Dienstag, 19. Mai 2015

Bauhaus – In The Flat Field




Bauhaus – In The Flat Field


Besetzung:

Peter Murphy – vocals, guitar
Daniel Ash – guitar, saxophone
David J – bass guitar
Kevin Haskins – drums


Label: 4AD


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Post Punk, Gothic Rock


Trackliste:

1. Double Dare (4:54)
2. In The Flat Field (5:00)
3. A God In An Alcove (4:08)
4. Dive (2:13)
5. The Spy In The Cab (4:31)
6. Small Talk Stinks (3:35)
7. St. Vitus Dance (3:31)
8. Stigmata Martyr (3:46)
9. Nerves (7:06)

Gesamtspieldauer: 38:45




Als Mitbegründer des Gothic Rock gelten Bauhaus, seitdem die Engländer „In The Flat Field“ im Jahre 1980 veröffentlicht haben – ihr erstes Album überhaupt. Interessant ist dabei auch, dass diese Platte von den britischen Musikjournalisten „geschlachtet“ wurde, bei den Fans allerdings in kürzester Zeit Kultstatus errang. Nun, wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte, was mir bei „In The Flat Field“ nur nicht ganz so eingehen will ist die Kategorisierung: „Gothic Rock“. Zumindest stehen Bauhaus nicht mit ihrem Debut-Album exemplarisch für dieses Musik-Genre. Für mich klingt das eher nach Punk beziehungsweise, wenn man so will, nach Post Punk mit einem Schuss Alternative Rock versehen.

Rein und klar und schnörkellos klingt diese Musik, ein Keyboard gibt es bei Bauhaus auf „In The Flat Field“ nur an ganz wenig ausgewählten Stellen und wird in den Credits noch nicht einmal extra erwähnt. Nicht immer klingt die Musik von Bauhaus auf ihrer ersten Platte sehr melodiös oder gar harmonisch, das ist mit Sicherheit auch nicht der Ansatz der Band. Jedoch vibriert alles bei den Engländern, die Musik ist energiegeladen und kommt ziemlich schnell auf den Punkt. Nichts lenkt vom einmal eingeschlagenen Beat ab, der wird durchgezogen, kompromisslos und absolut konsequent. Mitunter wird es dann auch mal richtiggehend psychedelisch bis experimentell, wie beim wahrlich schrägen „Stigmata Martyr“. Da kommt dann selbst bei mir nicht unbedingt Freude auf, obwohl ich exotischen Rock-Klängen eigentlich sehr zugetan bin.

Schräg klingt auch der letzte Titel „Nerves“. Aber das packt mich dann wiederum, da hier durchaus eine Melodie zu erkennen ist, die ins Ohr geht und dabei immer wieder gesteigert wird. Dazu der wahrlich ergreifende Gesang des Peter Murphy – fertig ist eines der Höhepunkte der gesamten Platte. Ein weiterer Höhepunkt findet sich im Titel „The Spy In The Cab“. Eine herrlich verschrobene und melancholische Nummer. Tolle Melodie, die sich einem zwar nicht unbedingt gleich beim ersten Hören erschließt, dann jedoch umso mehr zu wachsen scheint. Allerdings ist dieses Lied nicht ganz typisch für diese Platte, bei der dann doch eher die härteren Töne im Vordergrund stehen und nicht solch schräger Rock.

Fazit: Ein Meisterwerk stellt für mich „In The Flat Field“ sicherlich nicht dar. Obwohl es keine richtigen Ausfälle auf der Scheibe gibt, befinden sich unter den neun Titeln doch auch einige, die nicht so richtig zu zünden verstehen. Kann man sicherlich alles gut anhören und auch rocken die meisten Nummern, allerdings richtig überzeugend ist das keineswegs durchgängig. Doch ein paar Höhepinkte gibt es sicherlich, die sich auch lohnen. Ganz zum Schluss aber nochmal die Frage: Wo, an welchen Stellen soll das Gothic sein? Acht Punkte.

Anspieltipps: The Spy In The Cab, Nerves



Montag, 18. Mai 2015

The Smashing Pumpkins – Siamese Dream




The Smashing Pumpkins – Siamese Dream


Besetzung:

Billy Corgan – lead vocals, lead guitar, bass guitar, mellotron on "Spaceboy", string arrangements
James Iha – rhythm guitar, backing vocals
D'arcy Wretzky – bass guitar, backing vocals
Jimmy Chamberlin – drums


Gastmusiker:

Mike Mills – piano on "Soma"
Eric Remschneider – string arrangements and cello on "Disarm" and "Luna"
David Ragsdale – string arrangements and violin on "Disarm" and "Luna"


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Cherub Rock (4:58)
2. Quiet (3:41)
3. Today (3:19)
4. Hummer (6:57)
5. Rocket (4:06)
6. Disarm (3:17)
7. Soma (6:39)
8. Geek U.S.A. (5:13)
9. Mayonaise (5:49)
10. Spaceboy (4:28)
11. Silverfuck (8:43)
12. Sweet Sweet (1:38)
13. Luna (3:20)

Gesamtspieldauer: 1:02:16




Es hatte ganz schön gekracht bei den Smashing Pumpkins seit dem letzten und ersten Album „Gish“. Billy Corgan litt an Depressionen, Jimmy Chamberlin kam dem Heroin zu nahe und war kurz vor dem Verbrennen und James Iha sowie D'arcy Wretzky hatten sich getrennt und waren gerade auch nicht so gut drauf. Nun, manches Mal sollen solch Krisen allerdings auch hilfreich sein, neue Wege zu gehen oder noch kreativer zu werden. Nun, geht man nach der Meinung der Fangemeinde der Smashing Pumpkins, dann trifft das hier vollkommen zu. „Siamese Dream“, die zweite Smashing Pumpkins Scheibe, gilt dort häufig als das Meisterwerk der Band schlechthin – zu vergleichen nur noch mit Nirvana‘s „Nevermind“, welches zwei Jahre zuvor, 1991, erschienen war.

Nun, ganz so weit möchte ich mich nicht aus dem Fenster lehnen, obwohl „Siamese Dream“ natürlich eine tolle Scheibe geworden ist. Wer auf kraftvollen und häufig auch kompromisslosen Rock steht, die oder der dürfte hier auch sein Nirwana finden. Einige der Lieder knallen vom ersten bis zum letzten Takt durch. Andererseits gibt es allerdings auch die ruhigeren, besinnlichen Momente, während denen man dann in wunderschönen Melodien schwelgen kann. Das klingt schon alles sehr überzeugend, aber und es darf an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben, dass man zunächst jedoch einige Durchläufe der Scheibe benötigt, damit die einzelnen Titel auch wirklich ins Ziel treffen können.

Es ist die Mischung aus dieser harten Gitarrenmusik in Verbindung mit dem Gesang des Billy Corgan, die die Smashing Pumpkins unverwechselbar werden lassen. Dass die vier Musiker es auch ruhiger können, beweisen sie zum Beispiel mit „Disarm“ und hier wird die wunderschöne Melodie auch gleich mitgeliefert. Auch „Today“ geht ziemlich schnell ins Ohr, obwohl es deutlich härter eingespielt wurde. Ebenfalls sehr hörenswert: „Rocket“. Hier ist es der coole Gitarrenlauf, der einen immer wieder aufhorchen lässt. Na und wer es mal so richtig abgefahren mag, die oder der sollte sich das knapp neunminütige „Silverfuck“ reinziehen. Viel härter kann Rock nicht klingen und dazu gesellen sich auch noch ein paar schrägere Töne sowie ein ganz entspannter Mittelteil, der von Billy Corgan wohl nur deshalb mit eingebaut wurde, da jeder Mensch mal eine Pause benötigt.

Fazit: Cool ist „Siamese Dream“ geworden, da besteht überhaupt keine Frage. Wer auf harte Gitarren-lastige Musik steht, wird jede Menge Spaß an „Siamese Dream“ haben. Einige Durchläufe benötigt man zwar, dann jedoch wird alles viel vertrauter und klingt plötzlich deutlich eingängiger. So ist schließlich alles dabei. Musik zum Träumen, Musik zum Headbanging und Musik, um ungebetene Gäste schnell loszuwerden. Abwechslung pur, Rockerherz was begehrst Du mehr? Elf Punkte.

Anspieltipps: Today, Rocket, Disarm, Spaceboy



Sonntag, 17. Mai 2015

Calexico – Garden Ruin




Calexico – Garden Ruin


Besetzung:

John Convertino – drums, percussion, shakers
Joey Burns – acoustic guitar, electric guitar, vocals, piano, tambourine, cello, banjo, wurlitzer, casio flute, glockenspiel, shaker, bass, backup vocals, vibes, bass melodica, organ, accordion


Gastmusiker:

Volker Zander – electric bass, vibes
Martin Wenk – glockenspiel, trumpet, wurlitzer, nashville tuning guitar, electric guitar, banjo, noise
Jacob Valenzuela – trumpet
JD Foster – nashville tuning guitar, horn arrangement, electric guitar, banjo ukulele, mando bird, electric bass, sleigh bells, backup vocals, fender rhodes bass
Rob Burger – hammond b3 organ
Paul Niehaus – pedal steel, electric guitar, baritone guitar
Nelzimar Neves – cello
Dan Coleman – cello arrangement
Naim Amor – electric guitar
Jelle Kuiper – shakers, thunder drum
Nick Luca – hammond b3 organ, electric jazz guitar, reverse wurlitzer
Eldys Isak Vega – piano
Roberto Mendoza – sound effects
Amparo Sanchez – vocals


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Independent Rock, Alternative


Trackliste:

1. Cruel (3:59)
2. Yours And Mine (2:30)
3. Bisbee Blue (2:48)
4. Panic Open String (4:09)
5. Letter To Bowie Knife (3:06)
6. Roka (3:42)
7. Lucky Dime (2:33)
8. Smash (3:45)
9. Deep Down (4:31)
10. Nom De Plume (3:19)
11. All Systems Red (6:09)

Gesamtspieldauer: 40:35




Nichts ist es mehr mit TexMex-Musik auf der sechsten Calexico Platte mit dem Titel „Garden Ruin“. Im Jahr 2006 wurde das Album veröffentlicht und beinhaltet schon einen ganz immensen Stilbruch im musikalischen Wirken der beiden Texaner John Convertino und Joey Burns. Keine Instrumentalsongs mehr und auch kaum mehr mexikanische Töne sind auf „Garden Ruin“ zu hören. Stattdessen bekommt der geneigte Hörer nun meist ruhige und sehr unaufdringliche, häufig akustische Musik serviert.

Alles klingt sehr melodiös und harmonisch eingängig, meist wird Englisch gesungen. Am ehesten klingen Calexico noch wie auf den vorherigen Alben beim Stück „Roka“. Hier wurde mit Amparo Sanchez auch gleich eine mexikanische Sängerin mit eingebunden. Aber auch Französisch beherrscht Joey Burns sehr gut, wie man beim tollen und irgendwie ein wenig mystisch klingenden „Nom De Plum“ hören kann. Sicherlich ein Höhepunkt des Albums.

Einen solchen findet man auch gleich zu Beginn. „Cruel“ macht Laune. Eine richtig schöne Nummer mit Ohrwurmcharakter. Im Mid-Tempo gehalten klingt das Lied sehr sehnsüchtig und hier kommen jetzt auch mal ganz zart, die früher obligatorischen Trompeten zum Einsatz. Ebenfalls sehr überzeugend ist der letzte Titel des Albums geworden. „All Systems Red“ klingt zunächst unglaublich sanft und zerbrechlich, steigert sich dann im weiteren Verlauf immer mehr und gewinnt dadurch auch an Intensität. Eine gewisse Monotonie ist dem Titel auch nicht abzusprechen, was wiederum bei lautem Hören eine Art hypnotischen Effekt hervorzurufen scheint. Drogen braucht hierzu echt niemand. Dazu gesellen sich einige schräge Töne und man taucht ein, in das exakte Gegenteil der restlichen zehn Lieder. Jetzt wird es laut und fordernd und schräg und stellt einen würdigen, wenn auch unerwarteten Ausklang dieser Platte dar.

Fazit: Der Aufschrei war groß bei vielen Calexico-Fans, als sie zum ersten Mal „Garden Ruin“ hörten: Das ist doch jetzt eine ganz andere Band! Stimmt schon ein wenig, aber das Ergebnis kann sich durchaus sehen beziehungsweise hören lassen. Einige Höhepunkte gibt es auf der Scheibe zu erlauschen, Ausfälle gar keine. Alles hat seine Qualität und wirkt. Ein unaufdringliches und relaxtes Album stellt „Garden Ruin“ dar. Wer auf harmonischen, aber nie langweiligen Alternative Rock steht, der wird mit dieser Scheiben garantiert jede Menge Spaß haben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Cruel, Nom De Plume, All Systems Red



Samstag, 16. Mai 2015

The Sensational Alex Harvey Band – All Sensations




The Sensational Alex Harvey Band – All Sensations


Besetzung:

Alex Harvey – lead vocals, guitar
Zal Cleminson – guitar
Chris Glen – bass guitar
Hugh McKenna – keyboards, synthesizer
Ted McKenna – drums


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Rock


Trackliste:

1. Midnight Moses (4:23)
2. Action Strasse (3:13)
3. Delilah (5:11)
4. St. Anthony (4:40)
5. Sergeant Fury (3:31)
6. Next (4:03)
7. Give My Compliments To The Chef (5:33)
8. The Last Of The Teenage Idols (5:08)
9. Gang Bang (4:46)
10. Framed (4:56)
11. I Just Want To Make Love To You (6:37)
12. The Faith Healer (7:11)
13. Vambo Marble Eye (4:18)
14. Anthem (7:49)

Gesamtspieldauer: 1:11:26




Die erste Frage lautet: „Braucht man „All Sensations“ von der Sensational Alex Harvey Band, wenn man schon alle Platten dieser Band besitzt?“ Die Antwort lautet: „Definitiv nein!“ Die zweite Frage lautet: „Warum hast Du dann dieses „Best Of-Album“ was garantiert kein „Best Of Album ist?“ Die Antwort lautet: „Ich war jung und brauchte das Geld für was anderes.“

Okay, das stimmt jetzt nicht ganz, jung war ich zwar, der Grund für den Kauf dieser Kompilation war jedoch, dass ich damals noch nicht genau wusste, ob es diese Band wirklich „wert“ wäre, damals noch einige Mark in sie zu investieren. Ich legte damals in den 90ern Platten auf und hatte einen Kumpel gefragt, ob er nicht mal Lust hätte, dazu etwas beizusteuern. Hatte er, denn jeder hat Spaß daran, dass die Leute zu seiner Lieblingsmusik tanzen… Nun, wir wechselten uns immer nach drei Liedern ab, was sehr spannend war und er legte irgendwann „Faith Healer“ der Sensational Alex Harvey Band auf. Plötzlich war ich wie hypnotisiert – vielleicht sogar noch mehr als die tanzenden Menschen da vor uns. „Hör Dir das erst mal an…“ meinte er weiter, denn er wusste, dass Blues nicht so ganz mein Ding ist und war. Also folge ich seiner Empfehlung, genau mit diesem Album hier. „All Sensations“, das kann doch nicht schlecht sein.

Nun, durch diese Platte wurde ich immerhin dazu angeregt, mehr von dieser „The Sensational Alex Harvey Band“ zu kaufen. Mission der Musikmanager also erfüllt, sie hatten mich. Allerdings haben diese Typen da trotzdem keine Ahnung von Musik. So ein Album zu veröffentlichen ohne solch grandiose Songs wie „Isobel Goudie“, „Hammer Song“ und und und… – das grenzt an Frevel.

Okay, jetzt sind wir wieder bei dem Punkt angelangt, dass jeder ganz andere Höhepunkte empfindet, andere Meinungen hat und vor allen Dingen andere musikalische Empfindungen in sich verspürt. Auf „All Sensations“ wird sehr viel Wert darauf gelegt Alex Harvey bluesig und rockig erscheinen und natürlich klingen zu lassen, der progressive Anteil fällt für mich ein wenig ab. Trotzdem gibt die Scheibe einen ganz netten Überblick über das Schaffen der Sensational Alex Harvey Band – zumindest ich wurde da zum Kauf angeregt. Aber „Isobel Goudie“ wegzulassen, wer kommt auf so eine abstruse Idee?

Fazit: „All Sensations“ gibt eine schöne Übersicht über das Schaffen der Sensational Alex Harvey Band, auch wenn es den Kern dieser Band nicht ganz genau trifft. Klar haben Alex Harvey und seine Mitstreiter nie richtigen Progressive Rock gemacht, aber zumindest waren sie manches Mal experimentell unterwegs, zumindest in sehr engen Grenzen. Wenn ich eine „Best Of CD“ von der Alex Harvey Band zusammenstellen würde, wären da auch sechs Titel dieser Platte mit dabei, jedoch würde die Scheibe fünfzehn Stücke umfassen – neun andere zusätzlich. Neun Punkte.

Anspieltipps: Delilah, Give My Compliments To The Chef, The Last Of The Teenage Idols, The Faith Healer, Anthem



Freitag, 15. Mai 2015

Tool – 10,000 Days




Tool – 10,000 Days


Besetzung:

Danny Carey – drums, tabla, percussion
Maynard James Keenan – vocals
Adam Jones – guitar, sitar
Justin Chancellor – bass guitar


Gastmusiker:

Bill McConnell – vocals on "Lipan Conjuring"
Pete Riedling – vocals of "Doctor Watson" on "Lost Keys
Camella Grace – voice of Nurse on "Lost Keys”


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Progessive Metal


Trackliste:

1. Vicarious (7:06)
2. Jambi (7:28)
3. Wings For Marie (Part 1) (6:11)
4. 10,000 Days (Wings Part 2) (11:13)
5. The Pot (6:21)
6. Lipan Conjuring (1:11)
7. Lost Keys (Blame Hofmann) (3:46)
8. Rosetta Stoned (11:11)
9. Intension (7:21)
10. Right In Two (8:55)
11. Viginti Tres (5:02)

Gesamtspieldauer: 1:15:51




Tool als sehr fleißige Band zu bezeichnen, würde den Nagel wohl nicht so richtig auf den Kopf treffen. „10,000 Days“ heißt das vierte Album der US-Amerikaner und es erschien im Jahr 2006. Es ist jedoch nicht so, dass Tool sich inzwischen aufgelöst hätten, ganz im Gegenteil, ein neues und fünftes Album wird seit Jahren angekündigt. Erschienen ist es bisher, Stand Mai 2015, jedoch noch nicht. Mal sehen, ob das noch was wird.

Nun jedoch zur Musik auf „10,000 Days“. Diese ist mit die kraftvollste und energiegeladenste Musik, die ich kenne – und das mit Abstand. Brachiale Gitarren hauen einem immer wieder die Gehirnmasse durcheinander. Polyrhythmisch und hart wird auf „10,000 Days“ größtenteils dem Progmetal gehuldigt, der intensiver kaum sein könnte. Lieder wie „Lipan Conjuring“, „Lost Keys (Blame Hofmann)“ oder „Viginti Tres“ stellen da nur Ausnahmen in Form kleiner Experimente dar, lockern das Ganze auf. Ansonsten wird größtenteils mächtig gerockt – intensiv, äußerst kompromisslos und einfach gut. Wieder einmal hat die Band dabei übrigens die Laufzeit einer CD fast vollständig ausgeschöpft, was an sich schon mal ein dickes Lob wert ist, denn man bekommt auf „10,000 Days“ jede Menge geboten, auch vom Umfang her.

Tool kreieren zwar auch tolle Melodien, jedoch sind es nicht Harmonien und Wohlklang, die bei dieser Band im Vordergrund stehen. Der Fokus liegt bei Tool ganz eindeutig auf dem Rhythmus, gepaart mit Härte. Dazu gesellt sich schließlich eine fast schon hypnotisch wirkende Redundanz, während der einzelne Akkorde und Passagen immer und immer wiederholt werden. Verpackt in einen treibenden Rhythmus, der einfach den Hörer nicht unberührt lässt, entwickelt sich hier vor dem Ohr etwas sehr Intensives. Oftmals geht die Musik dabei vom Sphärischen in das „Handfeste“ über, wie ich die krassen Riffs einmal nennen möchte. Hört man diese Musik, ist man gezwungen den Lautsprecherregler aufzudrehen – Konflikte mit Mitbewohnern und Nachbarn sind absolut vorprogrammiert. Von daher ist „10,000 Days“ wahrlich ein gefährliches Album geworden, denn diese Musik kann Meinungsverschiedenheiten durchaus initiieren.

Nicht unerwähnt bleiben darf hier natürlich das Albumcover. Die integrierte 3D-Brille ermöglicht dem Seher das Erfassen zahlreicher plastischer Strukturen, die sich im mitgelieferten Booklet befinden. Ist dieser Seher dann auch gleichzeitig noch Hörer, steht einem intensiven Sinneserlebnis im Grunde genommen nichts mehr entgegen. Sehr gespannt darf man sein, ob die Band beim nächsten Album, sollte es denn doch noch kommen, auch olfaktorische Reize für den Käufer bereit hält, um wirklich möglichst viele Sinne gleichzeitig zu bedienen. Vielleicht wäre dies auch ein Weg, um die Verkaufszahlen von CDs noch mehr anzukurbeln und unerlaubtes Herunterladen ins Leere laufen zu lassen, da bei solch „erworbener“ Musik etwas Wichtiges fehlt.

Fazit: Ein krasses Album ist „10,000 Days“ geworden. Definitiv das falsche Album für Soft Rock Fans. Ich liebe den Klang dieser Band, die Monotonie, hervorgerufen durch Wiederholungen, die manchem der Songs innewohnt und das Album so unfassbar interessant und spannend werden lässt. Die Sonne hat vorhin geschienen, die lang herbeigesehnte Frühlingssonne. Ich fuhr mit dem Auto über Land, um mich herum blühten Rapsfelder in einem wunderschönen gelb, die Wiesen waren saftig grün und der Himmel irgendwie himmelblau. Aus den Boxen quoll „10,000 Days“. Die Musik war laut und zum Teil auch aggressiv. Ich war jedoch ganz entspannt, genoss die Natur und die Musik und das Leben. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Vicarious, 10,000 Days, Right In Two



Donnerstag, 14. Mai 2015

Peter Hammill – The Silent Corner And The Empty Stage




Peter Hammill – The Silent Corner And The Empty Stage


Besetzung:

Peter Hammill – guitars, piano, bass guitar, harmonium, keyboards, vocals, mellotron, and oscillator


Gastmusiker:

Randy California – lead guitar on "Red Shift"
Hugh Banton – organ, bass, keyboards, background vocals
Guy Evans – percussion, drums
David Jackson – flute, alto, tenor and soprano saxophones


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Modern (7:28)
2. Wilhelmina (5:17)
3. The Lie (Bernini's Saint Theresa) (5:41)
4. Forsaken Gardens (6:16)
5. Red Shift (8:11)
6. Rubicon (4:41)
7. A Louse Is Not A Home (12:11)

Gesamtspieldauer: 49:47




Mit „The Silent Corner And The Empty Stage” betitelte Peter Hammill sein drittes Solo-Album, welches im Februar 1974 erschien. Wenige Monate später, nämlich bereits im Juli 1974, sollte mit „In Camera“ gleich seine vierte Solo-Scheibe folgen. Auf „The Silent Corner And The Empty Stage” zeigt sich Peter Hammill in Höchstform. Irgendwie scheint die Scheibe eine Mischung aus Solo-Ausflügen und Van Der Graaf Generator Kompositionen zu sein – in jedem Fall ist dies alles Progressive Rock in Reinkultur.

Erneut wurde Peter Hammill bei einem Solo-Projekt von den Van Der Graaf Kollegen Hugh Banton, Guy Evans sowie David Jackson unterstützt. Nicht zuletzt daher rührt sicherlich auch die musikalische Nähe zur Musik der Band Van der Graaf Generator. Die Scheibe beginnt mit „Modern“. Unfassbar gut, denn dieses Lied ist eingängig und auf seine Art und Weise doch verschroben, es ist sanft und dann doch auch wieder aggressiv. Dabei werden immer wieder volle Melodien und Sounds entwickelt, in die es einzutauchen wahrlich lohnt. Bei „Wilhelmina“ hört man Peter Hammill’s Gesang zunächst nur begleitet von einem Piano. Eine sanfte Ballade entwickelt sich, die lediglich dadurch an Rauheit gewinnt, wenn Peter Hammill seinen Gesang in eine etwas aggressivere Variante variiert. Ansonsten besticht „Wilhelmina“ durch eine wunderschöne und eingängige Melodie, die auch längerfristig hängenbleibt. Ebenfalls sehr hörenswert.

Doch genau so überzeugend geht es weiter. „The Lie (Bernini's Saint Theresa)” sowie „Forsaken Gardens“ sind Nummern, die wieder sehr deutlich in Moll gehalten sind und häufig hauptsachlich aus dem Gesang Peter Hammills in Verbindung mit dem Piano bestehen. Dabei besitzen beide Titel Melodien zum Niederknien. Dazu gesellt sich einmal mehr dieser intensive und unverwechselbare Gesang des Peter Hammill, der mal fleht, mal klagt, mal anklagt, sich freut und dann doch wieder so unendlich traurig und verzweifelt klingt – großes musikalisches Kino.

Mit „Red Shift“ und „Rubicon“ folgen anschließend die beiden am wenigsten überzeugenden Titel der Platte – zumindest für meine Ohren. Gerade bei „Red Shift“ ist zwar das Saxophon-Spiel des Peter Jackson wirklich überaus gelungen, dennoch nehmen mich diese beiden Lieder nicht ganz so mit. Im Falle von „Red Shift“ kommt auch noch dazu, dass hier ein immer wiederkehrendes Rauschen oder Gezirpe mit der Zeit einfach ein wenig nervt. Oder ob es in meinem Fall vielleicht einfach an der deutlich geringer ausgeprägten Eingängigkeit der beiden Lieder liegen mag?

Egal, der sehr überzeigende Abschluss des Albums folgt schließlich noch mit „A Louse Is Not A Home“. Eine Nummer, die nun wirklich alles in sich vereint, was den Progressive Rock ausmacht. Hier klingt Peter Hammill Solo auch deckungsgleich mit Van Der Graaf Generator. Die Nummer hätte auf jedes Album der Band gepasst ohne, dass es einem irgendwie auffallen würde, dass sie da im Grunde genommen überhaupt nicht hingehört, da eben eine Solo-Nummer. Auch bei „A Louse Is Not A Home“ wechseln sich schöne Melodien mit etwas schrägeren Abschnitten ab, gibt es sanfte Melodiebögen und die lauteren Passagen. Erneut variiert Peter Hammill perfekt seine Stimme und trägt dadurch maßgeblich mit zur entstehenden Spannung in dem Stück bei.

Fazit: Die Musik des Peter Hammill Anfang bis Mitte der 70er Jahre überzeugt einfach. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um Van Der Graaf Generator oder eben Peter Hammill Solo handelt. „The Silent Corner And The Empty Stage“ ist eine Platte´, angefüllt mit Progressive Rock, die Freunde dieses Genres Freudentränen in die Augen treiben dürfte. Lediglich zwei Titel erreichen nicht ganz die Qualität des Restes der Platte. Ansonsten macht die Scheibe jede Menge Laune und Freude auf mehr. Nun, da schien Peter Hammill seine Fans auch zu erhören, denn lediglich fünf Monate später erschien bereits das Nachfolgealbum, ebenfalls sehr überzeugend. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Modern, Wilhelmina, The Lie, Forsaken Gardens, A Louse Is Not A Home (Sorry, ich musste die jetzt alle aufschreiben)



Mittwoch, 13. Mai 2015

The Who – Odds & Sods




The Who – Odds & Sods


Besetzung:

Roger Daltrey – vocals, harmonica
John Entwistle – bass guitar, brass, vocals, lead vocals on "Postcard" and "We Close Tonight"
Keith Moon – drums, lead vocals on "Cousin Kevin Model Child", partial lead vocals on "We Close Tonight" and "Now I'm A Farmer"
Pete Townshend – guitar, piano, bass guitar, synthesizer, vocals


Gastmusiker:

Leslie West – lead guitar on "Love Ain't For Keeping"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. I'm The Face (The High Numbers) (2:29)
2. Leaving Here (2:13)
3. Baby Don't You Do It (2:28)
4. Summertime Blues (3:14)
5. Under My Thumb (2:46)
6. Mary Anne With The Shaky Hand (3:23)
7. My Way (2:28)
8. Faith In Something Bigger (3:01)
9. Glow Girl (2:26)
10. Little Billy (2:17)
11. Young Man Blues (2:44)
12. Cousin Kevin Model Child (1:26)
13. Love Ain't For Keeping (4:04)
14. Time Is Passing (3:31)
15. Pure And Easy (5:24)
16. Too Much Of Anything (4:23)
17. Long Live Rock (3:58)
18. Put The Money Down (4:31)
19. We Close Tonight (2:58)
20. Postcard (3:32)
21. Now I'm A Farmer (4:09)
22. Water (4:40)
23. Naked Eye (5:27)

Gesamtspieldauer: 1:17:41




Pete Townshend, Roger Daltrey und Keith Moon waren gerade mit dem Film zum Album „Tommy“ beschäftigt und John Entwistle nahm sich währenddessen vor, aus dem vielen unveröffentlichten Material der Who, ein Album mit Raritäten zusammenstellen. Die Band nervte es, dass so viele Bootlegs mit diesen Songs in sehr schlechter Qualität kursierten, dem sollte somit Abhilfe geschaffen werden. 1974 erschien dann schließlich „Odds & Sods“ mit insgesamt elf Titeln und John Entwistle merkte in einem Interview an, dass er locker eine Doppel-LP hätte zusammenstellen können, so viel Material sei dagewesen. Somit erschien die Platte zunächst mit folgenden elf Titeln:


Seite 1:

1. Postcard
2. Now I'm A Farmer
3. Put The Money Down
4. Little Billy
5. Too Much of Anything
6. Glow Girl

Seite 2:

1. Pure And Easy
2. Faith In Something Bigger
3. I'm The Face" (The High Numbers)
4. Naked Eye
5. Long Live Rock

1998 wurde dann diese Version des Albums überarbeitet und schließlich zusätzlich zwölf weitere Titel hinzugefügt, jene nämlich, die die mögliche Doppel-LP vervollständigt hätten. Das Ergebnis wurde schließlich als diese vorliegende CD veröffentlicht.

Zu hören gibt es auf „Odds & Sods“ eine Art geschichtlich musikalische Wanderung, durch die künstlerische Entwicklung von The Who. Die einzelnen Titel sind auch chronologisch entsprechend angeordnet. So hört man zu Beginn 60ies Pop, für den auch The Who zu Beginn ihrer Karriere standen. Klar, war die Band etwas rauer und wilder als viele britische Vergleichsbands, trotzdem wirkt das heute alles sehr harmlos und ist auch irgendwie noch keine richtige Rockmusik – englischer 60ies Pop eben. Rock gibt es dann jedoch im weiteren Verlauf der Platte zu hören, wenn Keith Moon anfängt sein Schlagzeug noch etwas mehr zu malträtieren, John Entwistle seine Bassläufe anzieht, Pete Townshend sein Windmühlengitarren-Spiel anzuwerfen scheint und auch Roger Daltrey immer mehr aus sich herausgeht. Hier wird die Scheibe jetzt auch deutlich spannender als zuvor, qualitativ schafft sie es jedoch nicht an solch musikalische Höhepunkte wie „Tommy“, „Who’s Next“ oder „Quadrophenia“ heranzureichen. Immer wieder eröffnet sich zwar ein interessantes Fenster, eine schöne Melodie umspielt das Ohr des Hörers, jedoch nicht in der Art, dass man diese zu den Höhepunkten im Schaffen von The Who zu zählen hätte. Mit einer Ausnahme, denn "Naked Eye" ist wahrlich grandios, in der Studioversion nicht so extrem wie hier unten angehängt in einer Live-Variante. Aber auch dort ein großes Lied.

Fazit: Für Who-Fans stellt „Odds & Sods“ natürlich einen unglaublichen Gewinn dar. Es wäre wahrlich schade, wenn diese Titel nie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden wären. Ob das auch jemand so sieht, der The Who nicht so gut kennt, das wage ich jetzt mal schwer zu bezweifeln. „Odds & Sods“ beinhaltet keine Ausfälle und einige schöne Momente, ist auch interessant, da man hier sehr gut die musikalische Entwicklung dieser Band nachvollziehen kann. Trotzdem finden sich auch auf dieser Platte ein paar wirklich hörenswerte Titel und zwar immer dann, wenn es mal ein wenig rockiger wird. Das Lieblingsalbum wird „Odds & Sods“ aber nur schwerlich werden – auch nicht bei The Who Fans. Wegen den späteren Titeln aber doch noch neun Punkte.

Anspieltipps: Time Is Passing, Naked Eye



Dienstag, 12. Mai 2015

Jethro Tull – Roots To Branches




Jethro Tull – Roots To Branches


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, concert flute, bamboo flute, acoustic guitar
Martin Barre – electric guitars
Andrew Giddings – keyboards
Doane Perry – drums and percussion
Dave Pegg – bass guitar


Gastmusiker:

Steve Bailey – bass guitar


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Rock


Trackliste:

1. Roots To Branches (5:13)
2. Rare And Precious Chain (3:35)
3. Out Of The Noise (3:25)
4. This Free Will (4:05)
5. Valley (6:08)
6. Dangerous Veils (5:35)
7. Beside Myself (5:50)
8. Wounded, Old And Treacherous (7:50)
9. At Last, Forever (7:55)
10. Stuck In The August Rain (4:06)
11. Another Harry's Bar (6:22)

Gesamtspieldauer: 1:00:06


Ihr neunzehntes Studioalbum nannten die Musiker von Jethro Tull „Roots To Branches“. Oder hat das Ian Anderson alleine bestimmt? Egal, die Scheibe erschien im Jahr 1995 und wieder einmal hatte es Änderungen im Line-Up der Band gegeben. Anscheinend verließ Bassist Dave Pegg noch während der Aufnahmen Jethro Tull, denn er ist an seinem Instrument nur noch bei den Titeln 3, 5 und 11 zu hören. Bei den restlichen Nummern darf sich Steve Bailey am Bass verwirklichen. Hinzu kommt nun auch noch der Keyboarder Andrew Giddings. Dieses Instrument war auf dem Vorgängeralbum „Catfish Rising“ noch von Ian Anderson höchst persönlich eingespielt worden.

Jedoch nicht nur die Besetzung hatte sich etwas geändert, auch der Sound war ein klein wenig anders geworden. Indische und orientalische Klänge haben Einzug gehalten in die Musik von Jethro Tull, die dadurch hier auf „Roots To Branches“ sehr abwechslungsreich klingt. Zwar sind diese östlichen Anleihen mehr in den ersten Titeln vertreten, jedoch auch – in geringerer Präsenz – auf den späteren Liedern zu vernehmen. Überhaupt, die musikalische Bandbreite. Auf diesem zwanzigsten Jethro Tull Album hört man Rock Musik, welche Elemente des Hard Rock enthält, genau wie Passagen mit progressiver Rockmusik, die manchmal sogar ganz kurz ins jazzige Milieu abdriften, ohne diese Ausflüge jedoch allzu sehr zu vertiefen. Auch in Bezug auf Tempo und Rhythmus lässt sich viel Unterschiedliches auf „Roots To Branches“ erhören. Da gibt einmal mehr die typischen sanften und ruhigen Jethro Tull Balladen, genauso wie die ins Genre des Hard Rock reichenden, treibenden Stücke. Die Flöte des Ian Anderson ist dabei auf diesem Album omnipräsent, wobei er dieses Mal seine Querflöte ab und an durch eine Bambus-Querflöte ersetzt, welches den asiatischen Touch manches Mal noch zusätzlich unterstreicht.

Viele schöne Melodien kann man auf „Roots To Branches“ hören, wobei die einzelnen Favoriten natürlich wieder ganz am Geschmack des Hörers liegen. Sehr hörenswert sind für mich auf jeden Fall der Titeltrack und gleichzeitig die Eröffnung des Albums. Die Nummer „Roots To Branches“ beginnt mit einer Flötenmelodie sehr orientalisch und klingt dann irgendwie geheimnisvoll, wird im weiteren Verlauf jedoch auch wieder rockiger. Wirklich spannend. „Valley“, eine eher ruhige Nummer, lebt ebenfalls von seiner Stimmung, die ich als herrlich entspannt wahrnehme. „Beside Myself“ ist eine wunderschöne Ballade im Jethro Tull Stil, wohingegen die beiden längsten Lieder auf „Roots To Branches“, „Wounded, Old And Treacherous“ sowie „At Last, Forever“, am ehesten dem Genre des Progressive Rock entsprechen – dies allerdings nicht wegen ihrer jeweiligen Spieldauer von über sieben Minuten. Beide Titel beinhalten viel Abwechslungsreichtum in sich und man hört durchaus auch mal einen „schrägeren“ Ton. Und auch die letzte Nummer der Platte kann überzeugen. Auf „Another Harry's Bar“ klingen Jethro Tull jetzt wieder sehr wie die Dire Straits und das ist keinesfalls negativ gemeint. Schöne und eingängige Melodie und sehr relaxte Grundstimmung.

Fazit: Nun, ich habe gerade festgestellt, dass ich über die Hälfte der Titel für sehr gelungen empfinde und diese im letzten Absatz als meine Höhepunkte Absatz aufgezählt habe. Da ich auch keinen Ausfall unter den restlichen fünf Titeln ausmachen kann, bleibt mir also festzustellen, dass „Roots To Branches“ eine sehr gelungene Scheibe geworden ist. Sicherlich nicht die beste von Jethro Tull, jedoch die beste Platte im Spätwerk der Band. Wer den Sound von Jethro Tull mag, auf eingängige Rock Musik steht, die auch mal härter sein kann, dann auch wieder ein wenig komplexer und auch komplizierter, den Einsatz auch anderer Instrumente in der Rock Musik durchaus zu schätzen weiß, die oder der wird jede Meine Spaß mit „Roots To Branches“ haben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Beside Myself, At Last Forever, Another Harry's Bar




Montag, 11. Mai 2015

Freddie Mercury – Mr. Bad Guy




Freddie Mercury – Mr. Bad Guy


Besetzung:

Freddie Mercury – vocals, piano, synthesizer


Gastmusiker:

Fred Mandel – additional piano, synthesizer, guitar
Paul Vincent – lead guitar
Curt Cress – drums
Stephan Wissnet – bass guitar
Jo Burt – fretless bass on "Man Made Paradise"
Rainer Pietsch – arrangement for "Mr. Bad Guy"
Mack and Stephan Wissnet –fairlight cmi, drum programming


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Let's Turn It On (3:42)
2. Made in Heaven (4:05)
3. I Was Born To Love You (3:38)
4. Foolin' Around (3:29)
5. Your Kind Of Lover (3:32)
6. Mr. Bad Guy (4:09)
7. Man Made Paradise (4:08)
8. There Must Be More To Life Than This (3:00)
9. Living On My Own (3:23)
10. My Love Is Dangerous (3:42)
11. Love Me Like There's No Tomorrow (3:46)

Gesamtspieldauer: 40:41




Freddie Mercury wollte mal was anderes machen, unabhängig von Queen. Es sollte poppiger werden und sich von Queen deutlich unterscheiden. Da die Arbeit mit Queen jedoch auch viel Zeit in Anspruch nahm, benötigte Freddie Mercury insgesamt ganze zwei Jahre, bis er alles zu seinem ersten Solo-Album zusammen hatte und die Aufnahmen getätigt waren. Im April 1985 wurde „Mr. Bad Guy“ dann endlich veröffentlicht.

Nun „Mr. Bad Guy“ klingt stilistisch oftmals auch ganz anders als Queen. Man ordnet die Scheibe allerdings irgendwie trotzdem gefühlsmäßig Queen zu, was oft einzig und allein am Gesang des Freddie Mercury liegt. Ansonsten verlangt Freddie Mercury hier einiges seinen Hörern ab, wenn es denn allzu sehr in die Richtung Disco-Musik geht, dann ist das schon sehr gewöhnungsbedürftig. „Let’s Turn It On“ und „I Was Born To Love You“ sind für mich wahrlich sehr schwer verdauliche Kost. „Foolin‘ Around“ ist dabei auch nicht viel besser. Und wo wir gerade dabei sind. „Your Kind Of Lover“ beginnt wie ein typischer Queen-Song und geht dann leider auch in so eine Disko-Pampe über.

Dass Freddie Mercury es allerdings auch besser kann, viel besser sogar, das beweist er auf „Mr. Bad Guy“ mit dem Titellied. Mit einem ganzen Orchester instrumentiert, entwickelt sich hier so ein kraftvolles und wunderschön melodisches Lied, welches einem bereits nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Ohr geht. Wahrlich sehr gelungen. Nicht mehr ganz so überzeugend wie das Titellied, jedoch auch noch sehr gelungen, ist „Living On My Own“. Zwar ebenfalls eine Disko-Nummer, dieses Mal allerdings mit einer lohnenswerten Melodie ausgestattet. Vor allem der Refrain entwickelt sich hier ebenfalls zum Ohrwurm. „I Was Born To Love You“ und „Made In Heaven“ dürften vielen Queen-Fans übrigens auch deshalb bekannt vorkommen, da die beiden Titel auf der letzten, posthum erschienenen Queen-Platte „Made In Heaven“ vertreten sind.

Ebenfalls noch sehr gelungen und wirklich nach Queen klingend ist die Nummer „There Must Be More To Life Than This“. Dieser Titel war eigentlich als Duett zusammen mit Michael Jackson angedacht. Das Lied wurde dann jedoch doch nur von Freddie Mercury alleine eingesunken, da er sich angeblich nicht wohl bei dem Gedanken fühlte, zusammen mit dem Schimpansen des Michael Jackson, der diesen damals immer begleitete, im Studio zu stehen und diese Aufnahme zu machen.

Fazit: Ein paar Höhepunkte hat „Mr. Bad Guy“ durchaus. Jedoch auch eine ganze Menge eher „komisches“ Zeugs, welches man in Zusammenhang mit Freddie Mercury eigentlich gar nicht hören möchte. So ist die Scheibe immer dann am Überzeugendsten, wenn sie deutlich weniger nach Disko klingt. Das Titellied selbst kann man durchaus mit unter den zwanzig besten Mercury-Songs einreihen. Der Höhepunkt der Platte, die ansonsten immer mal wieder, jedoch keineswegs durchgängig Spaß macht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Mr. Bad Guy



Sonntag, 10. Mai 2015

Visage – Visage




Visage – Visage


Besetzung:

Steve Strange – lead vocals
Midge Ure – guitar, synthesizer, backing vocals
John McGeoch – guitar, saxophone, backing vocals
Dave Formula – synthesizer
Billy Currie – electric violin, synthesizer
Rusty Egan – drums, electronic percussion, backing vocals
Debbie McGee – magician's assistance


Gastmusiker:

Barry Adamson – bass guitar on "Visage", "Blocks On Blocks" and "Tar"
Chris Payne – synthesizer and composing credits on "Fade To Grey"
Cedric Sharpley – drums, electronic drums programming on "Fade To Grey"
Brigitte Arens – voice on "Fade To Grey"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Pop, New Wave, Synthie Pop


Trackliste:

1. Visage (3:53)
2. Blocks On Blocks (4:00)
3. The Dancer (3:40)
4. Tar (3:32)
5. Fade To Grey (4:02)
6. Malpaso Man (4:14)
7. Mind Of A Toy (4:28)
8. Moon Over Moscow (4:00)
9. Visa-age (4:20)
10. The Steps (3:14)

Gesamtspieldauer: 38:27




Am zwölften Februar dieses Jahres verstarb Stephen John Harrington, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Steve Strange, in Sharm el-Sheikh, Ägypten, an den Folgen eines Herzinfarktes. Dieser Steve Strange, galt in England jahrelang als das Paradebeispiel eines gefallenen Künstlers, da er 1999 beim Kaufhausdiebstahl erwischt wurde, als er eine Teletubby-Figur für seinen Neffen zu klauen versuchte und prompt dabei erwischt wurde. In den letzten Jahren hatte sich sein Leben dann wieder etwas stabilisiert und fand jetzt doch ein überraschendes Ende mit lediglich 55 Jahren.

Um die 35 Jahre zuvor war er der Kopf der New Wave Band Visage gewesen, die mit ihrem selbstbetitelten Debut-Album für sehr viel Aussehen sorgte und dabei auch in Deutschland mit der Single-Auskopplung „Fade To Grey“ einen Nummer 1 Hit landen konnte. Jeder der gitarren-orientierte Musik mag, wird mich jetzt steinigen wollen, aber ich finde das Album durchaus gelungen. Gitarren hört man darauf wirklich wenige, alles klingt synthetisch und so balanciert die Musik auch irgendwo im Grenzbereich zwischen New Wave und Synthie-Pop auf sehr schmalem Grat.

Jedoch beweisen die Musiker von Visage ganz eindeutig, dass sie das Gespür für die eingängige Melodie besitzen. Das mag bei manchem Titel, gerade durch die Instrumentierung, etwas sehr oberflächlich klingen, bestes Beispiel hierfür ist die Instrumentalnummer „Moon Over Moscow“, bei vielen anderen scheint es dann jedoch wieder genau so zu passen und einfach so zu gehören. Somit hört man auf Visage sehr technischen Pop bis New Wave, der über fast alle Lieder hinweg ins Ohr geht und dabei auch manchen Ohrwurm für den Hörer breitstellt.

Fazit: Wer den Sound der 80er Jahre mag, die oder der wird diese Scheibe lieben. Sehr synthetischer Sound, viele tolle Ideen und schöne Melodien, die hängenbleiben im Ohr. Für Rock-Fans oder Verfechter von akustischen Instrumenten ist diese Platte definitiv nicht geeignet. Mir gefällt allerdings was ich da höre, obwohl ich auch nicht gerade ein Fan des Synthie-Pop bin. Oder ist das alles nur Nostalgie? Zehn Punkte.

Anspieltipps: Fade To Grey, Mind Of A Toy



Samstag, 9. Mai 2015

Icehouse – Primitive Man




Icehouse – Primitive Man


Besetzung:

Iva Davies – vocals, guitar, sequential circuits prophet-5, bass guitar, linn drum machine


Gastmusiker:

Keith Forsey – additional percussion


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop, Rock, Synthie Pop


Trackliste:

1. Uniform (4:15)
2. Street Cafe (4:13)
3. Hey, Little Girl (4:25)
4. Glam (3:27)
5. Great Southern Land (5:19)
6. Trojan Blue (5:03)
7. Love In Motion (4:02)
8. Mysterious Thing (4:26)
9. One By One (4:03)
10. Goodnight, Mr. Matthews (4:00)

Gesamtspieldauer: 42:45




Kaum zu glauben, denn wenn man an die australische Band Icehouse denkt, dann macht man genau das, nämlich an eine Band denken. Das war Icehouse jedoch zu dieser Zeit nur auf der Bühne, denn im Studio bestand Icehouse aus lediglich einer Person und das war und ist Iva Davies, der auf dem zweiten Icehouse-Album, welches im Jahr 1982 erschien, tatsächlich alle Instrumente selbst einspielte. Okay, bei der Perkussion ließ er sich dann noch vom Co-Produzenten Keith Forsey unterstützen, das war es dann allerdings auch schon.

Zu hören bekommt man auf „Primitive Man“ sehr eingängigen Pop geboten, der manches Mal ein wenig in die Richtung Rock ausschlägt, allerdings auch dem Genre des Synthie Pop nicht immer ganz fern bleibt. Alle einzelnen zehn Stücke der ursprünglichen Ausgabe (die Wiederveröffentlichungen sind mit zahlreichen Bonus-Tracks ausgestattet worden) sind dabei durchaus melodisch und eingängig gehalten und können sich wie im Falle des rockigen „Street Cafe“ und dem poppigen „Hey, Little Girl“ sofort im Ohr des Hörers festsetzen. Gerade letztgenanntes Lied besitzt dabei durchaus einen sehr überzeugenden Wiedererkennungswert, ist ein Ohrwurm, keine Frage.

Icehouse oder besser gesagt Iva Davies klingt immer dann am besten, wenn er den Sound von ihm nicht zu sehr in die synthetische Ecke abdriftet. Zu viel Synthie-Pop passt einfach nicht zu den durchaus gelungenen Melodien, die der Australier zu entwickeln versteht. Immer wenn es rockiger wird, wenn die akustischen Instrumente ein wenig die Oberhand zu gewinnen scheinen, dann wirkt diese Musik einfach besser und kann auch heute noch, nach 33 Jahren überzeugen – allerdings keineswegs der Synthie-Pop.

Fazit: Eine Platte mit einigen Höhen und ein paar Tiefen ist „Primitive Man“ von Icehouse geworden. Zwei wirklich gelungene Lieder gibt es auf dem Album zu hören, der Rest ist typische 80er Jahre Musik, bei der mitunter dem Synthesizer manchmal zu viel Spielraum eingeräumt wurde. Trotzdem sind die meisten Titel auf „Primitive Man“, auch im nicht mehr ganz jungen 21. Jahrhundert, durchaus noch hörbar. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Street Cafe, Hey Little Girl



Freitag, 8. Mai 2015

Porcupine Tree – Recordings




Porcupine Tree – Recordings


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, piano
Richard Barbieri – analogue synthesizers, hammond organ, mellotron
Colin Edwin – bass guitar
Chris Maitland – drums, percussion


Label: Snapper Music


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Progressive Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Buying New Soul (10:25)
2. Access Denied (3:34)
3. Cure For Optimism (6:12)
4. Untitled (8:50)
5. Disappear (3:42)
6. Ambulance Chasing (6:28)
7. In Formaldehyde (5:21)
8. Even Less (14:08)
9. Oceans Have No Memory (3:09)

Gesamtspieldauer: 1:01:52




Kaum zu glauben, aber „Recordings” aus dem Jahr 2001, ist kein offizielles Porcupine Tree Album. Nach „Lightbulb Sun“ erschienen, enthält es B-Seiten sowie unveröffentlichtes Material. Nun, die Scheibe klingt in sich gewachsen und wenn man von den Gegebenheiten der Lied-Zusammenstellung nichts wüsste, dann würde man das auch niemals vermuten, dass es sich hierbei quasi um eine „Resteverwertung“ handelt.

Die einzelnen Titel sind alle ziemlich sanft und ruhig gehalten. Auch gibt es sehr sphärische Nummern, die auf die Anfänge der Band verweisen. Die einzelnen Titel sind dabei immer eingängig und wer Porcupine Tree von den späteren Alben her kennt und dort deren Härte mag, die oder der wird hier ganz eindeutig etwas vermissen. Metal oder Hard Rock gibt es auf „Recordings“ nämlich nicht. Zwar hört man auch hier längere und kraftvolle Gitarrensoli, wie zum Beispiel beim instrumentalen „Ambulance Chasing“, jedoch von Metal kann man hier garantiert noch nicht sprechen.

Die einzelnen Titel wirken alle. Zwar ist das kein zweites „Lightbulb Sun“, bis dorthin reicht die Qualität der einzelnen Lieder dann doch nicht ganz, allerdings lohnt es sich durchaus in diesen musikalischen Kosmos einzutauchen, der mal progressiv, dann wieder psychedelisch, dann sphärisch und schließlich wieder ganz einfach rockig klingt. Das bekannteste Lied auf „Recordoings“ dürfte die lange Version von „Even Less“ sein, aus dem Album „Stupid Dream“. Auch diese Version überzeugt und so bleibt sehr viel Hörgenuss beim Konsumenten dieser Scheibe hängen.

Fazit: Durchaus überzeugend diese B-Seiten-Sammlung und musikalische Resteverwertung. „Recordings“ macht viel Spaß, wenn man die Musik der Band in den Zeiten um und vor „Lightbulb Sun“ mag. Dann kann man hier nichts falsch machen. Wer auf guten gemachten Rock steht, der auch mal sphärischer klingen darf, wird hier sicherlich auch fündig werden. Gute Scheibe. Elf Punkte.

Anspieltipps: Buying New Soul, In Formaldehyde, Even Less



Donnerstag, 7. Mai 2015

King Crimson – The Power To Believe




King Crimson – The Power To Believe


Besetzung:

Robert Fripp – guitar
Adrian Belew – guitar, vocals
Trey Gunn – warr guitars, fretless warr guitar
Pat Mastelotto – drums, electronic percussion


Label: Sanctuary Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Power To Believe I: A Capella (0:44)
2. Level Five (7:18)
3. Eyes Wide Open (4:09)
4. Elektrik (8:00)
5. Facts Of Life (Intro) (1:39)
6. Facts Of Life (5:06)
7. The Power To Believe II (7:44)
8. Dangerous Curves (6:43)
9. Happy With What You Have To Be Happy (3:18)
10. The Power To Believe III (4:09)
11. The Power To Believe IV: Coda (2:29)

Gesamtspieldauer: 51:17




„The Power To Believe” betitelten die vier Musiker von King Crimson ihr dreizehntes Studio-Album, welches im Jahr 2003 veröffentlicht wurde. Und wie es aussieht, war dieser inzwischen dreizehnte, zugleich auch ihr letzter Streich, denn in den bisher nachfolgenden zwölf Jahren hat sich nichts mehr getan – zumindest wurde kein weiteres Studioalbum mehr veröffentlicht. Dafür gibt es allerdings viele Wiederveröffentlichungen und auch Live-Alben sowie DVDs, im Studio war die Band jedoch nicht mehr.

„The Power To Believe” beinhaltet Musik, die ganz im Gewand der beiden Vorgänger gehalten ist. Es gibt hier wunderschöne Melodien, jedoch auch sehr verstörende Abschnitte zu entdecken. Oftmals bekommt der Hörer sehr schwere Gitarren präsentiert, da kann man dann durchaus auch von Metal sprechen. Andererseits erhört man auf der Scheibe auch sphärische Abschnitte und sogar an Gamelan-Musik angelehnte Titel, wie die Nummer „The Power To Believe II“. Zudem beinhaltet „The Power To Believe” auch Instrumentalnummern wie „Dangerous Curves“. Ein Titel, der immer stärker anschwillt, mächtiger und bedrohlicher zu werden scheint, dabei groovt und seine Stärke aus der auch vorhandenen Monotonie zieht. Wahrlich beeindruckend.

Einen weiteren Instrumentaltitel stellt „Elektrik“ dar. Hier klingen die vier Musiker mitunter herrlich schräg und die Nummer lässt Reminiszenzen zum Album „Discipline“ und den King Crimson der 80er Jahre aufkommen. „Eyes Wide Open“ wiederum ist ein, für King Crismon Verhältnisse, fast schon „normales“ Lied. Eine schöne und sanfte Gitarrennummer, die ziemlich schnell ins Ohr geht. Überhaupt die Gitarre, sie steht auf „The Power To Believe” absolut im Vordergrund, der Synthesizer wird hauptsächlich der Fülle wegen eingesetzt, hält sich vornehmlich im Hintergrund auf.

Fazit: Es ist ganz klar die Mannigfaltig der Musik, die dieses Album zu etwas Besonderem werden lässt. Es mag zugegebenermaßen mitunter anstrengend sein, der Band immer und bei jedem „Ausflug“ zu folgen, doch es lohnt sich. Wunderschöne eingängige, wie gar nicht mehr melodiöse Stücke gibt es auf „The Power To Believe” zu hören. Diese können verpackt sein in sanfte und ruhige Passagen oder aber in fordernde und treibende Abschnitte. Häufig klingt es dabei etwas schräg, ein wenig verschroben, jedoch vor allen Dingen immer spannend. Sehr schade, wenn das wirklich das letzte Album dieser so beindruckenden Band um Robert Fripp gewesen sein soll. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Elektrik, The Power To Believe II, Dangerous Curves



Mittwoch, 6. Mai 2015

Emerson, Lake And Palmer – Pictures At An Exhibition




Emerson, Lake And Palmer – Pictures At An Exhibition


Besetzung:

Keith Emerson – pipe organ, hammond c3 and l100 organs, moog modular synthesizer, ribbon controller, clavinet
Greg Lake – bass, acoustic guitar, vocals
Carl Palmer – percussion, drums


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Promenade (1:57)
2. Pictures At An Exhibition: The Gnome (4:16)
3. Promenade (1:23)
4. Pictures At An Exhibition: The Sage (4:40)
5. The Old Castle (2:31)
6. Pictures At An Exhibition: Blues Variation (4:18)
7. Promenade (1:30)
8. Pictures At An Exhibition: The Hut Of Baba Yaga (1:12)
9. Pictures At An Exhibition: The Curse Of Baba Yaga (4:09)
10. Pictures At An Exhibition: The Hut Of Baba Yaga (1:06)
11. Pictures At An Exhibition: The Great Gates Of Kiev (6:37)
12. Nutrocker (4:23)
13. Pictures At An Exhibition (15:29)

Gesamtspieldauer: 53:36




„Pictures At An Exhibition“ ist nicht das dritte Studio-Album von Emerson, Lake & Palmer, sondern die Live-Aufnahme eines Konzerts, welche am 26. März 1971 in der Newcastle City Hall mitgeschnitten wurde. Dabei spielen die drei Musiker den Pianozyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski nicht einfach nach, sondern interpretieren dieses Werk und haben damit einen Klassiker des Progressive Rock erschaffen.

Zunächst sollte das Stück niemals auf Platte gepresst werden, da die Band nicht in die Klassikecke gedrängt werden wollte. Dann gab es jedoch diese Aufnahme und man entschloss sich, quasi als Dankeschön für die Fans, das Konzert doch zu veröffentlichen. Dass Emerson, Lake & Palmer in die Klassikschiene abdriften, wird jeder verneinen, der diese Platte gehört hat. Klar ist die Musik an das Werk des Modest Mussorgski angelehnt und einzelne Themen tauchen auch hier immer wieder auf und werden variiert, jedoch ist die Interpretation zumeist wirklich sehr frei gehalten und entspricht sehr viel eher dem musikalischen Genre des Progressive Rock, als dem der Klassik.

Die Aufnahmequalität ist dabei nicht die allerbeste, was wohl an den technischen Möglichkeiten damals, Anfang der 70er Jahre, zu liegen scheint. Doch dieses Manko ändert nichts daran, dass man hier ein mitreißendes Stück Musik zu hören bekommt, welches alle Zutaten enthält, die Progressive Rock so spannend werden lassen. Hier gibt es die wunderschönen Melodien, die schrägen Abschnitte, die manchmal fast atonal wirken können, die leisen Stellen und die lauten, treibenden Passagen. Die Musiker halten sich dabei auch nur grob an das Original. Manche Teile wurden für diese Version weggelassen, andere hinzugefügt. Was dabei herauskam, ist eine sehr spannende und fesselnde, allerdings freie Interpretation eines klassischen Musikstücks, welches mit dem Original nur noch etwas am Rande zu tun hat.

Fazit: Wahrlich ein Meilenstein des Progressive Rock. Klar Emerson, Lake & Palmer klingen nie ganz so eingängig wie die Kollegen von Genesis oder Yes zur damaligen Zeit und ich habe manches Mal auch Schwierigkeiten, diesem, mitunter etwas komisch und künstlich klingenden Synthesizersound des Keith Emerson zu folgen. Trotzdem ist „Pictures At An Exhibition“ ein mitreißendes Album geworden, welches für all jene Musikhörer interessant ist, welche das Außergewöhnliche und nicht immer ganz Einfache in der Musik zu schätzen wissen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Alles