Rush – Feedback Besetzung: Geddy Lee – lead vocals, bass guitar Alex Lifeson – guitar Neil Peart – drums, percussion Label: Atlantic Records Erscheinungsjahr: 2004 Stil: Rock Trackliste: 1. Summertime Blues (3:51) 2. Heart Full Of Soul (2:52) 3. For What It's Worth (3:30) 4. The Seeker (3:25) 5. Mr. Soul (3:49) 6. Seven And Seven Is (2:52) 7. Shapes Of Things (3:15) 8. Crossroads (3:29) Gesamtspieldauer: 27:05
„Feedback“ ist kein offizielles Album der kanadischen Rockband Rush, sondern zum einen eher eine EP bei einer Laufzeit von noch nicht mal einer halben Stunde. Zum anderen handelt es sich bei den acht Liedern auf „Feedback“ lediglich um Cover-Versionen von Liedern, die die Musiker für diese Zusammenstellung ausgesucht haben. „Feedback“ wurde am 29. Juni 2004 auf dem Plattenlabel Anthem Records beziehungsweise auf Atlantic Records veröffentlicht.
Ich frage mich ehrlich gesagt, was das soll. Man kann Rush bestätigen, dass sie Lieder nachspielen können. Trotzdem höre ich persönlich diese sehr viel lieber im Original. Nur wenige Künstler schaffen es, aus einem ursprünglichen Titel ein ganz besonderes Lied zu machen. Johnny Cash gelang das, man denke nur an seine Interpretation von „Hurt“. Rush spielen hier gut, trotzdem ist diese Platte absolut überflüssig und sinnlos, denn besonders werden die Titel auch nicht variiert.
Fazit: Nur was für eingefleischte Rush Fans, die hier ihren Spaß haben, „ihre“ Band auch mal in Bezug zu anderen Musikern und Bands zu hören. Für den ganzen Rest an Musikfans eher verzichtbar. Drei Punkte.
„Dark“ ist nach den Veröffentlichungen „Holy“ und „KAOS“ aus den Jahren 2016 und 2018 bereits dritte Studioalbum der Münchener Band Blackout Problems. „Dark“ erscheint heute, am 15. Januar 2021 auf dem bandeigenen Plattenlabel Munich Warehouse sowie auf dem Label Sony Music.
Es ist immer wieder begeisternd zu hören, welche wahrlich überzeugenden Bands es auch hier in Deutschland gibt. Die Musik von Blackout Problems auf „Dark“ muss sich keineswegs vor jener der englischen oder US-amerikanischen Bands verstecken, wenn es um eingängigen und mitreißenden Alternative Rock geht. „Dark“ klingt abwechslungsreich, rockig, an mancher Stelle auch poppig und geht jederzeit ins Ohr. Dabei verbinden die vier Musiker den Sound der eher klassischen Rock-Instrumente mit jenem, des eher im Pop beheimateten Synthesizers auf eine spannende Art und Weise.
Aber es sind nicht nur die Melodien, die auf „Dark“ überzeugen. Auch die Texte heben sich angenehm von manch stupiden und oftmals peinlichen „Liebesbeschwörungen“ anderer Bands ab. Auf dem Album werden inhaltlich aktuelle Themen aufgegriffen, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger dazustehen. Dadurch ergibt sich eine gelungene und auch oftmals mitreißende Verbindung von Musik und Wort, welche immer wieder neue Wege einschlägt, überrascht und sich mit seinen Melodien im Ohr festzusetzen versteht.
Fazit: Ein spannendes und überzeugendes Album ist den vier Musikern von Blackout Problems mit ihrem neuesten Werk „Dark“ gelungen. Abwechslungsreichen Alternative Rock gibt es darauf zu hören, der eingängig aus den Boxen sprudelt und musikalisch wie auch textlich gefällt. Eine gute Alternative zum Alternative Rock aus den USA oder England. Lohnt sich. Zehn Punkte.
Ufo – Mechanix Besetzung: Phil Mogg – vocals Paul Chapman – guitars Neil Carter – keyboards, guitar, backing vocals, saxophone, orchestral arrangements Pete Way – bass Andy Parker – drums Gastmusiker: Gary Lyons – orchestral arrangements Label: Chrysalis Records Erscheinungsjahr: 1982 Stil: Rock Trackliste: 1. The Writer (4:12) 2. Somethin‘ Else (3:21) 3. Back Into My Life (4:59) 4. You‘ll Get Love (3:09) 5. Doing It All For You (5:02) 6. We Belong To The Night (3:57) 7. Let It Rain (4:01) 8. Terri (3:53) 9. Feel It (4:07) 10. Dreaming (3:57) Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2009: 11.Heel Of A Stranger (4:09) 12. We Belong To The Night (Live In Oxford, 25 March 1983) (4:34) 13. Let It Rain (live in Oxford, 25 March 1983) (3:07) 14. Doing It All For You (Soundcheck At The Birmingham Odeon, 26 March 1983) (5:21) Gesamtspieldauer: 57:57
„Mechanix“ heißt das zehnte Studioalbum der britischen Rockband Ufo. Es erschien im Februar 1982 auf dem Plattenlabel Chrysalis Records. Das Album wurde schließlich am 26. Januar 2009 auf demselben Label mit einem neuen Track, der ursprünglich nur auf der japanischen Ausgabe des Albums vorhanden war und mit drei Live-Versionen wiederveröffentlicht. „Let It Rain“ sowie „Back Into My Life“ hießen die beiden Singleauskopplungen des Albums.
Auf „Mechanix“ haben Ufo nun endgültig und deutlich Abkehr von der Musik ihrer vorherigen Alben genommen. War dort meist eine Mischung aus Rock und Ballade zu hören, die immer eingängig klang, so ist auf „Mechanix“ der Fokus deutlich hin zum Rock verschoben und zwar zum eher geradlinigen und schnörkellosen Rock. Lediglich die Nummer „Terri“ fällt da noch ein wenig aus dem Rahmen, denn da ist sie nämlich dann doch noch, die obligatorische Ufo-Ballade. Jedoch auf „Mechanix“ stellt sie eine Ausnahme dar. Die Eingängigkeit geht der Musik von Ufo auf diesem Album insgesamt ein klein wenig verloren, auch klingt die Musik der Engländer deutlich weniger differenziert, als noch auf den Platten zuvor. Das macht die Musik von Ufo leider deutlich ausrechenbarer und damit auch – ebenfalls natürlich leider – ein klein wenig langweiliger.
Nun, will man die Höhepunkte auf „Mechanix“ benennen, so fällt das gar nicht so einfach, da das Album größtenteils in einem Schub an einem vorbeizieht, ohne großen Eindruck zu hinterlassen. Es befinden sich zwar keine wirklichen Ausfälle auf der Platte, doch Begeisterungsstürme lösen die einzelnen Titel dann ebenfalls nicht aus. Um hier jedoch trotzdem zwei Lieder zu nennen, sei zum einen das rockige und durchaus ein wenig eingängige „Doing It All For You“ erwähnt, sowie jene besagte Ballade, das Lied „Terri“, welches eben eine Besonderheit der Platte darstellt und alleine deswegen auffällt.
Fazit: Leider hört man auf „Mechanix“ zum allergrößten Teil relativ schnörkellosen Mainstream Rock. Dieser ist dabei zumeist langweilig und lässt einen selten aufhorchen. „Mechanix“ ist kein schlechtes Album, allerdings dann doch nur ein mittelmäßiges mit überwiegend mittelmäßigen Liedern. Sieben Punkte.
Triana – Sombra Y Luz Besetzung: Jesus De La Rosa – vocals, keyboards, guitar Juan Jose Palacios – drums, percussion Eduardo Rodriguez R. – guitars Gastmusiker: Pepe Roca – electric guitar Manolo Rosa – bass Enrique Carmona – vocals Miguel Angel Iglesias – choir Label: Fonomusic Erscheinungsjahr: 1979 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Una Historia (5:07) 2. Quiero Contarte (5:00) 3. Sombra Y Luz (7:31) 4. Hasta Volver (10:36) 5. Tiempo Sin Saber (5:23) 6. Vuelta A La Sombra Y La Luz (2:47) Gesamtspieldauer: 36:27
Mit ihrem dritten Studioalbum „Sombra Y Luz“ ernteten die drei Musiker der spanischen Progressive Rock Band Triana endlich auch den verdienten kommerziellen Erfolg. „Sombra Y Luz“ verkaufte sich gut und in diesem „Sog“ kam es auch noch mal zu einem Anstieg der Verkaufszahlen der beiden ersten Alben von Triana. „Sombra Y Luz“ erschien im Jahr 1979 auf dem Plattenlabel Fonomusic.
Mit „Sombra Y Luz“ hatten sich Triana noch ein wenig weiter von ihrem ursprünglichen musikalischen Konzept entfernt, der Verbindung von spanischem Flamenco mit dem Progressive Rock, der Anfang der 70er Jahre in Großbritannien entstanden war. Trotzdem erklingt auch auf dieser Platte noch diese so ungewöhnliche Verbindung der spanischen Gitarre mit eher unkonventioneller Rock Musik. Dass dieses Album ein Erfolg wurde verwundert beim Hören nicht weiter, da die Melodien packen und ins Ohr gehen. Triana werden dabei meist erneut nicht experimentell, setzen eher auf Bewährtes, doch dies klingt eben eingängig, melodiös und besitzt diesen gewissen Wiedererkennungswert, der schon so manches Album in der Gunst der Hörerinnen und Hörer wachsen ließ.
Die Höhepunkte auf „Sombra Y Luz“ sind das Titellied selbst und die folgende Nummer „Hasta Volver“. Bei der Nummer „Sombra Y Luz“ ist die Verbindung aus spanischer Folklore und Progressive Rock sehr gelungen. Das Lied besitzt zudem einen repetitiven, hier nun wirklich fast experimentellen Zwischenteil, der das Lied in seiner Gesamtheit nochmals aufwertet. „Hasta Volver“ ist dagegen eine tolle und abwechslungsreiche Progressive Rock Nummer, die zwar deutlich weniger mit den musikalischen Wurzeln von Triana gemein hat, allerdings als Titel des progressiven Rocks der 70er Jahre auch heute noch überzeugt.
Fazit: Auch das dritte Studioalbum von Triana, „Sombra Y Luz“, gefällt. Selbst wenn die spanischen Einflüsse in der Musik der Band nochmals etwas zurückgefahren wurden, so klingt die Platte abwechslungsreich, spannend und auch immer noch anders als jede Platte der britischen Kollegen. Diese waren Ende der 70er Jahre allerdings sowieso schon meist dem Mainstream Pop verfallen, was „Sombra Y Luz“ nochmals aufwertet und zu einem sehr hörenswerten Album werden lässt. Elf Punkte.
King’s X – Dogman Besetzung: Doug Pinnick – lead vocals, bass Ty Tabor – guitar, vocals Jerry Gaskill – drums, vocals Gastmusiker: Brendan O'Brien – keyboards and percussion Label: A&M Records Erscheinungsjahr: 1994 Stil: Hard Rock Trackliste: 1. Dogman (4:02) 2. Shoes (3:29) 3. Pretend (4:37) 4. Flies And Blue Skies (5:00) 5. Black The Sky (4:33) 6. Fool You (4:32) 7. Don't Care (4:40) 8. Sunshine Rain (4:34) 9. Complain (3:18) 10. Human Behavior (4:27) 11. Cigarettes (5:51) 12. Go To Hell (0:51) 13. Pillow (4:23) 14. Manic Depression (5:02) Gesamtspieldauer: 59:27
„Dogman“ heißt das fünfte Studioalbum der US-amerikanischen Hard Rock Band King‘s X. Es erschien am 18. Januar 1994 ursprünglich auf dem Plattenlabel Atlantic Records. Es ist das erste Album von King‘s X, welches nicht von Sam Taylor, sondern von Brendan O'Brien produziert wurde. Dieser hatte zuvor mit Bands wie Pearl Jam, den Stone Temple Pilots und den Black Crowes zusammengearbeitet.
„Dogman“ klingt noch ein wenig härter als die Alben zuvor. Dazu hält auch der Blues etwas mehr Einzug in die Musik der Band. Diese Härte und das bluesige Gefühl gehen klar zu Lasten der Melodiösität der Musik. King’s X waren zwar noch nie sonderlich dafür bekannt, Ohrwürmer zu kreieren, doch noch ein Stück weiter sind sie auf „Dogman“ von dieser Möglichkeit entfernt. Die Lieder grooven gut, bewirken ein unweigerliches Mitwippen der Füße. Freundinnen und Freunde des bluesigen Rocks kommen auf „Dogman“ somit definitiv trotzdem auf ihre Kosten.
Die Titel sind relativ einheitlich gehalten. Der Titeltrack „Dogman“ gibt dabei sogleich die Richtung vor. Ty Tabor zelebriert einige schöne Soli auf dem Album, gut verteilt über die gesamte Platte. Neben dem bereits erwähnten „Dogman“ können noch die Titel „Complain“, „Cigarettes“ sowie „Pillow“ überzeugen. Höhepunkt des Albums ist dabei die Nummer „Cigarettes“. Dieses Mal wirklich ein Lied mit einer Melodie, die ins Ohr geht. Ein Lied das groovt, ein tolles Solo aufweist und etwas aufwendiger vom Aufbau her gestaltet ist, als manch anderer Titel des Albums.
Fazit: King’s X waren immer ein Geheimtipp. „Nur“ ein Geheimtipp. Der ganz große Wurf war der Band nicht vergönnt. Dies mag sicherlich auch daran liegen, dass die Lieder von King’s X in den seltensten Fällen so richtig zünden. Freilich mögen das eingefleischte Fans ganz anders sehen. Wenn die Musik häufiger so klingen würde wie bei „Cigarettes“ könnte ich diese auch besser verstehen. So bleibt die Musik von King‘s X auch auf „Dogman“ für mich die einer Hard Rock Band, die hier noch etwas Blues mit einfließen lässt, aber kaum so richtig begeistern kann. Sieben Punkte.
Gesamtspieldauer CD1 (47:14) und CD2 (48:41): 1:35:55
Gleich als Doppelalbum erscheint das fünfzehnte Album des Australiers Hugo Race mit seiner Band True Spirits. „Starbirth“ und „Stardeath“ sind die Titel der beiden Scheiben. Die Musik zur Platte wurde während der verheerenden Buschfeuer in Australien im Jahr 2019 geschrieben. Hugo Race sagte dazu in einem Interview, dass er an einem Abend in Australien einen Stern am Himmel explodieren sah, der für ihn ein Zeichen eines plötzlichen Endes und eines neuen Anfangs gewesen sei, was ihn beim Schreiben der einzelnen Titel zusätzlich beeinflusste. Dann brach während des Abmischens die Covid-19-Pandemie aus, das Album wurde erweitert und nochmals überarbeitet, bis es schließlich am 16. Oktober 2020 auf dem Plattenlabel Gusstaff Records veröffentlicht worden ist.
Auf „Starbirth“ hört man dunklen, fast schon traurig klingenden Alternative Rock, der mit den Atmosphären und Stimmungen spielt. Nachdenklich klingt es, dieses Album, welches sich auch inhaltlich mit solch Themen wie politische Katastrophen, unsere Erde, die Ab- und Anwesenheit von Werten, gebrochene Versprechen, gebrochene Herzen und ob irgendetwas davon überhaupt von Bedeutung ist, befasst. Die Schwere der Themen spiegelt sich auch in der Musik wider, die jederzeit eingängig und melodiös, allerdings eben auch melancholisch, dunkel und traurig klingt. Dabei bleiben die Lieder jedoch noch im Alternative Rock beheimatet.
Auf der zweiten Platte „Stardeath“ verändern sich die Lieder wenig – zumindest nicht atmosphärisch. Diese getragene Stimmung ist auch auf dieser Scheibe allgegenwärtig. Was sich jedoch ändert ist die Musik selbst. Hat sich das gehörte auf „Starbirth“ noch wie bereits geschrieben im Alternative Rock abgespielt, so klingt „Stardeath“ deutlich elektronischer, sphärischer und experimenteller. Die Melodien stehen jetzt nicht mehr immer im Vordergrund, diesen hat endgültig die transportierte Atmosphäre eingenommen. Auf „Stardeath“ entstehen vor dem Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers Klang- sowie Soundkollagen, die bis zu sphärischen Ausflügen in den Ambient-Bereich hineinreichen. Fast schon hypnotisierend werden hier musikalische Themen redundant, Texte deutlich rarer, alles dem atmosphärischen und auch sphärischen Klang untergeordnet.
Fazit: „Starbirth -Stardeath“ ist, wie der Albumtitel bereits zum Ausdruck bringt, eine geteilte Platte. Nicht nur, dass inhaltlich etwas entsteht oder eben vergeht, auch musikalisch hört man auf der ersten Scheibe Alternative Rock, auf der zweiten Scheibe elektronische Musik bis hin zu Psychedelic. Beide Platten sind angefüllt mit viel Melancholie. Erstere noch mit etwas Rock, Zweite mit etwas mehr Experiment. Für mich klingt das sehr gelungen, da es intensiv ist. Intensive Musik, weit weg vom Mainstream. Somit lohnt sich dieses Album für alle, die sich gern Zeit für Musik nehmen, um darin ganz tief einzutauchen und dabei gerade das Atmosphärische zu schätzen wissen. Elf Punkte.
Der steirische Musiker Bertram präsentiert auf seinem zweiten Solo-Album „Chamäleon“ verspielten und abwechslungsreichen Pop. Falsch, denn sehr viel eher ist das Rock, den man auf „Chamäleon“ zu hören bekommt. Das Album erschien am 6. November 2020 auf dem Plattenlabel Voller Sound.
Auf „Chamäleon“ hört man sehr abwechslungsreichen Rock, dem manchmal durchaus sogar das Etikett „progressiv“ anhaftet, da die elf Lieder auf dem Album kaum dem gängigen rockigen Mainstream zugeordnet werden können. Selbst in den Liedern wechseln zum Teil Stimmungen und Atmosphären, sodass jederzeit für viel Abwechslung gesorgt ist. Zu dieser Abwechslung trägt auch die Gesangsstimme des Bertram bei, die immer wieder variiert wird und teilweise leicht verzerrt aus den Boxen quillt. Zudem gehen die meisten Nummern gut ins Ohr – ganz bestimmt kein Nachteil, um auch im Radio Spielzeit zu erhalten.
Das Zuhören macht Spaß und die Titel scheinen mit jedem weiteren Durchlauf noch an Format zu gewinnen. Der Fuß wippt im Rhythmus mit und die Texte drehen sich glücklicherweise nicht nur um Themen wie Liebe oder Liebeskummer, sondern regen zum nachdenken an, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Höhepunkt auf „Chamäleon“ ist das Lied „Jakuzzi Jerusalem“, welches eine überarbeitete Version des gleichnamigen Titels seiner Vorgängerband Brigitte Bordeux darstellt. Dieser Titel wurde auch vorab als Single, mit einem sehr gelungenen Video veredelt, veröffentlicht.
Fazit: Mit „Chamäleon“ ist dem österreichischen Musiker Bertram ein überzeugendes zweites Album gelungen. Abwechslungsreicher Rock, der bestens ins Ohr geht. Ausgestattet mit guten Texten werden Freundinnen und Freunde deutschsprachigen Rocks viel Spaß mit „Chamäleon“ haben. Zehn Punkte.
Passenger, das steht für sehr eingängige und ruhige Musik des Michael „Mike“ David Rosenberg. Und nichts anderes hört man auch auf seinem fünften Soloalbum „Whisper“, welches auf dem Plattenlabel Embassy Of Music am 6. Juni 2014 veröffentlicht wurde. Als Singles wurden die beiden Lieder „Scare Away The Dark“ und „Heart‘s On Fire“ veröffentlicht.
Wer auf also eingängigen Folk bis Pop steht, bei dem der Gesang und die Gitarre zumeist im Vordergrund sehen, die oder der dürfte viel Spaß mit diesem Album haben. Die Lieder gehen allesamt schnell ins Ohr, bereits beim ersten Mal des Hörens. Sehr schöne Melodien breiten sich aus, die einen sofort einnehmen. Meist werden diese Melodien mittels Streichern nochmals eingängiger arrangiert und umschmeicheln noch ein wenig mehr das Ohr. „Whisper“ steht für Eingängigkeit und Melodiösität. Die hier transportierte Atmosphäre ist eine melancholische bis sentimentale und stets sehr einnehmend.
Wenn man diese Art der Musik mag, überzeugen natürlich alle Lieder und das Benennen der Höhepunkte oder des Höhepunkts ist reine Geschmackssache. In meinem Fall wären das die Lieder „Start A Fire“ sowie „Riding To New York“. Gerade erstgenanntes Lied klingt einfach schön, sanft und absolut entspannt. Beides sind Lieder, die man immer wieder gern hört und die dabei niemals Gefahr laufen langweilig zu klingen.
Fazit: Englischen Folk mit einer Prise Pop bekommt man auf „Whispers“ zu hören. Überaus eingängig klingen die Melodien des Michael Rosenberg und er bedient alle seine Fans mit der Musik, die sie gerne hören. Zehn Punkte.
2. Station 1: In The Same Boat - Im Selben Boot (2:02)
3. Station 2: Beautiful Babylon - Schönes Babylon (5:00)
4. Station 2: I‘ll Be Your Singer – You‘ll Be My Song - Ich Bin Dein Sänger, Du Bist Mein Lied (2:28)
5. Station 3: Body (1:55)
6. Station 3: A Book‘s Blues (1:42)
7. Station 4: As If I Had Seen All This Before - Als Hätt Ich Das Alles Schon Mal Gesehen (5:28)
8. Cosmic Vibration (4:41)
9. Come On, People (2:53)
10. Truth And Probability - Wahrheit Und Wahrscheinlichkeit (11:42)
Gesamtspieldauer: 40:51
Nachdem Achim Reichel mit den von Siggi Loch produzierten Rattlers und der Band Wonderland, die von James Last produziert worden war einige Erfolge – auch umsatztechnisch – eingefahren hatte, wollte er Anfang der 70er Jahre nun mal „kompromisslos sein eigenes Ding“ durchziehen. Nur wusste er noch nie wie er das Anstellen konnte. So saß er abends da, stöpselte nach eigenen Worten seine Gibson Firebird in sein neues Bandgerät Akai X-330D und erhielt bei den ersten Aufnahmen verblüffenderweise ein aus Echos seiner gespielten Akkorde bestehendes Soundgebilde als Ergebnis. Der Grundstein für „sein eigenes Ding“ war gelegt.
Im Jahr 1971 erschien dann das erste Werk von A.R. & Machines, wie Achim Reichel sein Neues „Projekt“ nun nannte. „Die Grüne Reise – The Green Journey“ heißt diese erste Platte und erschien auf dem Plattenlabel Polydor. Und dieses Album ist wahrlich eine Reise, eine psychedelische, experimentelle Reise, während der Sound-Konstrukte, Atmosphären, Rhythmen und Melodien entstehen, um wieder, nur kurze Zeit später, zu vergehen. „Die Grüne Reise“ klingt in allem experimentell und Grenzen auslotend.
Auf über vierzig Minuten Spielzeit hört man spacig-psychedelische Musik, die angereichert wurde mit Wortfetzen, unverständlichen Lauten oder ein paar englischen Worten. Im Falle des letzten Titels „Truth And Probability“ besteht fast das ganze Lied lediglich aus Stimmen, die sich so fast auch auf dem Album „Ummagumma“ von Pink Floyd hätten befinden können. Das klingt nicht immer eingängig, dafür außergewöhnlich und niemals alltäglich.
Fazit: „Die Grüne Reise“ von Achim Reichel ist ein musikalischer Trip der sich lohnt gehört zu werden. Wer sich für Krautrock oder psychedelische Musik interessiert, kann hier einen der deutschen Höhepunkte des Jahres 1971 lauschen. Spannend. Elf Punkte.
Anspieltipps: Beautiful Babylon, As If I Had Seen All This Before, Cosmic Vibration
Various Artists – Kraut! Label: Bear Family Records Erscheinungsjahr: 2020 Stil: Krautrock Trackliste: CD1: 1. Lucifer's Friend - Ride The Sky 2. Atlantis - Rock'n Roll Preacher 3. Michael Rother - Flammende Herzen 4. Tomorrow's Gift - Ants 5. Ikarus - Mesentery 6. Cravinkel - Keep On Running 7. Silberbart - Chub Chub Cherry 8. Novalis - Wer Schmetterlinge lachen hört 9. Ougenweide - Ouwe 10. Ramses - La Leyla 11. Frumpy - How The Gipsy Was Born CD2: 1. AR & Machines - Schönes Babylon (Beautiful Babylon) 2. Nektar - Desolation Valley 3. Eloy - The Light From Deep Darkness 4. Galaxy - Supermarket 5. Gash - A Young Man's Gash (Part 2) 6. Thirsty Moon - Big City 7. Percewood's Onagram - Braindrops Won't Kill The Fire 8. Missus Beastly - Uncle Sam 9. Abacus - Capuccino 10. Abacus - Souls Married To The Wind
Als ich 1996 mit meiner Sendung Radio Goethe auf KUSF anfing, hatte ich nur ein paar CDs aus Deutschland mit nach San Francisco gebracht. Also fing ich an im umfangreichen CD und Vinyl Archiv des Senders zu suchen und fand so einige deutsche Bands, die mir vom Namen her bekannt waren, aber die ich in daheim in Nürnberg kaum oder gar nicht gehört hatte. Es waren vor allem experimentelle Bands, wie die Einstürzenden Neubauten oder Gruppen aus dem sogenannten „Krautrock“ Bereich.
Aus einer Not wurde eine große Liebe für diese Bands und diese Epoche. Faust und Amon Düül II, Can und Kraftwerk und viele andere, die ich da in den Plattenregalen von KUSF finden konnte. Und ich war begeistert, diese Gruppen öffneten mir einen ganz neuen Klangraum. Krautrock wurde immer interessanter für mich, schließlich produzierte ich sogar ein zwei Stunden langes „Spotlight“, eine wöchentliche Spezialsendung am Sonntagnachmittag auf KUSF, in der man ein Thema vertiefen konnte. Und als ich diese Sendung ankündigte, bekam ich viele Tipps, Hinweise und Wünsche von anderen KUSF DJs, sie alle kannten die Krautrock Bands, die da gespielt werden sollten. Überhaupt ist Krautrock Kult auf den amerikanischen College- und Communitysendern.
Durch meine Arbeit mit Radio Goethe lernte ich auch Hans Joachim Irmler, Gründungsmitglied von Faust kennen, über die ich sogar irgendwann auf Bayern 2 ein Stundenfeature produzieren durfte. Damals fuhr ich zu Jochen in die schwäbische Provinz, hörte mit ihm so einige alte Aufnahmen und wir führten lange Gespräche, bis wir schließlich nachts um zwei Uhr nach ein paar Flaschen Wein das Aufnahmegerät anstellten. Faust wurden 1972 in Hamburg gegründet und waren für mich die wohl interessanteste Krautrock Band, denn sie verbanden die vielen musikalischen Einflüsse und experimentierten mit Sounds, Klangideen und ihren eigenen technischen Möglichkeiten. Jochen erzählte Geschichten von damals und ich hörte staunend und interessiert zu, manchmal mußte ich mich wegdrehen, weil ich nur so mein Lachen zurückhalten konnte. Es war nicht nur ein Interview, Hans Joachim Irmler hat mir auch eine ganz neue Klangwelt näher gebracht und sie vor allem für mich verständlich gemacht. Ich hörte zwar schon viel Krautrock, aber hatte nie die Bedeutung erkannt. Das änderte sich komplett.
Und nun sitze ich hier in meinem „home office“, wie man in diesen Coronazeiten den heimischen Schreibtisch nennt, und höre Teil 1 der neuen Bear Family Records Reihe „Kraut!“. Insgesamt werden vier Teile veröffentlicht, aufgeteilt nach Nord-, West-, Süddeutschland und Berlin. Musik aus deutschen Landen zwischen 1968 – 1979. Es sind jeweils zwei CDs, die ein lange Zeit übersehenes, doch mehr als bedeutendes Kapitel in der deutschen Musikgeschichte zum Tönen bringen. Nach dem Durchhören habe ich mir gleich Alben von zwei der Bands bestellt, die ich bislang so noch nicht kannte.
Begleitet wird diese umfassende Serie von einem ausführlichen Booklet, mit vielen Informationen, Geschichten, Anekdoten, zusammengetragen von Burghard Rausch, der auch schon die hervorragende NDW-Reihe für Bear Family zusammengestellt hat. Ein wahrer Kenner der Szene. Zu hören sind unter anderem auch die früheren Bands von Kralle Krawinkel und Peter Behrens, die sich beide später bei Trio wiederfanden. Was diese Klangserie zeigt ist, dass Deutschland in den späten 60ern und in den 70er Jahren alles andere als ein Entwicklungsland in Sachen Musik war. Die Bands nahmen das auf, was sie aus England und den USA vorgelegt bekamen, oftmals über die Soldatensender BFBS oder AFN, und nutzten diese Einflüsse um etwas eigenes entstehen zu lassen.
Und das fiel durchaus auch in England und den USA auf, wo viele der Krautrock Bands tourten und Musiker wie David Bowie oder Brian Eno auf einmal aufhorchten, was da in „Krautland“ passierte. Lange Jahre wurde diese wichtige Zeit im deutschen Musikzirkus abgetan oder übersehen. Gerade deshalb ist so eine Serie, wie diese hier von Bear Family Records, mehr als notwendig, denn sie zeigt wie spannend, originell, mitreißend und tief diese Soundvisionen von damals durchaus waren. Diese Gruppen brauchten sich nicht hinter denen aus Großbritannien oder den Vereinigten Staaten zu verstecken. Es geht nicht darum, Geschichte neu zu schreiben, vielmehr darum, das richtig zu bewerten, was diese Bands in dieser Zeit geleistet haben. Krautrock anfangs als minderwertig abgetan ist zu einem anspruchsvollen Gütesiegel geworden. Einziger Wermutstropfen für mich, Faust hat es nicht auf den ersten „Kraut!“ Teil über den Norden der Republik geschafft. Das lag aber weder an Bear Family noch Burghard Rausch, sondern vielmehr an ihrem alten Plattenlabel Warner. Die haben anscheinend noch immer den Hals voll von Faust….doch das ist eine andere, lange Geschichte.
Es muss im Herbst 1992 gewesen sein, da sah ich Oxbow zum ersten Mal in einem kleinen Club oben an der Haight Street in San Francisco. Damals war eine Kollegin aus dem Burt Children’s Center mit dem Gitarristen der Band, Niko Wenner, zusammen. Sie meinte, komm mit zum Konzert, könnte dir gefallen. Für mich war San Francisco damals noch ein offenes Buch. Jeder Tag war voller neuer Entdeckungen. Und Oxbow war eine prägende Erfahrung.
In diesem kleinen Club zu später Stunde schrammelte sich die Band durch den Abend. Niko, sonst eher einer ruhiger, zurückhaltender, ja, schüchterner Zeitgenosse, der mit leiser Stimme sprach, wirbelte wie ein Derwisch über die kleine Bühne, beackerte seine Gitarre, hieb drauf, entlockte ihr die alptraumhaftesten Töne. Der Lautstärkepegel war kurz vor dem Dach-Abflug-Level.
Und dann war da ihr Sänger Eugene Robinson. Ein Muskelpaket, der sich schon früh im schweisstreibenden Kneipendunst sein Hemd vom Leib riss und mal grölte, mal schrie, mal ganz gefühlvoll ins Mikro hauchte. Seine Augen rollten herum, so als ob er kurz vor der Ekstase war.
25 Jahre später legen Oxbow „Thin Black Duke“ vor. Ein Album, das auf den ersten Hörtrip ruhiger, gemäßigter wirkt, so, als ob Oxbow in die Jahre gekommen sind. Doch das täuscht. Daniel Adams, Gregory Davis, Eugene Robinson und Niko Wenner sind noch immer so schön schräg schrill wie eh und je. Da sind Dissonanzen in der Musik, da passiert etwas im Hintergrund, was da so nicht hingehört und dennoch zum komplexen Klangbild der Band passt.
„Thin Black Duke“ ist eine musikalische Herausforderung, die es in sich hat. Kein gerader Weg, kein Lalala, keine Untermalung im Alltag. Dieses Album hat Tiefe, Ecken und Kanten, Ausbuchtungen, dunkle Seiten, die man als Hörer mutig und bereitwillig entdecken muß, entdecken sollte. Diese Platte ist ein Meisterwerk der Band, ohne Kompromisse zu machen sind Oxbow durch die Jahre marschiert. Zum 50. Jubiläum des „Summer of Love“ mit all seinen Hippie Klängen, spielt hier eine Band auf, die fest verankert ist in der Weltstadt San Francisco. Irgendwie kommt auf diesem Album alles zusammen, Vergangenheit und Zukunft und eine volle Breitseite Gegenwart. In was für einer Welt leben wir? Hier ist der Soundtrack dazu.
„8 tracks laying forth a deep listening journey into the netherworlds of human experience, movement, ritual and space“. Dieser Satz ist gewaltig. So beschreibt das spanische Frauenduo Las CasiCasiotone, LCC, die eigene Musik auf ihrem neuesten Werk „Bastet“. „Bastet“ ist der Name der in der ägyptischen Mythologie als Katzengöttin dargestellten Tochter des Sonnengottes Ra. Sie steht für weibliche Macht und ist als Göttin der Musik bekannt.
Das Album läuft schon zum zigsten Male und ich weiß noch immer nicht, wie ich diese Musik in Worte fassen soll. Ja, es ist eine Mischung aus vielen Bildern, Szenen, Gefühlen. So, als ob alles mit einer weißen Leinwand begonnen hat und sich dann Ana Quiroga und Uge Pañeda einfach dem freien Lauf der Farben hingegeben haben. Keine Grenzen, wild und scheinbar planlos, wahrlich eine Mischung aus „menschlichen Erfahrungen, Bewegung, Ritualen und Raum“. Das Ergebnis ist alptraumhaft, brutal, direkt, verstörend und doch so einzigartig schön.
Es ist Musik, geschaffen wie für Theater und Film, man kann sich all jenen Szenen hingeben, die man denn vor dem inneren Auge sehen will. Ich weiß, man muss diese Art von Musik mögen, die eigentlich nur alleine in den eigenen vier Wänden gehört werden kann. Oder zumindest zugänglich gemacht werden kann. Denn für LCC braucht es Zeit und Raum, um die ganze Größe dieser bewegenden Klangwelt zu öffnen.
Gerade läuft zum achten Mal hintereinander das Stück „Ka“. Es erscheint monoton, immer wieder das Zerschlagen von Glas, ein dumpfer Beat, ein einlullender Takt. Und doch, dieses Stück wächst, spannt immer mehr diesen Bogen des Verlaufs, Ungewissheit, was da noch kommen mag. Am Ende bleibt nur, diesem ver-rückten Soundspiel noch einmal und noch einmal zu begegnen, sich auf ein Neues hin- und mitreißen zu lassen. Ein fantastisches Album für Hinhörer!
Ich habe Istanbul lieben gelernt. Eine wunderbare Stadt, in der man so viele Seiten, Ecken und Winkel entdecken kann. Sie erinnert allein von der Lage her etwas an San Francisco. Es sind die Gegensätze, die mich in Istanbul anziehen, die mich faszinieren. Das Alte. Das Prachtvolle. Die Lage am Bosporus. Die Menschen. Die Kreativität. Die tiefe Verwurzelung in einer beeindruckenden Kulturlandschaft.
Dort fand ich in einem kleinen Plattenladen am Beginn der Einkaufsmeile Istiklal Caddesi auch ein paar Alben türkischer Musiker. Alte Aufnahmen und dann auch Aynur, die kurdische Sängerin mit ihrer kraftvollen, zärtlichen, berührenden, leidvollen Stimme. Seitdem verfolge ich ihren Weg. Und nun stieß ich dabei auf das Album „Hawniyaz“, ein Album, das aus dem Morgenland Festival in Osnabrück entstanden ist. 2012 trafen sich dort am Rande ihrer Auftritte Aynur, Kayhan Kalhor, Cemil Qoçgiri und Salman Gambarov, vier Musiker, die für sich den „Orient“ erklingen lassen. In Osnabrück trafen sie sich, spielten zum ersten Mal zusammen und öffneten damit eine neue musikalische Welt.
2015 schließlich, wohl auch durch das sanfte Drängen von Festival Direktor Michael Dreyer, der dieses einmalige Zusammenspiel von Anfang an begleitete, entstand außerhalb von Osnabrück das Album „Hawniyaz“, was im Kurdischen etwa „Jeder braucht jeden, jeder ist für den anderen da“ bedeutet. Ein wunderbares Wort für diese Musikgruppe und für die Zeit, in der wir leben. „Hawniyaz“ ist nicht politisch und doch so deutlich und direkt. Musik verbindet, überschreitet problemlos Grenzen. Hier die Genregrenzen zwischen Jazz, Avantgarde, „Weltmusik“. Ein reichhaltiger Schatz, der da in der niedersächsischen Stadt entstanden ist. Nicht in Multikulti Metropolen Berlin, Hamburg oder Köln, sondern Osnabrück, einer Stadt, mit der viele wohl so gar nichts verbinden.
Michael Dreyer schreibt in seinem Begleittext für dieses Album, einem wahrhaftigen Liebesbrief an Aynur, Kayhan Kalhor, Cemil Qoçgiri und Salman Gambarov: „Jeder der Musiker dieses Quartetts ist einzigartig, aber in diesem Zusammenspiel und Zusammenklang erschaffen sie eine neue musikalische Welt, die kurdische Musik, persische Musik und Jazz zusammenbringt in einer Natürlichkeit, die uns daran erinnern mag, dass die Kulturen – nicht nur in dieser Region – immer fließend waren, sich beeinflusst haben, dass Kulturen immer in Bewegung waren und sind. Vielleicht ist dies, ganz nebenbei, ein Statement gegen die Angst des Westens, der um „seine“ Kultur fürchtet, wenn Menschen aus anderen Kulturkreisen hier Zuflucht und ein neues Zuhause suchen.“
Diesen Worten kann ich mich nur anschließen, sie treffen genau das, was diese Musik so wunderbar klangvoll, was sie so bedeutend macht. Sie öffnet Welten, wenn man denn will. Eine Bereicherung für jeden, der hinhören kann und hinhören will. Hawniyaz ist auf dem Label Harmonia Mundi erschienen.
Wenn man von der afrikanischen Musik spricht, dann denken die meisten wohl an traditionelle Sounds, an Weltmusik. Heutzutage strahlen die Radiostationen in vielen Metropolen auf dem afrikanischen Kontinent mehr folklorische Klänge oder Hip Hop aus. Umso erstaunter war ich, als ich am „Record Store Day“ auf eine Box bei Amoeba Records in Berkeley stieß, in der die Rockmusik Nigerias vorgestellt wird.
Die nigerianische Rockmusik der 70er Jahre wird in der CD und LP Box „Wake up you!“ vorgestellt.
Aktion heißt eine dieser Bands. Und sie kommt nicht aus England, den USA oder aus Deutschland. “Groove the Funk” wurde vielmehr 1975 in den EMI Studios in Lagos, Nigeria aufgenommen. Aktion ist Teil einer neuen CD und LP Box, die nun auf “Now Again Records” erschienen ist. “Wake Up You!” beschreibt eine lebendige, energiegeladene und hochkreative nigerianische Rockmusikszene am Anfang der 70er Jahre. Zu einer Zeit, in der sich das Land nach einem dreijährigen Bürgerkrieg, dem sogenannten Biafra-Krieg, langsam wieder erholte.
Zusammengestellt hat diese Sammlung der in Boston lebende DJ, Produzent und Musikhistoriker Uchenna Ikonne. Geboren in den USA wuchs er in den 80er Jahren in Nigeria auf: „Ich habe an einem Film gearbeitet, der in Nigeria in den 70er Jahren spielt. Dafür suchte ich nach Musik und kam mehr und mehr auf diese Rockmusik, von der ich begeistert war. Die meisten kannten sie gar nicht. Weder Leute außerhalb von Nigeria, noch in Nigeria selbst. Sie erinnerten sich nicht an diese Musik. Also dachte ich mir, es wäre interessant, das ganze wieder auszukramen.“
Die Musik Nigerias zu dieser Zeit vereinte die vielen Einflüsse des Westens. Rock, Funk, Soul, auch etwas Country und Folk. Und das vor dem Hintergrund der noch jungen Unabhängigkeit des Staates Nigeria, wie Ikonne erklärt: „Die Kulturnationalisten dachten, es wäre nicht sehr produktiv, wenn man nur die Musik nachahmen würde, die aus Amerika und England kommt. Aber, was nach dem Krieg, Anfang der 70er Jahre passierte, war, dass die Leute einen Weg fanden, um Rock mit lokalen Einflüssen zu bereichern. Das machte das ganze viel eigenständiger, als nur eine reine Kopie der ausländischen Musik.“
Teil 2 der umfangreichen nigerianischen Rockbox erschien ebenfalls als CD, LP oder als Download.
Nigeria war zu dieser Zeit auf dem Radarschirm der großen westlichen Plattenfirmen. Decca, Polydor und vor allem EMI investierten in den boomenden Musikmarkt Nigerias: „EMI war wirklich eine bedeutende Plattenfirma, die die Identität der nigerianischen Rockmusik mitformte. Denn als viele der Rock- und Pop-Bands in Nigeria nur das kopierten, was aus dem Ausland kam, drängten die EMI Produzenten ihre Künstler dazu, die Musik mit einheimischen Sounds zu verbinden. Rock und Funk angereichert mit lokalen, afrikanischen Elementen. EMI war dafür bekannt. Sie hatten diesen erkennbaren Sound, wenn es um Afro-Rock ging.“
Uchenna Ikonne sieht den brutalen Biafrakrieg im Land als einen Scheidepunkt für die Rockmusik Nigerias. „Der Bürgerkrieg hat die Entwicklung der Rockmusik in Nigeria aus mehreren Gründen beschleunigt. Zuvor war die populärste Musik, was man hier “Highlife” nannte. “Highlife” war keine ethnische Musik, sie war auch nicht an irgendeine ethnische Gruppe in Nigeria gebunden. Es war vielmehr Musik, die jeder mochte. Aber während des Krieges, mit den Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen, wurde “Highlife” kaum noch beachtet. Und da wuchs eine jüngere Generation heran, die lieber Soul und Rock hörte. Von daher hat der Krieg die Popularität der Rockmusik wohl beschleunigt.“
Und Rock war in diesen Nachkriegsjahren genau das richtige für eine Jugend, die sich ganz neu ausrichten mußte, meint Uchenna Ikonne: „Nach den Jahren der Gewalt wollten die Leute Musik hören, die schwerer war, mehr disharmonisch, die kraftvoll war, als das weiche “Highlife” und auch der weiche Soul, all das, was man vorher gehört hatte. Der Krieg hatte also einen großen Einfluß auf die Leute, sich der Rockmusik zu öffnen.“
Heute findet man in Nigeria kaum noch Spuren dieser nigerianischen Rockgeschichte. Auch deshalb sieht Uchenna Ikonne die Notwendigkeit für diesen historischen Rückblick.
„Cyr“ heißt das elfte Studioalbum der US-amerikanischen Alternative Rock Band The Smashing Pumpkins. Das Album wurde am 27. November 2020 auf dem Plattenlabel Sumerian Records veröffentlicht. Billy Corgan hat darauf selbstverständlich wieder alle Lieder selbst komponiert und getextet. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Shiny And Oh So Bright, Vol. 1“ produzierte er dieses Mal das Album allerdings auch selbst. Sage und schreibe zehn Lieder aus „Cyr“ waren bereits zuvor als Singles veröffentlicht worden. „Cyr“ enthält insgesamt zwanzig Titel, welche aus einer Auswahl von ursprünglich 35 Stücken übrig blieben und schließlich auf Platte beziehungsweise CD gepresst wurden.
Man kann nicht darum herumreden. Die Smashing Pumpkins klingen nicht mehr so wie auf „Mellon Collie And The Infinite Sadness“. Das Raue und Rohe in der Musik, was der Band um Billy Corgan damals auch in den Alben davor und danach noch anhaftete, das ist im Laufe des 21. Jahrhunderts verschwunden. Die Smashing Pumpkins klingen auf „Cyr“ sehr eingängig, gehen ziemlich schnell ins Ohr. Das war zwar ebenfalls in den 90er Jahren so gewesen, doch musste man sich damals immer noch in die Alben der Band hineinhören, sie sich erschließen. Und manches davon ging gar nicht ins Ohr, klang trotzdem cool. Das fällt nun weg, die Melodien zünden sehr viel schneller. Dazu gesellt sich der ein oder andere Sound, der gar nach Synthie-Pop klingt, den man den Smashing Pumpkins damals unmöglich hätte zuschreiben können. Kein Art Rock mehr, kein rauer Alternative Rock, kein Grunge. Wie bewertet man dann „Cyr“?
Nun, das Gehörte geht ins Ohr. Schnell. Trotzdem steigert sich die Musik der Smashing Pumpkins auch hier noch mit jedem weiteren Durchgang. Immer wieder erwischt man sich dabei, wie der Fuß mitwippt, der Kopf leicht mitnickt. Und auch wenn dieser Sound des Synthie Pop an der ein oder anderen Stelle mal kurz aufpoppt, so bleibt die Musik der US-Amerikaner doch immer noch Alternative Rock. Alternative Rock, der mit sehr guten und eingängigen Melodien aufwartet, die es lohnt gehört zu werden und der sich auch irgendwie cool anhört. Der rockige Ansatz bleibt definitiv erhalten – dieser etwas fordernde und schräge Ansatz in der Musik der Smashing Pumpkins ist verloren gegangen. Die Zeiten ändern sich – ganz eindeutig auch in den Liedern von Billy Corgan. Überzeugend klingt es trotzdem.
Fazit: Ich liebe „Siamese Dream“, „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ oder „Adore“. Darauf hört man andere Musik, als die Smashing Pumpkins sie heute machen. Doch auch „Cyr“ ist gelungen, anders zwar, doch hörenswert. Und so bleibt hier festzustellen, wer auf die eingängige Variante des Alternative Rocks steht, die auch mal im Pop „räubert“, die oder der dürfte eine Menge Spaß an „Cyr“ haben. Elf Punkte.