ und die abgesagten Sommerfestivals eingespielt und am 5. September 2020 als Video online gestellt wurden.

Nachdem der erste Teil der Serie, wie der Name bereits andeutete, eher sanft klang und von der akustischen Gitarre dominiert wurde, bricht musikalisch gesehen mit „Devolution Series #2 - Galactic Quarantine“ ein Gewitter über die Hörerin beziehungsweise den Hörer herein. Eine kurze Einleitung gibt Devin Townsend noch, stellt die beteiligten Musiker und ihren derzeitigen Standort vor und dann bahnt sich der musikalische Sturm seinen Weg.

Stakkatoartig gespielte Riffs, ein zu explodieren scheinender Samus Paulicelli am Schlagzeug, Hochgeschwindigkeitsbassläufe sowie eine Devin Townsend, mal in Musical-Stimmlage, sich sehr viel öfters jedoch die Seele aus dem Leib schreiend, das sind die Zutaten dieses zweiten Albums der Devolution Serie. Dieser Ansatz wird über die fünfzehn Titel ziemlich kompromisslos verfolgt, sodass man kaum zum Luftholen kommt. Das Album brettert fast achtzig Minuten durch. Die etwas ruhigeren Momente auf dieser Veröffentlichung sind wahrlich rar gesät und „ruhig“ ist in diesem Fall auch eher relativ gemeint. Steht man auf diesen konsequenten Metal, findet man auf diesem Album natürlich sehr viel Erfüllung. Ein paar Auflockerungen hätten dem Album trotzdem gut getan. Achtzig Minuten Headbanging ist sowieso gefährlich, möchte man nicht in der Notaufnahme landen.

Fazit: Metal und Devin Townsend Fans wird dieses Album ganz bestimmt gefallen. Fans dürfte es aber wie gesagt gefallen. Ziemlich kompromisslosen Metal bekommt man auf „Devolution Series #2 - Galactic Quarantine“ geboten. Das Album punktet mit Schnelligkeit und Härte. Ein paar sanftere Momente wären trotzdem nicht schlecht gewesen. Neun Punkte.

Anspieltipps: March Of The Poozers, Aftermath



Donnerstag, 24. Juni 2021

Jordsjø – Pastoralia

 



Jordsjø – Pastoralia


Besetzung:

Kristian Frøland – drums, percussion
Håkon Oftung – vocals, guitars, bass, flute, organ, mellotron, clavinet, e-piano, piano


Gastmusiker:

Håkon Knudsen – guitar
Ola Mile Bruland – voice
Vilde Mortensen Storesund – voice
Mats Lemian – bass clarinet
Christian Meaas Svendsen – double bass
Asa Ree – violin




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Prolog (2:17)
2. Skumring i Karesuando (7:37)
3. Mellom Mjødurt, Marisko og Søstermarihånd (6:30)
4. Pastoralia (6:05)
5. Fuglehviskeren (2:32)
6. Beitemark (6:01)
7. Vettedans (2:02)
8. Jord III (10:35)

Gesamtspieldauer: 43:42



Jordsjø entwickeln sich immer mehr zu einer ganz besonderen Band. Seit 2017 sind nun insgesamt vier Studioalben des norwegischen Duos erscheinen und nach dem wahrlich überzeugenden Album „Nattfiolen“ aus dem Jahr 2019 legen die beiden Musiker nun mit „Pastoralia“ nochmals ein überaus gelungenes Album nach.

„Pastoralia“ erschien im Mai 2021 auf dem norwegischen Plattenlabel Karisma Records und weiß einmal mehr mit wunderschönen Retro-Prog-Klängen zu überzeugen. Progressive Rock des 21. Jahrhunderts hört man auf dem Album, angelehnt an jene Musik der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, ohne diese zu kopieren. Wunderschöne Melodien entfalten sich dabei vor dem Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Eingängig, zum Teil verschachtelt und immer wieder neue Wendungen einschlagend und dabei nur noch mehr an Spannung und Abwechslung gewinnend.

Die mit Flöten, Klarinetten, Violinen und Mellotron angereicherte Musik überzeugt von den ersten Akkorden bis zum Ausklingen des Albums. Dabei reicht die musikalische Spannweite von leichten jazzigen Einflüssen bis hin zu Kammerrock-Anleihen. Über all dem steht jederzeit die eingängige Melodie, die durchgängig im Mittelpunkt des Schaffens von Jordsjø zu stehen scheint. Gesungen wird auch auf dem Album und zwar auf Norwegisch, doch der Gesang hält sich insgesamt etwas zurück, dient eher als Untermalung, denn als zentrales Momentum in der Musik der Band. Auch Rhythmus und Tempo changieren zwischen sanft und getragen bis hin zu Passagen, in denen die E-Gitarre sogar mal rockt – jedoch nur kurzzeitig.

Die Grundstimmung des Albums ist eher eine sanfte und zurückhaltende. Oftmals klingt das alles sehr verträumt und wächst dann doch wieder sehr stimmungsvoll an. Alles auf „Pastoralia“ klingt hörenswert. Die Höhepunkte sind reich gesät. „Skumring i Karesuando“, „Fuglehviskeren“ sowie „Jord III“ lohnen sehr, um sich einen Überblick über die Musik auf diesem Album machen zu können. Freundinnen und Freunde des Progressive Rocks werden es lieben.

Fazit: Skandinavischer Retro-Progressive Rock im Sinne der ersten Bands aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, das bekommt man auf „Pastoralia“ zu hören. Musik, abwechslungsreich und spannend. Musik, die ins Ohr geht und darin länger verweilt. Für alle, die gern weitab vom Mainstream der Radiostationen Musik hören ist diese Platte sehr zu empfehlen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Skumring i Karesuando, Fuglehviskeren, Jord III



Mittwoch, 23. Juni 2021

Little Feat – Dixie Chicken

 



Little Feat – Dixie Chicken


Besetzung:

Paul Barrere – guitar, vocals
Sam Clayton – congas
Lowell George – vocals, guitar, cowbell, flute
Kenny Gradney – bass
Richie Hayward – drums, vocals
Bill Payne – keyboards, synthesizer, vocals


Gastmusiker:

Bonnie Bramlett – backing vocals
Malcolm Cecil – synthesizer
Tret Fure – backing vocals
Danny Hutton – backing vocals
Milt Holland – tabla
Gloria Jones – backing vocals
Debbie Lindsey – backing vocals
Bonnie Raitt – backing vocals
Stephanie Spruill – backing vocals
Fred Tackett – guitar




Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Blues Rock


Trackliste:

1. Dixie Chicken (3:56)
2. Two Trains (3:07)
3. Roll Um Easy (2:34)
4. On Your Way Down (5:34)
5. Kiss It Off (2:58)
6. Fool Yourself (3:18)
7. Walkin‘ All Night (3:36)
8. Fat Man In The Bathtub (4:33)
9. Juliette (3:30)
10. Lafayette Railroad (3:36)

Gesamtspieldauer: 36:46



„Dixie Chicken“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Little Feat. Das Album erschien ursprünglich als Schallplatte am 25. Januar 1973 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Music. Das Cover der Platte stammt von dem Illustrator Neon Park und ist wohl eine Anspielung auf eine Zeile aus dem dritten Track des Albums „Roll Um Easy“. Paul Barrere an der Gitarre und mit Gesangseinlagen, Congas-Spieler Sam Clayton und Bassist Kenny Gradney waren neu zur Band gestoßen und blieben Teil von Little Feat bis zur Auflösung der Band im Jahr 1979.

Die Umbesetzung hatte Spuren hinterlassen. Auf „Dixie Chicken“ hört man neben sehr viel Blues Rock auch etwas R&B sowie sogar funkige Einflüsse. Für Blues-Freundinnen und Freunde der damaligen Zeit mag das vielleicht interessant geklungen haben. Im Jahr 2021 allerdings, vor allen Dingen wenn man diese Musik zum ersten Mal hört, ist jeder vielleicht mal vorhandene Zauber jedoch leider verflogen. Wenn man sich überlegt, welche Alben im Jahr 1973 alles veröffentlicht wurden – auch von Blues-Bands – dann wird es schwierig beim Hören von „Dixie Chicken“ nicht schnell wieder die „Off-Taste“ zu drücken. Allzu belanglos klingt die Musik inzwischen. Keine Höhepunkte, wenig Gefühl. Nichts, was irgendwie hängenbleiben würde.

Die Titel „On Your Way Down“ und „Kiss It Off“ klingen zumindest noch einigermaßen hörenswert. Bei „Juliette“ kann ich aufgrund des Einsatzes einer Querflöte auch noch etwas Interessantes und Spannendes erkennen und heraushören. Der ganze Rest der Platte zieht jedoch nur noch schneller am Ohr vorbei – ohne auch nur den Hauch einer Spur zu hinterlassen. Heutzutage klingt das leider langweilig.

Fazit: Manchmal scheint Musik nicht mehr in die Zeit zu passen. Andere Bands „überleben“ dagegen Jahrzehnte und bleiben immer hörenswert und vor allen Dingen, sie lassen sich auch noch Jahrzehnte später entdecken. Auf Little Feat trifft das leider nicht zu. Die Musik der Band klingt heute auch auf „Dixie Chicken“ größtenteils nur noch langweilig. Fünf Punkte.

Anspieltipps: On Your Way Down, Kiss It Off, Juliette



Montag, 21. Juni 2021

Asia – Phoenix

 



Asia – Phoenix


Besetzung:

John Wetton – lead vocal, bass guitar
Steve Howe – electric, acoustic and steel guitars, backing vocals
Geoff Downes – keyboards, backing vocals
Carl Palmer – drums, percussion


Gastmusiker:

Hugh McDowell – cello (on "I Will Remember You" and "An Extraordinary Life")




Erscheinungsjahr: 2008


Stil: Mainstream, AOR


Trackliste:

1. Never Again (4:55)
2. Nothing‘s Forever (5:46)
3. Heroine (4:54)
4. Sleeping Giant / No Way Back/Reprise (8:10)
5. Alibis (5:40)
6. I Will Remember You (5:12)
7. Shadow Of A Doubt (4:18)
8. Parallel Worlds / Vortex / Déyà (8:12)
9. Wish I‘d Known All Along (4:06)
10. Orchard Of Mines (5:12)
11. Over And Over (3:33)
12. An Extraordinary Life (5:00)

Gesamtspieldauer: 1:05:03



„Phoenix“ heißt das bereits zehnte Studioalbum der britischen Rockband Asia, das am 11. April 2008 ursprünglich auf dem Plattenlabel Frontiers Records erschien. Es war das erste Studioalbum in der Originalbesetzung der Band nach dem zweiten Album „Alpha“ aus dem Jahr 1983 und das erste seit der Wiedervereinigung im Jahr 2006. Auf „Phoenix“ hört man Mainstream Rock oder auch AOR, jedoch keinesfalls Progressive Rock, wie man auf manchen Beschreibungen oder in Wikipedia auch zu diesem Album nachlesen kann.

Zwar enthält das Album mit den Liedern „Sleeping Giant / No Way Back/Reprise“ sowie „Parrallel Worlds / Vortex/Déyà“ die längsten Stücke, die je von Asia aufgenommen wurden, doch bleiben auch diese Nummern zumeist einfach nur Mainstream Rock. Die Länge eines Titels hat noch nie etwas über das Genre ausgesagt, auch wenn es manchmal ein Fingerzeig sein kann. Bei diesen Stückern gibt es sogar progressive Einsprengsel zu hören, doch es bleiben lediglich kurze Episoden.

Die Musik, die man auf „Phoenix“ hört hat also weder was mit Yes noch mit King Crimson und auch nichts mit Emerson, Lake & Palmer zu tun. Das bedeutet wiederum nicht, dass „Phoenix“ ein schlechtes oder völlig missratenes Album geworden wäre. Viele der Titel klingen und gehen ins Ohr. Die meisten der Stücke sind überaus radiotauglich und kurze Passagen der beiden genannten längeren Lieder könnten sogar Teil eines Progressive Rock Albums sein, doch es sind wirklich nur kurze Passagen, die hier aus dem Mainstream Rock hervorragen, um dann ganz schnell wieder in massentauglichere Musik eingebettet zu werden.

Fazit: Die Reunion von Asia, sogar in der Originalbesetzung, produziert hauptsächlich Mainstream Rock. Das ist nicht weiter schlimm, denn es war schon immer so bei Asia. Die Musiker, ansonsten bei Progressive Rock Bands unterwegs, toben sich einmal mehr unter der Überschrift „Asia“ auch auf „Phoenix“ in deutlich massentauglicherer Musik aus. Eingängig ist diese Musik auf jeden Fall. Vielleicht nicht besonders spannend, doch es klingt zumindest gut. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Parallel Worlds / Vortex / Déyà



Samstag, 19. Juni 2021

Styx – Crash Of The Crown

 



Styx – Crash Of The Crown


Besetzung:

Tommy Shaw – acoustic and electric guitars, mandolin, banjo, and vocals
James Young – electric guitar, vocals
Chuck Panozzo – bass guitar
Todd Sucherman – drums and percussion
Lawrence Gowan – piano, b3 organ, synthesizers, mellotron, and vocals
Ricky Phillips – bass guitar
Will Evankovich – acoustic and electric guitars, mandolin, synthesizers, soundscapes, percussion, and vocals


Gastmusiker:

Michael Bahan – tablas on “Coming Out The Other Side”
Steve Patrick – piccolo trumpet on “Our Wonderful Lives”




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Rock


Trackliste:

1. The Fight Of Our Lives (1:54)
2. A Monster (3:27)
3. Reveries (3:03)
4. Hold Back The Darkness (3:58)
5. Save Us From Ourselves (3:02)
6. Crash Of The Crown (3:46)
7. Our Wonderful Lives (3:06) 
8. Common Ground (4:00)
9. Sound The Alarm (3:25)
10. Long Live The King (2:33)
11. Lost At Sea (0:38)
12. Coming Out The Other Side (3:48)
13. To Those (3:01)
14. Another Farewell (0:26)
15. Stream (2:56)

Gesamtspieldauer: 43:10



Im Jahr 2017 erschien mit „The Mission“ das erste neue Studioalbum der US-amerikanischen Rock Band Styx seit vierzehn Jahren. Es war als Konzeptalbum angelegt und erzählt die Geschichte einer Marsexpedition im Jahr 2033. Ganz so lange wollten die Musiker ihre Fans nun nicht mehr warten lassen und so erscheint nun am 18. Juni 2021 das bereits siebzehnte Studioalbum der Band mit dem Titel „Crash Of The Crown“.

Auch bei ihrem neuesten Werk handelt es sich um ein Konzeptalbum. Dieses Mal befassen sich die Texte mit der Geschichte der Menschheit über viele Jahrhunderte hinweg. Vom Mittelalter bis zur Neuzeit werden Ereignisse aufgegriffen, Untergänge und das Wiederauferstehen werden besungen und musikalisch umgesetzt. Da lohnt auch ein genauerer Blick auf die Texte. Doch noch interessanter dürfte dabei natürlich für Viele sein, ob man „Crash Of The Crown“ beim Hören auch als das erkennt, was es ist, nämlich ein Styx-Album.

Man erkennt es! Eingängige, rockige Melodiebögen, wie man sie von Styx kennt und das Markenzeichen der Band, dieser mehrstimmige Gesang, all das gibt es auch auf „Crash Of The Crown“ wieder zu hören. Der mehrstimmige und fein abgestimmte Gesang ist allgegenwärtig auf diesem Album. Schön, denn man fühlt sich an längst vergangene Tage und frühere Alben erinnert. Doch Styx halten mit dem Titeltrack noch etwas ganz Besonderes für die Hörerinnen und Hörer parat. Es ist das erste Lied der Band, bei dem drei Sänger in abwechselnder Reihenfolge zu hören sind. James Young, Tommy Shaw und Lawrence Gowan übergeben sich hier quasi das Mikrophon und am Ende hat man ein Lied gehört, welches mich phasenweise sogar etwas an Queen erinnert.

Musikalisch ist „Crash Of The Crown“ ein Rockalbum geworden. Zwar kann man bei den flirrenden ersten Takten des Albums zunächst auf die Idee kommen, dass sich Styx ihrer Wurzeln im Progressive Rock besinnen würden, doch dem ist nicht so. Die Musik auf „Crash Of The Crown“ klingt meist geradlinig rockig und bewegt sich dabei durchaus auch mal im Mainstream dieses Genres. Doch die Melodien überzeugen und mit jedem weiteren Durchlauf wachsen sie noch. Da macht das Zuhören Spaß, wenn Styx mit diesem Album auch nicht die Musik neu erfinden, so fügen sie dennoch eine weitere gute Scheibe ihrem Plattenkatalog hinzu. Und wenn ich dann solch ein Lied wie „Hold Back The Darkness“ höre, dann fühle ich mich erst recht wieder an längst vergangene Styx-Alben und Tage erinnert.

Fazit: „Crash Of The Crown“ ist ein gutes Album geworden. Man hört sofort, dass es sich bei der Musik um Styx handelt. Die Lieder sind eingängig und wachsen mit jedem weiteren Durchlauf nochmals. Zwar kein Progressive Rock mehr wie zu Beginn ihrer Karriere, doch gut gemachter Rock, der zum Mitwippen einlädt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Hold Back The Darkness, Save Us From Ourselves, Crash Of The Crown



Freitag, 18. Juni 2021

Evolfo – Site Out Of Mind

 



Evolfo – Site Out Of Mind


Besetzung:

Matthew Gibbs – guitar, vocals
Rafferty Swink – keyboards, guitar, lap steel, vocals
Ben Adams – guitar, trombone, vocals
Ronnie Lanzilotta – bass
Dave Palazola – drums
Jared Yee – saxophone, sound manipulation
Kai Sorensen – trumpet, vocals


Gastmusiker:

Caren Quast – visual guidance
Aaron Olsen – mandolin on “Give Me Time”
Alex Weill – violin 1
Christiana Liberis – violin 2
Paul Blackwell – microphone wizardry




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Give Me Time (4:48)
2. Strange Lights (3:31)
3. Zuma Loop (3:24)
4. Blossom In Void (3:34)
5. Drying Out Your Eyes (3:51)
6. In Time Pt. 1 (3:27)
7. In Time Pt. 2 & Pt. 3 (4:26)
8. Let Go (4:21)
9. Broken Hills (2:46)
10. Orion’s Belt (2:05)
11. White Foam (2:34)

Gesamtspieldauer: 38:52



Evolfo, das ist eine siebenköpfige US-amerikanische Band aus Brooklyn, New York, deren zweites Studioalbum mit dem Titel „Site Out Of Mind“ am 18. Juni auf dem Plattenlabel Royal Potato Family erscheint. Darauf zu hören ist Psychedelic Rock angelehnt an die Musik desselben Genres aus den 60er und 70er Jahren. Ohne dabei altbacken oder überholt zu klingen, transportieren die Musiker die Atmosphäre jener Zeit in die Zwanziger Jahre des 21. Jahrhunderts. Die Lieder entwickeln die Musiker gemeinsam ohne, dass es bei Evolfo einen „Hauptsongschreiber“ geben würde.

Die einzelnen Stücke auf „Site Out Of Mind“ erinnern mal an Space Rock erinnern, dann wieder scheint ein Titel von einem psychedelischen Drogentrip inspiriert zu sein und schließlich glaubt man einem experimentellen Jam zu lauschen. Das klingt jederzeit spannend, denn immer wieder testen Evolfo Grenzen aus, tauchen dabei nicht nur musikalisch in die Welt des Psychedelic Rocks ein, sondern drehen auch textlich dieses Rad. Evolfo entwickeln durch den verfremdeten Einsatz von Blasinstrumenten und Streichern den Sound der damaligen Zeit immer weiter, bis dieser modern und aktuell klingend aus den Boxen zu strömen scheint.

An unterschiedlichen Stellen auf dem Album fühle ich mich an unterschiedliche Bands erinnert, ohne dabei das Gefühl zu haben, hier einer Kopie zu lauschen. Da erklingen mal Hawkwind, die frühen Pink Floyd, David Bowie, Jefferson Airplane und selbst King Crimson scheinen sich bei „Blossom In Void“ die Ehre zu geben. Somit erfinden Evolfo die Musik nicht neu, doch alles wird in ein neues Gewand gekleidet und klingt danach sehr wohl eigenständig.

Möchte man der Band doch etwas vorwerfen dann höchstens, dass „Site Out Of Mind“ für heutige Verhältnisse mit einer Spieldauer von nicht einmal vierzig Minuten recht kurz ausgefallen ist. Doch diese Zeit hat es in sich und lohnt sich, da jeder der elf Titel auf seine Weise überzeugt und zu einem letztendlich wahrlich überzeugenden Hörerlebnis beiträgt.

Fazit: Auf dem Album „Site Out Of Mind“ der US-amerikanischen Band Evolfo hört man Psychedelic Rock, der seine Wurzeln in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat, jedoch hochaktuell klingt. Ein überraschendes Album ohne Ausfälle, spannend und abwechslungsreich. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Zuma Loop, Blossom In Void



Donnerstag, 17. Juni 2021

A-ha – Stay On These Roads

 



A-ha – Stay On These Roads


Besetzung:

Morten Harket – lead and backing vocals
Magne Furuholmen – keyboards, bass and drum programming, backing vocals
Pål Waaktaar – guitars, strings, backing vocals




Erscheinungsjahr: 1988


Stil: Pop


Trackliste:

1. Stay On These Roads (4:45)
2. The Blood That Moves The Body (4:06)
3. Touchy! (4:33)
4. This Alone Is Love (5:15)
5. Hurry Home (4:37)
6. The Living Daylights (4:47)
7. There‘s Never A Forever Thing (2:51)
8. Out Of Blue Comes Green (6:42)
9. You Are The One (3:51)
10. You‘ll End Up Crying (2:07)

Gesamtspieldauer: 43:40



„Stay On These Roads“ nannte die norwegische Band A-ha ihr drittes Studioalbum. Es wurde am 3. Mai 1988 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records veröffentlicht. Mit den Liedern „The Living Daylights“, „Stay On These Roads“, „The Blood That Moves The Body“, „Touchy!“, „You Are The One“ und schließlich There‘s Never A Forever Thing“ wurden sage und schreibe sechs Singles aus dem Album ausgekoppelt, auch wenn letztgenanntes Lied auf diese Weise lediglich in Brasilien erschien. Nicht nur dadurch wird der kommerzielle Ansatz dieses Albums offensichtlich und sogar überdeutlich.

Doch Paul Waaktaar-Savoy, Hauptsongschreiber und Texter der Band schienen die Ideen nun langsam auszugehen. Innovativ oder besonders eingängig klingt hier nämlich nichts mehr. Zwar verkaufte sich das Album wohl aufgrund des Aussehens der Musiker bei der jungen weiblichen Fangemeinde noch ganz gut, doch bei den Musikkritikern konnte es gar nicht punkten. Leider zu Recht, denn auf „Stay On These Roads“ hört man nichts Interessantes mehr, nur noch poppigen Mainstream, der musikalisch absolut nichts mehr zu bieten hat. Hielt das Debutalbum zumindest noch ein paar Ohrwürmer für die Hörerinnen und Hörer parat und klang irgendwie frisch, so sucht man diese auf diesem Album vergebens.

Auch wenn man auf der Suche nach dem musikalischem Anspruch ist, so ist das dementsprechend ebenfalls schwierig, diesen auf „Stay On These Roads“ zu entdecken – genau wie besondere Höhepunkte. Die Lieder rauschen vorbei, ohne auch nur ein paar Spuren zu hinterlassen. Belanglos und langweilig. Um an dieser Stelle doch noch ein Lied zu erwähnen sei hier die letzte Nummer des Albums „You‘ll End Up Crying“ erwähnt. Weil sie so kurz ist? Weil danach endlich Schluss ist? Nein, weil sie sich auch von der Instrumentierung her positiv vom Rest der Lieder abhebt – auch wenn die Instrumente dem Synthesizer entspringen.

Fazit: Wer auf Mainstream-Pop steht, die oder der wird auf diesem Album ganz sicherlich fündig. Ansonsten gibt es zu dieser Scheibe nicht viel zu sagen. „Stay On These Roads“ enthält keine musikalischen Höhepunkte, ist für den einfachen und unkomplizierten Musikmarkt und damit die Pop-Hitparaden der damaligen Zeit konzipiert und komponiert worden. Und heute? Heute interessiert es kaum jemanden mehr. Fünf Punkte.

Anspieltipps: You‘ll End Up Crying